Reguliertes Abenteuer. Missionarinnen in Südafrika nach 1945
Adventure with a rule. Missionary sisters in South Africa
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Soziologie (40%); Wirtschaftswissenschaften (30%)
Keywords
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South Africa,
Mission History,
Transnational Life Stories,
Mission and Gender,
Catholic Missionary Sisters
Die vorliegende Studie untersucht Lebensgeschichten von österreichischen und deutschen Missionsschwestern. Sie leistet damit einen Beitrag zur Missionsgeschichte aus einer geschlechter- und kulturgeschichtlichen Perspektive. Zentrale Quellenbasis für die Untersuchung sind Oral History Interviews mit Vertreterinnen der Missionskongregation der Schwestern vom Kostbaren Blut, die in den Nachkriegsjahrzehnten ihren Missionseinsatz in Südafrika begannen. Die Ordensgemeinschaft wurde 1885 vom Vorarlberger Trappistenmönch Franz Pfanner in Südafrika gegründet und entwickelte sich in der Folge zu einem der größten katholischen Frauenmissionsorden weltweit, der seine Einsatzgebiete sowohl in Europa als auch in Afrika kontinuierlich ausdehnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete der Missionsorden sowohl in Deutschland als auch in Österreich wieder einen regen Zulauf junger Frauen, der bis Ende der 1960er Jahre anhielt. Mit der Auswertung der Interviews nach drei sozialen und geographischen Räumen (dem Herkunftsraum, dem Klosterraum und dem Missionsraum) werden Aspekte aufgezeigt, die in ihrer Gesamtheit eine Art Gruppenporträt der hier fokussierten Frauen ergeben. In narrativer Hinsicht werden die Erzählungen dieser Vertreterinnen einer vermutlich letzten Generation europäischer Missionarinnen als Geschichten eines regulierten Abenteuers interpretiert. Der Aufbruch aus dem bekannten und gewohnten Herkunftsraum, zunächst in das neue soziale Umfeld des Klosterraumes und später in die unbekannte Welt des Missionsraumes, ging innerhalb streng hierarchisierter und regulierter sozialer Systeme vor sich. Die Selbstpräsentationen lassen diesbezüglich ein Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Begrenzungen und individuellen Überwindungsstrategien erkennen. Die Sehnsuchtsräume Mission und Südafrika entsprachen in der erlebten (und erinnerten) Realität nur selten ungebrochen den Vorstellungen der interviewten Missionarinnen. Die bearbeiteten lebensgeschichtlichen Interviews geben Einblicke in Frauenleben, die bislang von der historischen Frauen- und Geschlechterforschung unbeachtet geblieben sind. Sie erlauben die Rekonstruktion von Lebensverhältnissen und Handlungsspielräumen einer Frauengruppe, deren Lebensweg aus der Perspektive der Nachkriegsjahrzehnte eine, gleichwohl ungewöhnliche, im katholischen Milieu aber sozial höchst anerkannte Wahl war.