Klassizismus in Aktion. Goethes Kunstzeitschrift ´Propyläen´
Classicism in Action. Goethe´s Art Journal ´Propyläen´
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (20%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Goethe's Art Journal 'Propyläen',
Scholarly anthology/collection,
Aesthetics,
Literary history,
Art theory/art history,
Classicism
Der Sammelband nimmt die von Goethe in den Jahren 1798 bis 1800 herausgegebene Kunstzeitschrift Pro- pyläen zum ersten Mal als Ganzes in den Blick und widmet sich damit ausführlich einem von der bisherigen Forschung kaum berücksichtigten Teilbereich der Programmatik des Weimarer Klassizismus. Ziel des in insgesamt sechs Heften erschienenen Journals war es, jene Kunstanschauungen der Öffentlichkeit vorzustel- len, die Goethe zwischen 1786 und 1788 in Italien gewonnen, in den nachitalienischen Jahren vertieft und in Auseinandersetzung mit den Weimarer Kunstfreunden dem kollektiven Autor der Zeitschrift sowie im Hinblick auf die zeitgenössische Kunstproduktion systematisiert hatte. Es handelt sich neben Schillers Horen um das zweite wichtige deutschsprachige Zeitschriftenprojekt zur Propagierung und Durchsetzung einer klassizistischen Kunstanschauung um 1800, in seinem publizistischen Anspruch und seiner ästhetikge- schichtlichen Bedeutung vergleichbar mit dem heute weitaus bekannteren konkurrierenden Zeitschriftenpro- jekt, dem romantischen Athenäum der Brüder Schlegel. Neben den bekannteren kunsttheoretischen Abhand- lungen und den Preisaufgaben enthält die Zeitschrift eine Vielzahl an kunsthistorischen Aufsätzen und Kunstbeschreibungen, die bislang nur wenig Beachtung fanden. Gerade diese Texte propagieren nicht nur eine normative Kunstanschauung im Bewusstsein stilgeschichtlicher Historizität, sondern demonstrieren diese zugleich. Dieses ästhetikgeschichtlich bedeutsame Unternehmen, dessen Text durch die derzeit in Salzburg erarbei- tete kommentierte Neuausgabe der Propyläen (FWF-Projekt P 23033) wieder zugänglich gemacht und in- haltlich erschlossen werden soll, wird durch den ersten ihm gewidmeten Sammelband in ein neues Licht gerückt und das in doppelter Hinsicht: Zum einen werden Texte in den Blick genommen, die bisher kaum wissenschaftlich ausgewertet wurden. Durch die Einbeziehung dieser Texte kann der Sammelband die Zeit- schrift zum ersten Mal als Gemeinschaftswerk wahr- und ernstnehmen, wodurch der vor allem auf Goethe und Schiller fokussierten literaturwissenschaftlichen Forschung ein vertiefter Einblick in die spannungsrei- che Beschaffenheit des klassizistischen Weimarer Kunstprogramms ermöglicht wird. Zum anderen stellt der Sammelband durch seine interdisziplinäre Ausrichtung Materialien und Anschlussmöglichkeiten für For- scher unterschiedlicher Fachrichtungen bereit und erweitert so auch die Grundlage für die differenziertere Erforschung der Epochenschwelle um 1800 im europäischen Kontext. Erst in dem breiten historischen und thematischen Spektrum der hier versammelten Beiträge tritt die bis- her in vielen Aspekten vernachlässigte Zeitschrift, die trotz ihrer Pluralität durchaus auch als klassizistische Kampf- und Programmschrift gedacht war, in deutlichen Konturen hervor. Angestrebt wird nicht nur ein Beitrag zu einem differenzierteren Verständnis des Kunstpolitikers und Publizisten Goethe, sondern darüber hinaus die Berücksichtigung zentraler Beiträge der übrigen Autoren, die von einer fast ausschließlich an Goethe interessierten Propyläen-Forschung bislang weitgehend übersehen wurden. Dadurch soll zum ersten Mal ein kritischer Blick auf den inneren Zusammenhang der gesamten Zeitschrift gelenkt werden. In jedem Fall aber gilt es, der Forschung einen vertiefenden Einblick in die spannungsreiche Beschaffenheit des klas- sizistischen Weimarer Kunstprogramms zu eröffnen.