´Die Waffenbrüder Dolmetschen´
Interpreting Brothers-in-War.
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
- World War II,
- Translation Zone,
- Third Reich,
- Finland,
- Interpreting,
- Liaison Officers
Die deutsch-finnische Waffenbrüderschaft brachte über 200.000 deutsche Soldaten nach Finnland und konstruierte für drei Jahre (6/1941 - 9/1944) vor allem in Nordfinnland eine Kooperationszone, für die tägliche Kommunikation zwischen Armeen, Ziviladministration und -bevölkerung charakteristisch war und die somit koordinierte Maßnahmen und Ressourcen für Sprachvermittlung voraussetzte. Das Buch stellt die Formen der sprachlich-kulturellen Vermittlung in den Vordergrund und konzeptualisiert die Allianz als ein Flickwerk von translatorischen Räumen: Übersetzen und Dolmetschen war die kommunikative Grundbedingung des Nebeneinanders, auf die auch auf beiden Seiten der Allianz Aufmerksamkeit gerichtet wurde. Im Fokus der Arbeit sind die finnischen Dolmetscher und Verbindungsoffiziere des Finnischen Verbindungsstabs in Rovaniemi, die den deutschen Einheiten mit der Aufgabe zugeteilt waren, als kommunikative Brücken zwischen den beiden Armeen zu agieren, die deutschen Truppen in alltäglichen Belangen zu unterstützen und gleichzeitig den Waffenbruder für das Finnische Oberkommando zu beobachten. Durch ihre Wochenberichte, die Hauptquellen der Analyse, wird somit das Aufgabenfeld eines Soldaten, Dolmetschers, Fixers und Spions ersichtlich. Ergänzend dazu kam die Aufklärungsarbeit, mit der sie den deutschen Waffenbruder über Finnland informierten und damit auch Probleme zu lösen versuchten, die durch Vorurteile oder Unterschiede in den ideologischen Auffassungen und Militärkulturen verursacht wurden. Dieses kulturelle Übersetzen fand zunächst ad hoc statt und wurde erst später durch die von dem Verbindungsstab koordinierte Propaganda unterstützt. Die offiziellen Ressourcen waren jedoch von Anfang an unzulänglich, weshalb deutsche Einheiten finnische Jugendliche und Frauen mit Deutschkenntnissen in ihre Büros holten. In diesem Buch kommen drei Frauen zu Wort, die mit Interviews und autobiographischen Texten die von den Zivildolmetscherinnen geleistete Sprachvermittlungsarbeit veranschaulichen. Dieses Buch, Übersetzung einer finnischen Monographie (2023), ist der erste systematische Blick auf die deutsch-finnische militärische Allianz als translatorischer Raum. Durch seinen Fokus auf Sprachen, Dolmetschen und Übersetzen liefert das Buch einen Beitrag zur nationalen und internationalen Militärhistoriographie zu Finnlands Allianz mit dem Dritten Reich. Durch seinen Fokus auf Übersetzen und Dolmetschen illustriert das Buch die Bedeutung von Militärdolmetschern, Verbindungsoffizieren und zivilen Sprachvermittlerinnen als kommunikativen Klebstoff der Waffenbrüderschaft. Das Buch fokussiert eine in der einschlägigen Historiographie bisher marginalisierte Personengruppe, beteiligt sich aber auch gleichzeitig an der Diskussion über den faktischen Charakter der Rolle Finnlands in der Allianz mit dem Dritten Reich.
- Universität Graz - 100%