Die Ansprache von Gruppen in Parlaments- und Wahldebatten
GAEPD - Group Appeals in Electoral and Parliamentary Debates
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (100%)
Keywords
- Group Appeals,
- Political Communication,
- Elite-Voter Linkages,
- Computational Text Analysis,
- Survey Experiments
Warum sprechen Politikerinnen und Politiker von der Mittelschicht, Zuwanderern oder Familien? Politische Botschaften richten sich oft an bestimmte gesellschaftliche Gruppen Gruppen, mit denen sich Menschen identifizieren oder die sie für wichtig halten. Solche gruppenbezogenen Aussagen beeinflussen, wie Menschen wählen und wie sie politische Parteien wahrnehmen. Dennoch wissen wir bisher wenig darüber, warum und wie Politiker*innen und Parteien solche Gruppen ansprechen und welche Folgen das für die Demokratie hat. Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie politische Parteien und Abgeordnete in Westeuropa über gesellschaftliche Gruppen sprechen sowohl in Wahlkämpfen als auch in alltäglichen Parlamentsdebatten. Es untersucht folgende zentrale Fragen: Über welche Gruppen wird gesprochen? Wie werden diese Gruppen beschrieben? Und wie wirken sich solche Aussagen auf das Wahlverhalten und die politische Meinungsbildung aus? Dazu analysiert das Projekt die Kommunikation politischer Parteien aus acht westeuropäischen Ländern. Im Fokus stehen zwei Kommunikationsformen: Wahlprogramme und Reden im Parlament. Auf diese Weise lässt sich untersuchen, ob Parteien ihre Sprache je nach politischem Kontext verändern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Gruppen beschrieben werden. Manche Gruppen sind klar benennbar etwa Rentner oder Landwirte. Andere werden indirekter angesprochen, zum Beispiel als fleißige Menschen oder die Abgehängten. Das Projekt fragt zudem, ob Gruppenbeschreibungen eher ein- oder ausschließend formuliert sind. Zur Auswertung dieser großen Textmengen nutzt das Forschungsteam moderne Verfahren der computergestützten Textanalyse. Diese ermöglichen es, tausende politische Dokumente systematisch daraufhin zu untersuchen, welche Gruppen genannt werden, wie über sie gesprochen wird und wie sich dies über die Zeit und zwischen Ländern unterscheidet. Das Projekt liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Politik gesellschaftliche Wahrnehmungen beeinflusst. Es zeigt, wie Parteien um Zustimmung werben und wie ihre Aussagen gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken oder schwächen können. Die Ergebnisse sind relevant für Wissenschaft, Politik und alle, die sich für die Zukunft der Demokratie interessieren. Das Projekt wird geleitet von Dr. Lena Maria Huber (Universität Mannheim) und Dr. Hauke Licht (Universität Innsbruck), die auf politische Kommunikation und die Analyse politischer Texte spezialisiert sind.
- Universität Innsbruck - 100%
- Lena Maria Huber, Universität Mannheim - Deutschland