Sprechen über stigmatisierte sexuelle Interessen
Communicating Stigmatized Sexual Interests to a Partner
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (40%); Klinische Medizin (20%); Psychologie (40%)
Keywords
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Fetishism,
Fetishistic Transvestism,
Sadomasochism,
Questionnaire Development,
Sexual Assertiveness,
Sexual Diversity
In der Gesellschaft gibt es eine vorherrschende Vorstellung davon, wie sexuelle Aktivität abläuft. Der Fokus liegt dabei meist auf der Stimulation der Genitalien einer Person durch die Genitalien der anderen Person. Tatsächlich können Menschen jedoch durch eine Vielzahl anderer Reize sexuelle Erregung empfinden. Im aktuellen Projekt wird untersucht, inwieweit Menschen fetischistische, fetischistisch-transvestitische oder sadomasochistische Interessen und Vorlieben haben. Bei fetischistischen Interessen erleben Personen sexuelle Erregung durch bestimmte Objekte oder durch Körperteile, die nicht zu den Genitalien gehören, wie etwa Füße. Personen mit fetischistisch- transvestitischen Interessen empfinden sexuelle Erregung, wenn sie Kleidung tragen, die typischerweise nicht für ihr Geschlecht vorgesehen ist. Sadomasochistische Interessen beinhalten sexuelle Erregung durch das Erleben oder Zufügen von Schmerz. Dabei gibt es klare Regeln, zum Beispiel in Bezug auf den Abbruch der Handlung, die Intensität oder die Art des (z.B. psychischen oder physischen) Schmerzes. Zentral für das Projekt ist die Entwicklung eines Fragebogens in deutscher und englischer Sprache, der diese drei Formen sexueller Interessen zuverlässig erfassen kann. Dabei werden unterschiedliche Aspekte berücksichtigt, wie das Fantasieren über solche Aktivitäten, deren tatsächliches Ausleben sowie das Ausmaß an Offenheit im Umgang mit diesen Interessen. Im Gegensatz zu früheren Studien, wird der Fragebogen wertfrei formuliert sein. Fetischistische, fetischistisch-transvestitische oder sadomasochistische Interessen werden dabei in gleicher Weise und mit derselben Wertschätzung erfasst wie sexuelle Interessen, die den vorherrschenden gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechen. Ziel ist es, zu erfassen, in welchem Ausmaß solche Interessen, Fantasien und Verhaltensweisen bei Menschen vorkommen und ob diese auch im Alltag oder in Partnerschaften gelebt werden können. Da solche sexuellen Interessen von verbreiteten Vorstellungen abweichen, sind sie häufig stigmatisiert. Diese Stigmatisierung kann es Menschen erschweren, offen über ihre sexuellen Wünsche zu sprechen. Im Fokus des Projekts steht daher auch die Frage, ob das Nicht-Ausleben dieser Interessen oder die Angst, solche Wünsche in einer partnerschaftlichen Situation zu äußern, mit sexueller Unzufriedenheit oder Beziehungsproblemen in Zusammenhang steht. Darüber hinaus werden Sorgen und Hemmungen im Hinblick auf das Sprechen über diese Interessen sowie Wünsche an das Gesundheitssystem zur Thematisierung solcher Themen erhoben. Das Projekt wird einerseits aufzeigen, dass viele Menschen fetischistische, fetischistisch-transvestitische oder sadomasochistische Interessen haben. Andererseits soll es Wege aufzeigen, wie diese Interessen und Wünsche besser gelebt und integriert werden können. Auf diese Weise leistet das Projekt einen Beitrag zur Förderung sexueller Gesundheit und zur Verbesserung gesundheitsbezogener Angebote.
- Iva Žegura - Kroatien
- Silva Neves - Vereinigtes Königreich