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Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (45%); Sprach- und Literaturwissenschaften (55%)
Keywords
-
Digital Humanities,
Austrian Literature,
Edition Philology,
European Cultural History,
Peter Handke,
Humanities
Die Notizbücher des österreichischen Literaturnobelpreisträgers Peter Handke sind nichts weniger als ein gewaltiges Projekt der Welterfassung mit mittlerweile über 30.000 engbeschriebenen Seiten. Derzeit sind 75 Notizbücher aus dem Zeitraum von 1971 bis 1990 (10.900 Seiten) im Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) und im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) in Wien zugänglich. 2021 haben die beiden Archive beschlossen, diese gefragten Bestände auf der Plattform für digitale Editionen der ÖNB einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen: https://edition.onb.ac.at/handke-notizbuecher (open access). Es handelt sich um eine umfangreiche Erstveröffentlichung: Die ersten 21 Notizbücher von 1976 bis 1979 sind bereits online, das aktuelle Projekt widmet sich nun den chronologisch anschließenden 26 Notizbüchern von 1979 bis 1986 (3.967 Seiten). Für die Forschung sind die Notizbücher ein bedeutender Werkkomplex Handkes. Sie sind nicht nur sein wichtigstes Arbeitsmittel, mit dem er seine Werke vorbereitet, seine Poetik entwickelt oder Lektüren und Reisen vermerkt. Ab 1976 beginnt er eine tägliche konsequente Mitschrift von spontanen Bewusstseinseindrücken aller Art (nichts Privates) sein, wie er es nennt, persönliches Epos. Dichte und Verschiedenartigkeit der Notizen sowie die Gestaltung mit bunten Stiften und Zeichnungen machen die Notizbücher zu Kunstwerken von eigenem Rang und unverzichtbaren Quellen für die Handke-Forschung. Sie gelten als Schlüssel für jede seriöse Werkinterpretation: Sie eröffnen neue Zugänge (Tiefenerschließung) und ermöglichen neue Fragestellungen und Erkenntnisse zur Poetik, zum Einfluss von Lektüren oder Reisen auf sein Schreiben, zur biografischen Verortung bestimmter Motive oder zur spezifischen Arbeitsweise und Entstehung seiner Werke. Die editorisch herausfordernden Texte werden auf Basis aktueller technischer und wissenschaftlicher Standards und mit Unterstützung der neuesten technischen Hilfsmittel transkribiert, ediert und visualisiert. Sie sind philologisch gesichert, kommentiert, einfach les- und zitierbar sowie am Faksimile überprüfbar. Überblickskommentare und Register bieten verschiedene Einstiegsmöglichkeiten in den Text und helfen, den enormen Umfang der Seiten zu bewältigen. Das aktuelle Projekt erweitert nun die bestehenden Vermittlungs- und Erschließungsangebote mithilfe innovativer Forschungsansätze: durch eine Suchfunktion oder die Darstellung von Reiseverläufen. Alle editorischen, technischen und grafischen Entscheidungen werden in den Editionsrichtlinien detailliert dokumentiert. Geleitet wird das Projekt von PD Dr. Bernhard Fetz und Dr. Ulrich von Bülow. Umsetzung durch sieben wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Editionsleitung: Mag. Katharina Pektor.
- Bülow Ulrich Von, Deutsches Literaturarchiv Marbach - Deutschland