Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
Anton Kuhe,
Biography,
Journalism of the 'interwar period',
Exile
Abstract
Obwohl Anton Kuh (Wien 1890New York 1941), in der Zwischenkriegszeit einer der bekanntesten
Literaten des deutschsprachigen Raums, aber kaum zwanzig Jahre nach seinem Tod völlig vergessen,
in den 1980er Jahren wieder entdeckt wurde, stand eine wissenschaftliche Befassung mit seinem
Werk bis heute aus. Das dürfte vor allem mit dem Etikett Kaffeehausliterat zu tun haben, das man
Kuh angeheftet hatte.
Mit Walter Schüblers Biographie stellt sich Anton Kuh nunmehr entschieden anders dar, als es
das tradierte Klischee wollte. Kuh war keineswegs eine Wiener Lokalgröße (im doppelten Sinn des
Wortes), sondern als Kritiker, Glossist, Feuilletonist und Stegreifredner überaus aktiv ins literarische,
politische und gesellschaftliche Leben nicht nur des Wien und Prag der Habsburgermonarchie und der
Zwischenkriegszeit, sondern auch des Berlin und München der Weimarer Republik involviert.
Mit der gern als Wiener Note bezeichneten Spielart des Feuilletons, dem heiteren
Geplauder, hatte Kuh nichts am Hut. Von der Nazi-Presse als Kulturbolschewist angefeindet, führte
ihn die Abteilung IV des Reichssicherheitshauptamts in der Liste der deutschfeindlich tätigen
Journalisten und Schriftsteller. Mit 31. Dezember 1938 standen seine sämtlichen Schriften auf der
Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums.
Die Biographie porträtiert den extravaganten Lebenskünstler in all seinen Facetten: den
streitbaren Publizisten; den bekennenden Linksler, der in der Auseinandersetzung mit den Nazis
Kopf und Kragen riskierte; den Bohemien, der, programmatisch taktlos, keine Gelegenheit ausließ zu
provozieren; den fulminanten Stegreif-Redner, der seine Gedankengänge coram publico heißlaufen
ließ und damit sein Auditorium zu Beifallsstürmen hinriss. Sie rekonstruiert auch das flüchtige
Hauptwerk des Sprechstellers: die 75 Stegreif-Reden, Auftritt für Auftritt. Und räumt mit den
Gerüchten auf, die über die vermeintliche Wiener Lokalgröße immer noch kursieren.