Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
- History of philosophy,
- Syriac Christianity,
- Aristotle,
- Porphyry,
- Education,
- Logic
Aristoteles Schrift Kategorien spielte eine zentrale Rolle im Bildungssystem der Spätantike. Zusammen mit der Isagoge des Philosophen Porphyrios bildete sie die Grundlage für das Philosophiestudium in der Griechisch-sprachigen Welt. Diese beiden Werke waren oft die ersten Texte, mit denen Schüler beim Erlernen von Logik und Philosophie in Berührung kamen. Besonders interessant ist, dass Aristoteles Kategorien häufig das einzige griechische philosophische Werk war, das in christlichen Schulen im Nahen Osten gelehrt wurde. Dies galt vor allem in Regionen, in denen Syrisch ein Dialekt des Aramäischen die wichtigste Bildungssprache war. Die erhaltenen syrischen Übersetzungen dieses Werks geben uns wertvolle Einblicke: Sie zeigen, wie die griechische Philosophie im christlich geprägten Orient verstanden, interpretiert und vermittelt wurde. Dabei handelt es sich nicht um einfache Übersetzungen, sondern um Zeugnisse eines intensiven geistigen Austauschs zwischen griechischer und syrischer Kultur. Diese Übersetzungen entstanden zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert auf der Grundlage griechischer Originale, die heute verloren sind. Deshalb könnten sie Fassungen oder Lesarten bewahrt haben, die älter sind als alle heute noch existierenden griechischen Manuskripte und uns so einen direkteren Zugang zum frühen aristotelischen Denken eröffnen. Das vorliegende Forschungsprojekt verfolgt zwei zentrale Ziele: Erstens soll erstmals eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung aller erhaltenen syrischen Übersetzungen der Kategorien durchgeführt werden. Damit entsteht eine solide Grundlage für den Vergleich sowohl unter den syrischen Versionen als auch mit dem ursprünglichen griechischen Text. Im Rahmen dieser Forschung wird auch eine frei zugängliche digitale Datenbank erstellt, in der die Unterschiede zwischen den Textfassungen dokumentiert sind. Diese Datenbank wird es ermöglichen, die Entwicklung und Weitergabe des Textes besser nachzuvollziehen und die syrischen Zeugnisse in die gesamte Überlieferungsgeschichte des Werks einzubetten. Zweitens soll das Projekt zum besseren Verständnis der christlichen Philosophieausbildung in der Spätantike und im frühen Mittelalter beitragen. Es zeigt auf, welche Bedeutung Aristoteles logische Schriften insbesondere die Kategorien in der schulischen Bildung Syrisch- sprachiger Christen hatten und wie sie das intellektuelle Leben dieser Gemeinschaften beeinflusst haben. Die Ergebnisse dieses Projekts werden nicht nur für Fachleute auf dem Gebiet der antiken Philosophie und Logik nützlich sein. Sie helfen auch dabei, eine bislang wenig beachtete Lücke in der Philosophiegeschichte zu schließen: die wichtige Rolle, die orientalische Christen bei der Bewahrung, Interpretation und Weitergabe griechischer philosophischer Texte gespielt haben.
- Universität Salzburg - 100%
- Jasmine Dum-Tragut, Universität Salzburg , nationale:r Kooperationspartner:in
- Dieter Harlfinger, Freie Universität Berlin - Deutschland
- Rüdiger Arnzen, Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg - Deutschland
- Pieter Sjoerd Hasper, Universität Hamburg - Deutschland
- Geneviève Lachance, University of Lisbon - Portugal