Erforschung des kulturellen u. textuellen Erbes des Himalaya
Exploring Himalayan Cultural and Textual Heritage
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (45%); Soziologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
- Tibetology,
- Cultural and Social Anthropology,
- History of Science,
- Ethnographic Collections,
- Himalayas,
- Ethnopharmacology
Das Buch entstand im Rahmen eines FWF-Projekts, das dem wissenschaftlichen Erbe des Tibetologen und Ethnologen René Nebesky-Wojkowitz (19231959) gewidmet war. Ausgangspunkt bildete ein Symposium im November 2019 im Weltmuseum Wien. Im Zuge der Projektarbeiten wurden immer mehr Materialien zu Leben und Werk des Forschers zugänglich, wodurch die Beiträge des Buchs erheblich bereichert wurden. Dies erlaubte ein besseres Verständnis der Forschungsbedingungen im Himalaya der 1950er-Jahren sowie Einblicke in Nebesky-Wojkowitz internationales akademisches Netzwerk. Nebesky-Wojkowitz war ein Pionier der Himalaya-Forschung. Er verband Ethnografie die auf Feldforschung basierende Darstellung kultureller Lebenswelten mit Philologie, der Beschäftigung mit Sprachen und Texten, insbesondere dem Tibetischen und Lepcha. Damit kann er als erster Ethno- Tibetologe betrachtet werden, dessen interdisziplinärer Ansatz spätere Generationen beeinflusste, die Texte und deren Anwendung in lokalen Kulturen untersuchten. Besonders in Wien entstanden so wichtige Studien zu Berggottheiten, Ritualen und alltäglicher religiöser Praxis. Ein weiteres Merkmal seiner Arbeit war die besondere Prägung durch zeitgeschichtliche Umstände: Er forschte unmittelbar nach dem Ende der Kolonialherrschaft in Indien. Sein erstes großes Feldforschungsgebiet war Kalimpong in Westbengalen, damals eine wichtige Kontaktzone verschiedener Kulturen. Später richtete er seinen Fokus auch auf Nepal, das gerade erst für die Forschung zugänglich geworden war. Ein Teil der Beiträge widmet sich der Frage, wie Nebesky-Wojkowitz Forschung heute vor Ort wahrgenommen wird. Erinnerungen an seine Persönlichkeit sind kaum erhalten, nur wenige Publikationen sind bekannt. Seine ethnografischen Sammlungen und Schriftnachlässe lagern hingegen in Museen und Archiven in Wien und anderen europäischen Städten. So können künftig indigene Forscher diese Materialien nutzen, um das kulturelle Erbe der Region zu bewahren. Insgesamt wird deutlich, dass Nebesky-Wojkowitz mit seiner interdisziplinären Herangehensweise, seinen engen Kontakten vor Ort und seiner internationalen Vernetzung in einer Zeit des Umbruchs einen besonderen Platz in der Geschichte der Himalaya-Forschung einnimmt. Das Buch bietet eine Grundlage, sein Werk neu zu würdigen, kritisch zu hinterfragen und die Entwicklung der Tibet- und Himalaya-Studien besser zu verstehen. Die zwölf Beiträge des Buches gliedern sich in drei Abschnitte: Der erste behandelt Nebesky-Wojkowitz als Person seine Bedeutung, Forschungsschwerpunkte und den Einfluss auf die Wissenschaft. Der zweite Teil beleuchtet seine Zeit in Indien und Nepal sowie seine Kontakte und Rezeption vor Ort. Der dritte Teil richtet den Blick auf aktuelle Forschungen in seinen Fußstapfen. Der Epilog bietet einen Überblick über die Himalaya-Forschung zu Lebzeiten Nebesky-Wojkowitz und einen Ausblick auf die Zeit danach.