Zeitgenössische Performance in Taiwan
Contemporary Performance in Taiwan
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
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Contemporary performance,
Taiwan Studies,
Arts-based Diplomacy,
Inter-Asian Theatre Studies,
Taipei Performing Arts Center,
Festival Studies
Dieses Buch untersucht, wie sich zeitgenössische Performance in Taiwan zu einem zentralen kulturellen Raum für die Aushandlung von Identität, Gemeinschaft und internationaler Sichtbarkeit entwickelt hat. Im Fokus steht der Zeitraum von 2008 bis 2023, mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Jahre seit 2017. Gezeigt wird, wie Performance in enger Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Veränderungen, kulturpolitischen Strategien und Taiwans komplexer geopolitischer Lage steht. Taiwan nimmt weltweit eine besondere Position ein. Obwohl die Insel eng in globale wirtschaftliche und kulturelle Netzwerke eingebunden ist, bleibt ihr politischer Status international umstritten. Vor diesem Hintergrund hat zeitgenössische Performance darunter experimentelles Theater, Tanz, Ausstellungen und interdisziplinäre künstlerische Praktiken eine Bedeutung erlangt, die über reine Kunstproduktion hinausgeht. Sie dient als Mittel, taiwanische Perspektiven international zu vermitteln, regionale Beziehungen aufzubauen und Fragen von Geschichte, Zugehörigkeit und kultureller Souveränität zu reflektieren. Das Buch analysiert, wie Künstler:innen, Kurator:innen und kulturelle Institutionen diese Entwicklung geprägt haben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf neuen großmaßstäblichen Performing Art Centers und Festivals, die seit den 2010er-Jahren Produktionsweisen, Präsentationsformate und Austauschstrukturen grundlegend verändert haben. Diese Institutionen fungieren nicht nur als Aufführungsorte, sondern als aktive Netzwerke zwischen lokalen Communities, Indigenen Wissenssystemen und internationalen Partnern. Das Taipei Performing Arts Center (TPAC) bildet dabei eine zentrale Fallstudie. Als eines der ambitioniertesten Kulturinfrastrukturprojekte der jüngeren taiwanischen Geschichte steht TPAC für einen institutionellen Wandel hin zu experimentellen, forschungsbasierten und transregional vernetzten Arbeitsweisen. Eine wichtige Rolle in der Analyse spielt der Kurator und Performance-Macher River Lin, dessen Arbeit exemplarisch für die zunehmende Vernetzung zeitgenössischer Performance in Taiwan über den indo-pazifischen Raum und Europa hinweg steht. Anhand detaillierter Fallstudien untersucht das Buch das Taipei Arts Festival sowie die künstler:innengetragene Plattform Asia Discovers Asia Meeting for Contemporary Performance (ADAM). Diese Beispiele zeigen Performance als Ort des Dialogs, der künstlerischen Erprobung und des kulturellen Austauschs. Auf Grundlage von fünf Jahren Forschung und enger Zusammenarbeit mit Akteur:innen vor Ort ist dieses Buch die erste umfassende Studie zur zeitgenössischen Performance in Taiwan. Es macht sichtbar, wie künstlerische Praxis und institutionelle Entwicklung gesellschaftliche Selbstverständnisse prägen und zur internationalen kulturellen Positionierung beitragen.