(Re-)Konstruktion von Perspektive
(Re-)Constructing Perspective
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Psychologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
- Narratology,
- Literary Studies,
- Creative Writing,
- Reader Response,
- Digital Humanities,
- Cognitive Psychology
Jede Darstellung einer erzahlten Welt setzt eine bestimmte Perspektive voraus also einen Standpunkt, von dem aus erzahlt wird. Die Literaturwissenschaft beschaftigt sich daher schon lange mit der Frage, wie solche Perspektiven in Erzahlungen gestaltet und wie sie exakt zu analysieren sind. Im Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Begriffe und Ansatze entwickelt, um die unterschiedlichen Formen der Perspektivgestaltung zu beschreiben. Daruber, wie Erzahlperspektiven auf Leserinnen und Leser wirken, welchen Einfluss sie auf die Leseerfahrung und den Aufbau mentaler Modelle der erzahlten Welt und der literarischen Figuren haben, gibt es zwar theoretische Annahmen, aber keinen auch nur annahernd gesicherten Forschungsstand. Bisherige Theorien aus Literaturwissenschaft und Psychologie gehen davon aus, dass verschiedene Erzahlperspektiven zu unterschiedlichen Leseerfahrungen fuhren. Viele dieser Annahmen wurden jedoch bislang kaum empirisch uberpruft. Das Projekt mochte deshalb untersuchen, welche Rolle erzahlerische Perspektiven in literarischen Texten spielen und wie sie das Lesen und Verstehen beeinflussen. Dazu werden theoretische, empirische und computerbasierte Methoden miteinander kombiniert. Zunachst soll eine systematische Übersicht daruber entstehen, welche Wirkungen unterschiedlichen Erzahlperspektiven in der Literaturtheorie, in den zahlreichen Anleitungen und Kursen zum kreativen Schreiben und in den bisher durchgefuhrten empirischen Studien zugeschrieben werden. Darauf aufbauend wird analysiert, wie Perspektivhinweise in literarischen Texten eingesetzt werden und wie Leserinnen und Leser solche Hinweise wahrend des Lesens wahrnehmen und verarbeiten. Schließlich wird erforscht, wie Menschen auf verschiedene Erzahlperspektiven reagieren, welche Gefuhle und Gedanken sie dabei entwickeln und wie sich diese auf ihr Erinnern und Nacherzahlen von Geschichten auswirken. Üm diese Fragen zu beantworten, werden unterschiedliche Methoden eingesetzt: theoretische Analysen, computergestutzte Korporauswertungen, Eye-Tracking zur Beobachtung von Blickbewegungen beim Lesen, die Think-Aloud-Methode zur Erfassung von Leseerlebnissen sowie die Üntersuchung der umfangreichen Kommunikation uber Bucher und Lesen auf digitalen sozialen Leseplattformen wie Lovelybooks, Goodreads, BookTok etc. Dieses internationale und transdisziplinare Projekt bringt Fachleute aus Literaturwissenschaft, Narratologie, Computerlinguistik, Psychologie und Leseforschung zusammen. Es verbindet theoretische Analysen mit empirischen Üntersuchungen und nutzt modernste technische Methoden. Auf diese Weise tragt das Projekt dazu bei, ein zentrales literarisches Phanomen besser zu verstehen.
- Universität Wien - 100%
- Gerhard Lauer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Deutschland