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Lagerplatz-Mobilität im Jungpaläolithikum Europas

Residential Mobility in Upper Palaeolithic Europe

Philip R. Nigst (ORCID: 0000-0001-7330-8768)
  • Grant-DOI 10.55776/PAT4701725
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projektbeginn 01.01.2026
  • Projektende 30.04.2029
  • Bewilligungssumme 448.624 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (35%); Geschichte, Archäologie (65%)

Keywords

    Upper Palaeolithic, Mobility, Lithic Technology, Zooarchaeology, Europe, Lithic Technological Organisation

Abstract

In der Vergangenheit und auch heute noch sind Jäger*innen- und Sammler*innen- Gemeinschaften darauf angewiesen, mobil zu sein, um alles zu finden, was sie zum Leben brauchen von Nahrung und Rohmaterialien bis hin zu Orten von kultureller oder sozialer Bedeutung. Studien zu heutigen Jäger*innen- und Sammler*innengruppen zeigen, dass die Häufigkeit von Lagerplatzwechseln von Faktoren wie Umweltbedingungen und Gruppengröße abhängt. Diese Bewegungsmuster prägen viele Lebensbereiche: welche Werkzeuge Menschen herstellen, wie sie zusammenleben und welche Spuren sie hinterlassen, die Archäolog*innen heute finden können. Die archäologische Forschung hat sich bisher vor allem damit beschäftigt, wie sich einzelne Personen bewegten (zum Beispiel durch chemische Analysen an Zähnen) oder mit Mobilität rund um einzelne Fundstellen oder Fundplatzcluster (etwa durch Herkunftsanalysen von Steinwerkzeugen). Solche Studien liefern Momentaufnahmen individueller Lebensläufe oder der Landschaftsnutzung um bestimmte Orte, sagen jedoch wenig darüber aus, wie sich ganze Gruppen über längere Zeiträume und größere Räume hinweg bewegten. Für das europäische Jungpaläolithikum (etwa 50.00012.000 Jahre vor heute) fehlt uns bislang ein klares, großräumiges Bild davon, wie mobil Menschen waren und wie sich dies in den archäologischen Hinterlassenschaften widerspiegelt. Dieses Projekt zielt darauf ab herauszufinden, wie oft jungpaläolithische Jäger*innen- und Sammler*innengruppen ihre Lagerplätze wechselten und wie sie unterschiedliche Landschaften in Europa nutzten. Konkret wird untersucht: (1) Ob Klimaveränderungen beeinflussten, wie Menschen Tiere jagten und Steinwerkzeuge herstellten; (2) Ob sich ihre Werkzeugausstattung änderte, wenn die Umwelt risikoreicher wurde oder wenn sie häufiger Lagerplätze wechselten; (3) Ob Jagdpraktiken und Strategien der Werkzeugherstellung miteinander verbunden waren; und (4) Wie Mobilität und Landschaftsnutzung mit klimatischen Bedingungen zusammenhingen. Dafür werden Tierknochen- und Steinwerkzeug-Datensätze aus ganz Europa sowie aus drei spezifischen Regionen analysiert. Das Projekt nutzt Ansätze der Human Behavioural Ecology und analysiert Daten zu Tierüberresten und Steinwerkzeugen, um Mobilitätsmuster zu rekonstruieren. Statistische Verfahren wie Regressionsanalysen und Principal Component Analysis ermöglichen es, diese Muster mit Umwelt- und Klimadaten aus der Vergangenheit zu vergleichen. Dieses Projekt wird die erste großangelegte, systematische Untersuchung zur Gruppenmobilität im europäischen Jungpaläolithikum liefern. Anstatt Steinwerkzeuge nur als Endprodukte zu betrachten, werden sie hier als Ressourcen analysiert, die Menschen nutzten und zurückließen. So eröffnet die Forschung neue Einblicke in das Leben, die Mobilität und die Anpassungsstrategien von Jäger- und Sammlergruppen in Zeiten klimatischer Veränderungen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Marjolein D. Bosch, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Michael Brandl, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Andrew Kandel, Akademie der Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg - Deutschland
  • Cristina Cordos, Romanian Academy of Sciences, Bucharest - Rumänien
  • Paloma De La Peña Alonso, Universidad de Granada - Spanien
  • Andrea Manica, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich

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