Arthur Schnitzler: Reigen. Historisch-kritische Ausgabe.
Arthur Schnitzler: Reigen. Historical-critical Edition.
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Arthur Schnitzler,
Critical Edition,
Open Access
Der Einakterzyklus Reigen 1900 als Privatdruck erstmals publiziert verhandelt in zehn Szenen gesellschaftliche Hierarchien, Sexualität und Geschlechterverhältnisse. In jeder Szene tritt ein Paar auf, jede Figur ist zweimal zu sehen und jede Figur repräsentiert eine andere soziale Schicht des Wien um 1900. Die Dirne eröffnet den Reigen mit dem Soldaten und schließt ihn wieder mit dem Grafen. Jede Szene präsentiert die von schichtspezifischen Codes geprägte Annäherung, den Geschlechtsakt und schließlich das Danach; bloß die zehnte Szene bietet nur mehr das Erwachen am nächsten Morgen. Den Geschlechtsakt selbst markierte Schnitzler in der Handschrift mit Punkten, Gedankenstrichen und längeren Linien; in den Drucken wurden schließlich Gedankenstriche gesetzt, wobei gerade diese grafischen Substitute für Empörung sorgten. Wie kein anderer Text Schnitzlers wurde Reigen zum Skandalon, zum Ziel massiver reaktionärer und antisemitischer Angriffe, was den fatalen politischen Entwicklungen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entspricht. Text, Entstehungs- und Druckgeschichte sowie Rezeption sind damit von eminenter kulturhistorischer und gesellschaftspolitischer Bedeutung. Reigen soll nun als elfter Band der von Konstanze Fliedl herausgegebenen historisch- kritischen Ausgabe von Arthur Schnitzlers Frühwerk bei De Gruyter publiziert werden. Der FWF fördert diese Edition seit 2010 mittlerweile zum dritten Mal (P 22195, P 27138, P 30513). Wie schon der Band Blumen soll auch Reigen in Print und open access erscheinen. Während die Rezeptionsgeschichte bereits umfangreich dargestellt wurde, fehlt eine detaillierte Aufbereitung der Entstehungsgeschichte. Diese Lücke schließt die vorliegende Ausgabe; sie bietet eine Einführung in die Entstehung des Zyklus und erläutert die Provenienz des handschriftlichen Materials, das von Wien über Cambridge nach Berkeley/CA gelangte und nun in der Fondation Martin Bodmer in Cologny bei Genf verwahrt wird. Erstmals wird auch ein handschriftliches Blatt präsentiert, das die Schenkung der Handschriften an Olga Schnitzler bestätigt. Die gesamten Manuskripte zu Reigen werden in Originalgröße abgebildet und mit einer Umschrift versehen. Der Band rekonstruiert zudem die komplizierte Druckgeschichte in Detail und bietet einen Drucktext nach dem Privatdruck; Abweichungen zu zentralen Ausgaben zu Lebzeiten Schnitzlers werden verzeichnet; notwendige, aber stets nur minimale Eingriffe durch die Herausgeberinnen sind gesondert gelistet. Darüber hinaus liefert der Band einen Kommentar mit kulturhistorischen Hinweisen und Erläuterungen zu Austriazismen sowie veralteten, zum Teil fremdsprachlichen Ausdrücken. Ergänzend bietet der Anhang eine Auflistung der Schauplätze, einen historischen Stadtplan von Wien, eine Übersicht der Druckgeschichte sowie Anschauungsseiten aus dem Privatdruck. Die open access-Stellung ist Voraussetzung für eine digitale Edition des Bandes und sichert auch die Verbreitung von Schnitzlers Werken in einer verlässlichen Ausgabe.
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