Filarete: Der Architekt der Renaissance
Filarete: The Architect of the Renaissance
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Bauwesen (30%); Kunstwissenschaften (40%)
Keywords
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Filarete,
Renaissance,
Italy,
Humanism,
Architecture,
Architectural Theory
Filarete: Der Architekt der Renaissance als Demiurg und Pädagoge stellt die erste monographische Untersuchung des von Filarete (Antonio di Pietro Averlino) zwischen 1460 und 1464 verfassten Libro architettonico dar, welches in der Form eines Dialoges des Verfassers mit dem Mailänder Herzog Francesco Sforza und dessen Sohn Galeazzo Maria Sforza von der Planung, Gründung und Errichtung der nach ihrem Bauherrn benannten Stadt Sforzinda sowie einer mit dieser verbundenen Stadt am Meer erzählt. Filaretes Libro wurde lange Zeit behandelt, als wäre es ein bloßes und im Vergleich zu Leon Battista Albertis De re aedificatoria (um 1450) äußerst minderwertiges Architekturtraktat. Dabei wurde alles, was nicht in die spätere Tradition dieser Gattung eingeordnet oder mit der gebauten Architektur in Verbindung gebracht werden konnte, voreilig als fantastische oder romantische, jedenfalls bedeutungslose literarische Digression abgetan, von einem ungebildet-geschwätzigen Autor zur vermeintlichen Unterhaltung des Lesers eingefügt. Die Habilitationsschrift stellt eine kulturgeschichtlich-ikonologische Untersuchung dar, welche den bisher wenig oder gar nicht beachteten Passagen und Illustrationen des Libro gewidmet ist: den zahlreichen astrologischen, alchemistischen und allgemein magischen, den kosmologischen, den tierallegorischen, den sozialutopischen und bilddidaktischen Elementen sowie den paradiesisch- arkadischen Landschaftsbeschreibungen, die sich in keiner der anderen Schriften der Renaissance über Architektur finden. Durch eine genaue Lesung dieser Bilder im Zusammenhang des ganzen Textes und seiner Illustrationen einerseits sowie durch ein Studium weit über die üblichen kunsthistorischen Bezugspunkte hinausgehender Quellenschriften andererseits, soll Filaretes Libro architettonico als herausragendes, kristallines Dokument seiner Zeit insgesamt, im Umbruch zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit, ausgewiesen werden, welches unser, von den Gewinnern der Geschichte geprägtes Bild von der Renaissance erweitert und korrigiert. Ein zentrale Ergebnis der Untersuchung ist die Einsicht, dass Filaretes Bilder, welche er um die architekturtheoretischen Themen im strengeren Sinne entwirft, keineswegs Zufallsprodukte einer exaltiert-verstiegenen Phantasie sind, sondern Resultat eines zwar autodidaktischen, aber in humanistischen Gesprächen hoch gebildeten und auch äußerst belesenen Autors sind; und dass sie nicht bloß eingestreut sind zur Unterhaltung des Lesers, sondern vielmehr alle im Dienst einer übergeordneten Aussage und eines neuen, unerhörten Anspruches stehen: Sie verkünden die große Bedeutung der Architektur für die Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft und die Avantgarde des Architekten innerhalb des Projektes der Renaissance.