Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
Ingeborg Bachmann,
Marlen Haushofer,
Hélène Cixous,
Exchange,
Economy,
Feminism
Abstract
Marlen Mairhofers Studie In Austausch begriffen untersucht zwei Texte österreichischer Autorinnen,
Ingeborg Bachmanns Romanfragment Das Buch Franza (1965/66) und Marlen Haushofers letzten
Roman Die Mansarde (1969), hinsichtlich der darin wirksamen Tausch- und Machtverhältnisse.
Neben Bachmann und Haushofer bildet die französische Autorin Hélène Cixous (geb. 1937) die
gleichberechtigte Dritte im Bande, deren Annahme, dass männliche und weibliche Schreibweisen
voneinander abweichenden libidinösen Ökonomien folgen, kritisch erprobt wird, um die
vielgestaltigen Austauschbeziehungen herauszuarbeiten, die in den Texten wirksam sind. Diese
Perspektive zeigt unvermutete Parallelen und Entsprechungen, deren innere Dynamiken sich
wechselseitig erhellen und so gar nicht auf binäre Typologien beschränken lassen wollen. Was die
drei Autorinnen somit verbindet, sind weniger biografische Muster, sondern sprachliche und
diskursive Elemente, die das Schreiben und Leben der Autorinnen in den 1960er Jahren
strukturierten. Es sind die Kräfteverhältnisse [], wie sie sich anhand des Materials und eingedenk
der Umstände seiner Entstehung darstellen, deren Ökonomien lustvoll rekonstruiert und anhand
thematischer Korrespondenzen erschlossen werden. Beleuchtet werden etwa die Frage danach, wie
Kommunikation aufrechterhalten werden kann, wenn der Austausch von Signifikanten unmöglich
scheint, wie mit (sprachlichen und materiellen) Erbschaften umzugehen ist und wie der Ausfall von
Sinneskanälen erfordert, die eigene Wahrnehmung auf die Probe zu stellen. Darüber hinaus
unterzieht die Studie die bestehende Rezeption aller drei Autorinnen einer kritischen Revision und
widmet sich den spezifischen Produktionsbedingungen der untersuchten Texte, indem sie Ökonomien
des Materials, der Textentstehung und der Textträger in dem Blick nimmt.