Anthropozentrik in Schulbüchern
Anthropocentrism in schoolbooks
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Erziehungswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
- Critical discourse analysis,
- Human-Animal Studies,
- School textbooks,
- Anthropocentrism,
- Ecolinguistics
Wie werden Tiere, ihre Lebenswelten und ihre Beziehung zum Menschen in österreichischen Schulbüchern dargestellt und welches Weltbild wird damit vermittelt? Ein neues Forschungsprojekt an der Universität Innsbruck, finanziert durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF, will herausarbeiten, wie Tiere sprachlich und bildlich in Schulbüchern präsentiert werden. Unter dem Titel Anthropozentrik in Schulbüchern untersucht das interdisziplinäre Team rund um ao. Univ.-Prof.in Dr.in Gabriela Kompatscher (Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien) gemeinsam mit Ass.-Prof. Mag. Dr. Reinhard Heuberger (Institut für Anglistik), Dr.in Reingard Spannring (Institut für Erziehungswissenschaften) und Dr.in Ulrike Schmid (Erziehungswissenschaften, Human-Animal Studies), in welchem Umfang in aktuellen Biologie- und Umweltbildungsbüchern (noch) Perspektiven verankert sind, die rein den Menschen in den Mittelpunkt stellen und damit anthropozentrische Denkmuster strukturell fortschreiben. Die Studie fragt daher, ob und wie Tiere als wesentlicher Teil der natürlichen Lebenswelt in Lehrmaterialien integriert oder aber unsichtbar gemacht werden. Den Ausgang bildet die Lehrplanreform 2023, mit der in Österreich das Unterrichtsfach Biologie und Umweltkunde in Biologie und Umweltbildung umbenannt wurde. Die neue Generation an Schulbüchern trägt nun den Zusatz nach neuem Lehrplan doch wie viel neues Denken steckt wirklich darin? Das Projekt will herausfinden, ob und wie die Darstellungen von Tieren und ihren Lebenswelten tatsächlich zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung beitragen. Schulbücher sind mehr als neutrale Wissensvermittler, erklärt Projektleiterin Gabriela Kompatscher. Sie transportieren Ideologien und Werte und prägen unser Bild von der Welt und den Tieren. Unsere Analyse soll sichtbar machen, welche Bilder, Begriffe und Hierarchien über Tiere und die natürliche Welt transportiert werden. Dies ist auch vor dem Hintergrund planetarer Bedrohungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltausbeutung ein dringliches pädagogisches Anliegen. Die Studie verbindet kritische Diskursanalyse, Ökolinguistik und Mensch-Tier-Studien und liefert eine empirisch fundierte Grundlage, um Lehrmaterialien aus tierethischer Perspektivezureflektieren.Neben der Analyse soziokultureller Bedeutungszuschreibungen ist ein weiteres Ziel die Erstellung eines Kompendiums, das Akteur:innen aus Bildungspraxis und Bildungspolitik Orientierung und Unterstützung bieten soll, um alternative, nicht-anthropozentrische Perspektiven in Bildungsmaterialien sowie dem Unterrichtsalltag zu inspirieren und zu fördern. Die Forschung erhält zudem Unterstützung durch die fachwissenschaftliche Expertise von Priv.-Doz. Zsfia Virnyi, PhD, stellvertretende Zentrumsleiterin des Messerli Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die Studie läuft über drei Jahre und wird mit Ende 2028 fertiggestellt sein. Weitere Informationen: Universität Innsbruck Human-Animal Studies: https://www.uibk.ac.at/projects/has
- Universität Innsbruck - 100%
- Zsofia Viranyi, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in