Influencer und Politik im digitalen Zeitalter
Influencers and Politics in the Digital Age
Frankreich
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (100%)
Keywords
- Political influencers,
- Political actors,
- Social media,
- Citizenship,
- Communication,
- Digital social research
In den letzten zwanzig Jahren haben Social-Media-Plattformen die Art und Weise, wie Politik funktioniert, verändert. Heute beziehen viele Menschen, insbesondere jüngere Generationen, politische Informationen nicht mehr primär aus traditionellen Nachrichtenquellen, sondern von Persönlichkeiten, denen sie auf Social-Media-Plattformen folgen und vertrauen. Eine Gruppe darunter sind politische Social-Media-Influencer (PSMIs): Content-Ersteller:innen, die regelmäßig politische Themen, Parteien oder Kandidat:innen erklären, kommentieren oder bewerben. Politiker:innen und Parteien arbeiten zunehmend mit diesen Influencern zusammen. Influencer erklären komplexe Themen in einfacher Sprache, verbinden sie mit dem Alltag und kommunizieren in einem persönlichen Stil. Sie können das Interesse an Politik wecken, Diskussionen anregen und Menschen motivieren, wählen zu gehen oder sich an Kampagnen zu beteiligen. Ihr Einfluss basiert oft auf Vertrauen. Follower fühlen sich mit Influencern teilweise persönlich verbunden, auch wenn diese Beziehung einseitig ist. Dieses Gefühl der Vertrautheit kann politische Botschaften authentischer und überzeugender erscheinen lassen. Gleichzeitig wirft der wachsende Einfluss politischer Influencer wichtige Fragen auf. Nach welchen Kriterien entscheidet die Politik, mit welchen Influencern sie zusammenarbeiten? Wie bringen Influencer politische Partnerschaften mit der Aufrechterhaltung des Vertrauens ihrer Follower in Einklang? Welche Rolle spielen Marketingagenturen oder Vermittler:innen hinter den Kulissen? Und wie reagieren die Bürger:innen? Führen Onlineinteraktionen zu politischen Aktionen in der realen Welt? INFLUPOL befasst sich mit genau diesen Fragen, indem es die Beziehungen zwischen politischen Influencern, politischen Organisationen und Bürger:innen analysiert. Der Fokus liegt auf Ländern in Europa, die sich u.a. in ihren politischen Traditionen und Mediensystemen unterscheiden. Durch den Vergleich dieser Kontexte soll verstanden werden, wie kulturelle, mediale und politische Umfelder die Zusammenarbeit zwischen Influencern und der Politik prägen. Dazu nutzt das Projekt eine Kombination aus Interviews, Umfragen, Social-Media-Analysen und digitalen Methoden, um Netzwerke zu kartieren, Inhalte zu analysieren und die Reaktionen des Publikums zu untersuchen. Es untersucht die Vor- und Nachteile der Beteiligung von Influencern an und in der Politik. Einerseits können Influencer die demokratische Teilhabe stärken, indem sie Menschen einbinden, die sich von der traditionellen Politik abgekoppelt fühlen. Andererseits können sie aber auch Polarisierungen verstärken, Desinformation verbreiten und zu Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen beitragen. Letztendlich zielt INFLUPOL darauf ab, unser Verständnis davon zu verbessern, wie politischer Einfluss im digitalen Zeitalter funktioniert. Der Einfluss von Influencern auf die Beziehung zwischen Politik und Bürger:innen kann langfristige Folgen für die Demokratie haben.
- Universität Innsbruck - 100%