Die Wiener Stadtbücher 1395-1430, Teil 6: 1422-1427
Die Wiener Stadtbücher 1395-1430, Part 6: 1422-1427
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Rechtswissenschaften (25%)
Keywords
- Wien,
- Stadtrat,
- Stadtbuch
Die Edition der Wiener Stadtbücher enthält die Wiedergabe von handschriftlichen Auf- zeichnungen über das Rechtsleben im spätmittelalterlichen Wien, welche durch juristisch gebildete Stadtschreiber im Auftrag des Stadtrates getätigt wurden. Sie sind für die Zeit von Dezember 1395 bis April 1430 in drei handschriftlichen Foliobänden erhalten und werden im Wiener Stadtarchiv verwahrt. Diese Codices umfassen mehr als 1700 Blätter und enthalten gut 4500 Einträge. In zwei Drittel der Fälle handelt es sich um nach dem damals geltenden Gewohnheitsrecht gestaltete letztwillige Verfügungen. Früher wurden diese Codices des- wegen auch oft als Testamentsbücher bezeichnet. Es handelt sich jedoch um Testamente, welche zu einer Rechtsnachfolge in Bezug auf das Gesamtvermögen einer verstorbenen Person führen, sondern um Sammelvermächtnisse, sie verschaffen den Begünstigten nur einzelne Teile oder bestimmte Gegenstände des Nachlasses und werden im Rechtsleben deswegen auch als Geschäfte bezeichnet. Die Stadtbücher enthalten darüber hinaus aber eine Vielfalt von Eintragungen auch über andere Rechtsakte privatrechtlicher Natur, vor- wiegend aus dem Bereich des Familien- und Erbrechts, etwa Erbteilungen oder Nachweise über Verwandtschaftsverhältnisse im Hinblick auf die Geltendmachung von Erbansprüche nach in Wien verstorbenen Bürgern. Hinzu kommen Bestellungen von Vormündern sowie Feststellungen über die Volljährigkeit und die damit erreichte Geschäftsfähigkeit einer Person. Etliche Einträge betreffen aber auch Angelegenheiten des öffentlichen Rechts, Rechtsakte, welche von den Landesfürsten oder Landständen bzw. vom Stadtrat ausgingen. Anfang der 1980er Jahre wurde dieses Projekt von Professor Wilhelm Brauneder (Rechts- historiker an der Universität Wien) gemeinsam mit Gerhard Jaritz (Mediävist am Institut für Realienkunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Krems und später Pro- fessor an der Central European University in Budapest) ins Leben gerufen. Seit 1985 wirkt Christian Neschwara, zunächst als Assistent von Wilhelm Brauneder, mit und fungiert seit seiner Ernennung zum Professor (1998) als Mitherausgeber, von 2006 an allein mit Gerhard Jaritz. Dieser ist verantwortlich für die textkritische Transkription der Einträge sowie für die Herstellung eines druckfertigen Manuskripts, Christian Neschwara hat die Aufgabe, den In- halt in Regesten zu beschreiben sowie Register und Verzeichnisse zu den Eintragungen zu liefern. Die Edition erfasst aktuell in sechs Bänden mit mehr als 4000 Einträgen (von 1395 bis 1427) bereits 90% der Handschriftentexte. Es ist noch ein Band zu produzieren, welcher die übrigen Eintragungen (bis 1430) enthalten wird sowie eine Einleitung mit einer Beschreibung der Handschriften sowie Registern (Begriffe der Realienkunde bzw. Gewohnheitsrechts). Zur Orientierung steht vorläufig ein Gesamtverzeichnis der Eintragungen sowie ein rechts- historisches Glossar online zur Verfügung.
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