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Zeitgeschichtliche Implikationen des tschech. histor. Dramas

Political implications of Czech hist. drama, 1810-1935

Peter Deutschmann (ORCID: 0000-0002-2713-2762)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB252
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 16.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Czech literature, Representation Of History, Historical Drama, Allegory, Political Implications, Austrian Monarchy

Abstract

Die als Habilitationsarbeit entstandene Monographie untersucht in einem diachronen Über- blick, wie sich das historische Drama in der tschechischen Literatur vom Beginn der natio- nalen Wiedergeburt bis zu den Wenzel-Millenniumsfeiern in der Tschechoslowakei ge- wandelt hat. Leitidee der Untersuchung ist, dass in historischen Dramen eine allegorische Struktur über bloße Geschichtsdarstellung hinausweist, womit Bezüge auf die Entsteh- ungszeit erkennbar werden. Zwei Anliegen der Nationsbildung, die Dissemination von Geschichtsbildern und die Reaktualisierung der Geschichte, wurden von der Gattung des historischen Dramas ideal umgesetzt (was später vor allem im Medium Film geleistet wird). Auf der Grundlage eines Analysekorpus von knapp 50 Dramen wird nachgezeichnet, wie sich das tschechischsprachige historische Drama geändert hat und auf welche Weise die zeit- gleich erfolgenden Ereignisse und Veränderungen (Erstarken der Nationalbewegung, Revo- lution von 1848, Beginn des Parlamentarismus, Österreichisch-Ungarischer Ausgleich, Na- tionalitätenkonflikt, Erster Weltkrieg und Zerfall der Monarchie, tschechoslowakische Eigen- staatlichkeit) im Dramentext Spuren hinterlassen. Zugleich wird ein geschichtlicher Über- blick über die Entwicklung einer Gattung gegeben, die trotz ihrer Bedeutung für die Kultur- und Theatergeschichte in der literaturwissenschaftlichen Forschung eher wenig Aufmerk- samkeit gefunden hat. Im ersten Teil der Arbeit werden dramentheoretische sowie kulturwissenschaftliche Fragen erörtert, die für das Genre des historischen Dramas relevant sind. Dieser Teil ist nicht sprachspezifisch konzipiert, er kann auch ohne besonderes Interesse für die tschechische Dramenproduktion gelesen werden. Der zweite Teil behandelt anhand von Einzeltextana- lysen das tschechische historische Drama vor dem Hintergrund der theatergeschichtlichen Entwicklung, die in der Eröffnung des Nationaltheaters in den 1880er Jahren ihren insti- tutionellen Höhepunkt findet. Im Anschluss an die Einzeltextanalysen bietet eine vergleichende Betrachtung der Dramen um den Hl. Vclav/Wenzel die Grundlage für die Erörterung der Frage, wie sich makropoli- tische Veränderungen in der Behandlung ein- und desselben Stoffes manifestieren. Der methodischen Schwierigkeit der Arbeit, nämlich die Vielzahl an Dramen und die Mannigfaltigkeit von deren historischer Vorlage in einem Überblick zu erfassen, begegnen Graphiken und Diagramme, die zum einen Konflikte in den einzelnen Dramen darstellen und zum anderen Vergleichsmöglichkeiten anbieten.

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