Briefwechsel Sauer-Seuffert. Kommentierte Auswahledition
Correspondence Sauer-Seuffert. Annotated Edition
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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German Philology,
History of Science,
Austrian Studies,
History of ideas,
Humanities
Der mehr als 1200 Briefe und Karten aus den Jahren zwischen 1880 und 1926 umfassende Briefwechsel zwischen August Sauer (18551926) und Bernhard Seuffert (18531938) gehört zu den bedeutenden Germanistenkorrespondenzen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sauer und Seuffert zählten in Deutschland und Österreich zu den einflussreichsten Germanisten ihrer Zeit. Ihre Forschungsarbeiten, Publikationen und Projekte leisteten einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung und eigenständigen Profilierung der Neueren deutschen Literaturgeschichte innerhalb der Germanistik. Hauptziel des Projekts war die Erarbeitung einer Druckausgabe, die eine Auswahl der wichtigsten Korrespondenzen enthält; diese sind durch einen umfangreichen Kommentar sowie ein Personen- und Werkregister erschlossen. Parallel zur gedruckten Auswahlausgabe wurde eine Webplattform erarbeitet, die alle Korrespondenzen in Form von Faksimiles und Transkriptionen zugänglich macht. Alle vorhandenen Texte sind dort per Volltextsuche durchsuchbar. Die Personendatenbank ist mit weiteren digital verfügbaren Datenbanken und Quellen verknüpft; eine Zeitleiste erleichtert die schnelle Orientierung (http://sauer-seuffert.onb.ac.at/). Die Korrespondenz ist eine reichhaltige Quelle für die Wissenschaftsgeschichte. Sie informiert über den wissenschaftlichen und beruflichen Werdegang Sauers und Seufferts sowie über ihr akademisches Umfeld, insbesondere an den Universitäten in Würzburg, Lemberg, Graz und Prag. Sie dokumentiert die Zukunftspläne, Forschungsvorhaben, Editionen und Publikationen der beiden Gelehrten, berichtet über die Formen ihrer Zusammenarbeit und wechselseitigen Unterstützung und ist eine ergiebige Quelle für die Herausbildung und Entwicklung wissenschaftlicher Praktiken im Bereich der Neueren deutschen Literaturgeschichte. Der Briefwechsel zeigt, dass August Sauer nicht allein ein herausragender Wissenschaftler, Wissen- schafts- und Kulturpolitiker, sondern zugleich ein strategisch denkender moderner Wissenschaftsor- ganisator war, dem Zeitschriften, Bibliographien, Handbücher, wissenschaftliche Institutionen, philo- logische Vereine, Vorträge und Kongresse Elemente eines übergreifenden wissenschaftlichen Kommunikationssystems waren, das es im Hinblick auf die beschleunigt expandierende Wissenschaft zu verbessern galt. Eine Quelle stellt die Korrespondenz jedoch nicht allein für die Wissenschaftsgeschichte, sondern auch für die Kulturgeschichte dar. Sie informiert über die persönlichen Lebensumstände der Korrespondenten, über Freund- und Feindschaften mit Kollegen, soziale Beziehungen am Universitätsort, über Eheschließung und Nachkommenschaft, über Krankheiten und Reisen. An der Korrespondenz Sauers und Seufferts lassen sich zum einen die unterschiedlichen Reaktionen auf die Spaltung der geisteswissenschaftlichen Disziplin in positivistische und geistesgeschichtliche ablesen; zum anderen lässt sich am Werk beider Wissenschaftler die im Zuge der schnellen Differenzierung der Germanistik notwendig gewordene Spezialisierung dokumentieren. Die Auswahledition wird nicht allein ein langfristig nützliches Referenzwerk für die wissenschaftshistorische Forschung sein, sondern darüber hinaus einen Einblick in die plastische Phase der Herausbildung einer österreichischen sowie groß- und kleindeutschen kulturellen Identität vermitteln, die bis in die Gegenwart diskutiert wird.