Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Myths in German-Language History Textbooks
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (50%); Erziehungswissenschaften (50%)
Keywords
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Myths,
Historical Culture,
Historical Culture,
History Lessons,
Textbooks,
Narrative
Geschichtsschulbücher sind auch im 21. Jahrhundert immer noch voller historischer Mythen. In diesem Sammelband werden solche Mythen in Schulbüchern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus kulturwissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer Perspektive beleuchtet. Bei Marathon und bei Tours und Poitiers wurde Europa gerettet, Hermann der Cherusker war ein Proto- Deutscher, das Mittelalter glaubte an eine flache Erde, die Schweiz hat in keiner Weise mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet, Hitler als Führer und der Elysée-Vertrag als Grundlage der deutsch-französischen Freundschaft das sind nur einige jener Mythen, die unser Geschichtsbewusstsein und auch die Geschichtsschulbücher nach wie vor prägen. Doch warum befinden sich Mythen in Schulbüchern? Als Erzählungen, die Identität und Sinn stiften bieten Mythen Weltdeutungen und Orientierung auch noch in der Gegenwart und wurden Geschichten, die wir liebgewonnen haben. Die Beiträge von deutschen, österreichischen und schweizerischen Autorinnen und Autoren befassen sich mit den Formen von europäischen und nationalen Mythen in deutschsprachigen Schulbüchern und mit deren Funktionen im Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft. Die Schönheit von Mythen wird dabei ebenso in den Blick genommen wie die Frage ihrer politischen Verwertbarkeit ihre mobilisierende, motivierende und orientierende Schubkraft die Macht von Mythen. Der Mythos war in der internationalen geschichtsdidaktischen Diskussion bisher ein blinder Fleck, was sich daran zeigt, dass auch in der internationalen Geschichtsdidaktik noch keine elaborierte Definition des Begriffs Geschichtsmythos existiert. So wird in diesem Sammelband auch der Mythenbegriff umfassend reflektiert und einleitend ein Vorschlag zu einer geschichtsdidaktischen Definition des Begriffs Mythos unterbreitet, die ihre kulturwissenschaftlichen Grundlagen nicht verleugnet und weit darüber hinaus geht, Mythen lediglich als unwahre Geschichten aufzufassen. Durch den englischsprachigen Band wird diese im deutschsprachigen Diskurs entstandene Mythendefinition erstens einer internationaler Leserschaft zugeführt, was potenziell eine Grundlage für internationale und interdisziplinäre Forschungsprojekte zu Mythen darstellt. Zweitens wird ausgelotet, wie die Beschäftigung mit Mythen Möglichkeiten für die Entwicklung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins im Unterricht bieten, wodurch das Thema Mythen im Geschichtsunterricht erstmals umfassend und aus mehreren Perspektiven für die internationale wissenschaftliche Community aufgearbeitet wird.