Queer Partisaning als filmische Vagabundage
Queer Partisaning as Cinematic Errantry
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (65%); Soziologie (35%)
Keywords
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Experimental Cinema,
Queer Theory,
Autoethnography,
Decolonial Methodologies,
DIY filmmaking,
Post-Soviet/Postsocialist Studies
Basierend auf ihrer experimentellen Filmarbeit entfaltet Masha Godovannaya in der Monografie Queer Partisaning: Spuren queerer Relationalität als filmische Vagabundage eine Untersuchung queerer Relationalität als eine alternative Form des In-der-Welt-Seins. Diese relational gedachte Praxis zeigt sich in diasporischen, sozial-ästhetischen Gesten, in alltäglichen Handlungen des queeren Lebens, Liebens und Verbindens als poetische wie politische Strategie des Überlebens und Gestaltens. In Anlehnung an Lauren Berlant und Michael Warner (1995) entwickelt Godovannaya ihre künstlerische Forschung als queeren Kommentar, in dem Theorie, Praxis und gelebte Erfahrung unauflöslich miteinander verflochten sind, und in dem eine breite Palette von hybridisierten Genres und Medien zur Artikulation queeren Lebens beiträgt. Inspiriert von den theoretischen und poetischen Konzepten von Édouard Glissant, José Esteban Muñoz, Elizabeth Freeman, Audre Lorde, Trinh T. Minh-ha, Craig Gingrich-Philbrook und anderen, versteht Godovannaya ihr filmisches Vagabundieren als rhizomatische Methode. Ihre Arbeitsweise verbindet qualitative Sozialforschung, rekonfigurierte Auto\Ethnografie, Queer-Theorie und experimentelles Kino zu einem dichten Gewebe postqualitativer, dekolonialer und queerer Forschungsansätze Ansätze, die ihre Praxis des queer partisaning methodisch und ethisch fundieren. In ihrer Forschung schlägt Godovannaya vor, experimentelles Kino als eine Technik der Gruppenbildung zu begreifen (Freeman, 2007) als einen ästhetisch wirkmächtigen Raum, in dem queere Beziehungen entstehen, in Praxis übergehen, visuell erfahrbar werden und ästhetisch Gestalt annehmen können durch, mit und als Filmemachen sowie durch, mit und als Filme. Queer Partisaning bezeichnet Godovannayas klandestine, feministische Strategien der Arbeit mit Zelluloidfilm und Video, wobei queer für eine engagierte Form kritischer Auseinandersetzung steht und partisaning für unabhängige, handwerklich-künstlerische Praxis. Der Begriff queer partisaning verweist auf Godovannayas klandestine feministische Strategien der Film- und Videoproduktion mit Zelluloid, bei denen queer als kritische Forschung fungiert und partisaning auf unabhängiges, handwerklich-künstlerisches Schaffen zielt. Mit den Mitteln, die jeweils zur Verfügung stehen, wird so eine kollaborative Form visueller Produktion ermöglicht, offen für alle, die sich auf diesen filmischen Prozess einlassen möchten. Dieses kollaborative Arbeiten schafft Räume der Teilhabe, des Teilens und des gemeinsamen Gestaltens alternativer filmischer Welten. In ihrem Buch legt Godovannaya dar, dass durch die von ihr entwickelten Strategien des experimentellen Filmemachens sowie durch die bewusste Einbindung anderer als westlicher Subjekte von Queerness in diese filmische Vagabundage eine queere Relationalität entstehen kann und zwar im Rahmen eines ethisch reflektierten, kollaborativen Prozesses der Filmproduktion, in dem diese Relationalität gemeinsam erträumt, konkret erfahrbar gemacht und fortlaufend neu hervorgebracht wird. Die Monografie erscheint 2026 im Open-Access-Verlag Apparatus Press.