WeXel... Das weltliche Lied, COMPA 22/2-1
WeXel... Secular Songs, COMPA 22/2-1
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (80%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
-
Dialectology,
Cultural Studies,
Ethnomusicology,
Folk Music Research
Der WeXel1 erhält Mitte des 16. Jahrhunderts durch Carolus Clusius, Hofbotaniker Kaiser Maximilians II., die Aufmerksamkeit als eigenständige Naturlandschaft. Ein Jahrhundert später belegt der Kartograph Georg Matthäus Vischer mit der Landkarte Styriae Ducatus Fertilitsimi Nova Geographica Descriptio Fertilissima (1678) und den Stichen von Kirchberg und Feistritz am WeXel (1695) das Interesse für die Kulturlandschaft des Grenzgebietes zwischen dem Erzherzogthum Österreich, Viertel unter dem Wienerwald (VUWW), und dem Herzogthum Steyermark. Erste Aufzeichnungen der Volksmusik und Anmerkungen zum spezifischen Brauchtum von beiden Seiten des Wechsels sind mit Beginn des 19. Jahrhunderts datiert. Umfangreiche Sammlungen aus Außer Neuwald, Feistritz a/W., Friedberg a/W., Hochneukirchen, Aspang a/W., Kirchberg a/W., Mönichkirchen, Rettenegg, St. Lorenzen a/W., Schäffern und Vorau stehen neben kleinen Privatsammlungen aus Arzberg / Waldbach, Mariensee, Mönichkirchen und St. Jakob im Walde. Mit der vorliegenden Dokumentation einer Auswahl aus dem gesamten Sammelgut mündlich überlieferter Jodler, Jodler-Lieder, Gstanzln und Tänze wird eine Landschaft mit ihrer musikalischen Eigenprägung präsentiert. Generationen von Sängern und Musikanten waren Träger und Vermittler eigenständiger Formen, welche sich im Wechselgebiet besonders im Jodler und Jodler-Lied manifestieren. Für viele der im Wechselgebiet aufgezeichneten Jodler liegen keine Nachweise aus anderen Regionen vor, sie sind bis heute nicht belegbare Unikate. Viele der in anderen Regionen nachweisbaren Lieder werden im lokalen Selbstverständnis mit einem Refrain-Jodler gesungen. Umfangreiche quellenkritische Nachweise geben Informationen zu Lied / Jodler und führen in Einzelfällen zu Liedgeschichten, welche Historisches und Gegenwärtiges vereinen. Auffallend ist, dass für zahlreiche Jodler-Lieder die Erstaufzeichnung im Wechselgebiet erfolgte. Durch die bewusste Unterscheidung der Taktart wird neben der melodischen Klassifizierung nach dem Ordnungsprinzip des Melodienregisters erstmalig auf die Bedeutung des Taktes bei allen Typen und stilkundlich beschreibbaren Gruppen verwiesen. Bisher wurde dieses Axiom als Richtmaß allen Musizierens in der wissenschaftlichen Sicht der Volksmusik in Österreich nicht beachtet. Auch im Wechselgebiet weisen Jodler, Jodler-Lied, Gstanzl-Melodie und Tanz stilkundlich vorrangig die ungeradtaktige Ländler-Melodik auf, ein nicht unbeträchtlicher Anteil zeigt jedoch die geradtaktige Melodik der Polka. Die sich daraus ergebende stilistische Differenzierung, erweitert durch die unterschiedlichen Formabläufe (Binnen-Jodler, Simultan-Jodler , Taktwechsel), lässt in Verbindung mit dem Melodienregister (COMPA 22/2-II) die Besonderheit der musikalischen Erscheinungsformen erkennen. Das Ergebnis der formal differenzierenden Analyse und Darstellung der im Wechselgebiet aufgezeichneten Gstanzl-Melodien (wiederholter Viertakter, geschlossener Achttakter, achttaktige Periode, sechzehntaktige Periode) gilt für alle Kleinformen dieser Art im österreichischen Volksmusikgut. 1 Eine Referenz auf die historische Schreibweise WeXel findet sich im 2003 gegründeten WeXel Verein zur Erforschung der Volksmusik und der Wiener Künstler um 1900 im Wechselgebiet.
- Österreichisches Volksliedwerk - 100%