Der Einfluss der Vogelfütterung auf die Vogelgesundheit
Pathogens: From Feeders to Flocks
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
- Bird Feeding,
- Urban Ecology,
- Ecophysiology,
- Pathogen Infection,
- Disease Resistance,
- Disease Ecology
Das Füttern von Wildvögeln ist eine beliebte Möglichkeit um mit der Natur in Kontakt zu treten. Viele Menschen füttern mit der Intention, den Wildtieren etwas Gutes zu tun oder einfach, um der Natur nahe zu sein. Obwohl die Vogelfütterung in der Regel als harmlos oder sogar hilfreich angesehen wird, sind ihre tatsächlichen Auswirkungen auf die Vogelgesundheit noch nicht vollständig untersucht. So ziehen etwa Futterstellen häufig viele Vögel verschiedener Arten an, was die Ausbreitung von Krankheiten fördern kann. Das Zusammenspiel zwischen Vogelfütterung und Vogelgesundheit ist jedoch komplex und betrifft mehr, als nur das reine Infektionsrisiko. So kann es an Futterstellen etwa zu Stress kommen, wenn Vögel dort einer starken Nahrungskonkurrenz ausgesetzt sind. Sogar Mangelerscheinungen können auftreten, wenn das bereitgestellte Futter nicht alle wichtigen Nährstoffe natürlicher Nahrungsquellen enthält. Da die Vogelfütterung in Europa und darüber hinaus weit verbreitet ist und ihre Beliebtheit ständig zunimmt, ist es für Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen wichtig zu verstehen, wie sie Vogelpopulationen beeinflusst. Im Mittelpunkt unseres Projektes stehen zwei bekannte Gartenvögel die Kohlmeise (Parus major) und die Blaumeise (Cyanistes caeruleus). Beide Arten sind häufige Besucher an Futterstellen und zudem ausgezeichnete Modellarten, um den Einfluss einer städtischen Umgebung auf Wildtiere zu untersuchen. Speichel-, Kot- und Blutproben von rund 400 Vögeln, die in Innsbruck und Umgebung in Gegenden mit unterschiedlicher Dichte von Vogelfütterungen gesammelt wurden, werden im Labor analysiert. Diese Ergebnisse geben uns Auskunft darüber, wie die zusätzliche Fütterung die Gesundheit und das Krankheitsgeschehen der Vögel beeinflusst. Konkret wollen wir herausfinden: Ob das Anbieten von Futter die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit einem von sieben häufigen Krankheitserregern erhöht. Ob diese Infektionen die Gesundheit von Wildvögeln beeinträchtigen. Ob die Auswirkungen von Fütterung und Infektionen von der Qualität des umgebenden Lebensraums abhängen. Ob Vogelfütterung die Gesundheit der Vögel auch unabhängig von Infektionen beeinflusst zum Beispiel durch sozialen oder ernährungsbedingten Stress. Durch die Kombination ökologischer, physiologischer und infektionsbezogener Daten können wir in diesem Projekt erstmals aufzeigen, wie menschliches Verhalten die Gesundheit von Stadtvögeln konkret beeinflusst. Es wird helfen, wichtige Wissenslücken schließen, die den Einfluss der Fütterung auf die Ausbreitung von Krankheiten, Stress und das Wohlbefinden von Vögeln betreffen. Über seinen wissenschaftlichen Beitrag hinaus hat das Projekt auch einen praktischen und gesellschaftlichen Nutzen: Es verbessert die Methoden zur Erkennung von Krankheitserregern und der Bewertung der Tiergesundheit und liefert wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Vogelfütterung, die Wildvogelpopulationen nachhaltig unterstützt.
- Universität Innsbruck - 100%
- Daniela Sint, Universität Innsbruck , nationale:r Kooperationspartner:in
- Marion Chatelain, Universität Innsbruck , ehemalige:r Projektleiter:in