Respiratorische Robbenmilben als vernachlässigte Parasiten
Respiratory mites infesting pinnipeds as neglected parasites
Wissenschaftsdisziplinen
Veterinärmedizin (100%)
Keywords
-
Pinnipeds,
Marine Mammals,
Parasites,
Zoological Gardens
Die Milbengattungen Halarachne und Orthohalarachne haben eine ungewöhnliche und zugleich faszinierende Lebensweise entwickelt: Sie parasitieren im Atmungstrakt von semiaquatischen Meeressäugern, vor allem von Ohrenrobben, Hundsrobben und Walrössern. Ihre Larven leben in der Nasenhöhle und werden durch direkten Nasenkontakt der Tiere und durch ausgeniesten, milbenhaltigen Nasenschleim übertragen. Die sehr beweglichen Larven wandern anschließend in die Nasenlöcher ihrer neuen Wirte und entwickeln sich über Nymphenstadien zu den adulten Parasiten, die je nach Art im Nasen-Rachen-Raum oder gar tief in den unteren Atemwegen vorkommen. Respiratorische Milben wurden über Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung vernachlässigt und zählen heute zu den am wenigsten untersuchten Parasiten von Robben. Infestationen können symptomlos verlaufen, allerdings sind auch Fälle mit schweren Erkrankungen und gar assoziierte Todesfälle dokumentiert. In wildlebenden Robbenkolonien können diese Parasiten weit verbreitet sein, und auch in zoologischen Gärten wurden sie von unserer Arbeitsgruppe in den letzten Jahren bei verschiedenen Robbenarten nachgewiesen. Aktuell stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Der direkte Nachweis bei lebenden Robben ist aufgrund des speziellen Ansiedelungsortes der Milben sehr schwierig. Die allermeisten Studien entdeckten diese Parasiten erst post-mortem in der pathologischen Sektion. Unsere Voruntersuchungen zeigten erstmalig, dass die Sammlung von ausgeniestem Nasenschleim eine schonende und vielversprechende Nachweismöglichkeit darstellt. Auch die Frage der tatsächlichen Schadwirkung der Milben für ihren Wirt ist bis heute nur unzureichend untersucht. In diesem Forschungsprojekt verfolgen wir drei Schwerpunkte: (1) Wir werden nicht- und minimal-invasive Nachweismethoden entwickeln, adaptieren und etablieren um sowohl Tiere in der Wildbahn als auch in zoologischen Gärten schonend ohne den Einsatz von Narkosen beproben zu können. (2) Die mögliche Schadwirkung der Milben auf das Respirationssystem ihrer Wirte wird mit histologischen und molekularen Methoden untersucht. Dabei werden wir auch das Mikrobiom der Milben näher analysieren. (3) Mit bildgebenden Methoden, wie der Mikro- Computertomographie, werden die bisher nur sehr wenig untersuchten parasitären Reproduktions- und Respirationssysteme analysiert. Mit der geplanten Entwicklung von schonenden Nachweismethoden streben wir danach, einen neuen Goldstandard für den Nachweis dieser Parasiten zu schaffen. Dieser wird in der Zootiermedizin essentiell benötigt, um den Befallsstatus bei Robben ohne Narkose-Risiko besser evaluieren zu können. Gleichzeitig wird mit diesen Methoden auch die Erforschung der Parasiten in der Wildbahn drastisch erleichtert. Unsere Resultate sollen zudem neue Einblicke in die Rolle dieser Milben während Krankheitsgeschehen erbringen, um deren Bedeutung als Krankheitserreger in der Zootierhaltung als auch in der Wildbahn besser einordnen zu können.
- Schönbrunner Tiergarten-Gesellschaft m.b.H. - 100%
- Edwin Kniha, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Thomas Schwaha, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Joachim Spergser, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Martin Glösmann, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Stephan Handschuh, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Maria Soledad Leonardi, Consejo Nacional de Investigaciones Científicas y Técnicas - Argentinien
- Carlos Hermosilla, Justus Liebig-Universität Giessen - Deutschland
- Luis Gomez-Puerta, Universidad Nacional Mayor de San Marcos - Peru
- Helena Katz, Universidad de la Republica - Uruquay