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Exodus 1-2 in patristischer und rabbinischer Interpretation

Exodus 1-2 in Patristic and Rabbinic Interpretation

Agnethe Siquans (ORCID: 0000-0003-1105-7152)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB724
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 10.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Biblical Interpretation, Exodus, Moses, Patristic exegesis, Rabbinic exegesis, Jewish-Christian relations

Abstract

Das Buch präsentiert wichtige patristische und rabbinische Interpretationen eines zentralen Bibeltextes der Erzählung über die Unterdrückung der Israeliten in Ägypten und Moses Geburt, Rettung, Jugend und seine Zeit in Midian in Exodus 12. Die christlichen (patristischen) Hauptquellen, die dargestellt werden, sind die ersten beiden Exodushomilien des Origenes (3. Jh.) und der Exoduskommentar Ephräm des Syrers (4. Jh.). Origenes Auslegung ist von Philo von Alexandriens allegorischer Bibelinterpretation beeinflusst. Ephräm gehört zu einer Auslegungstradition, die sich späteren jüdischen Auslegungen widerspiegelt. Er verwendet aber auch Philos Leben des Mose. Beide christlichen Autoren kannten also jüdische Interpretationen und adaptierten sie für ihren christlichen Kontext. Die Auslegung des Origenes war die Basis für viele spätere christliche Interpretationen. Die wichtigsten jüdischen (rabbinischen) Quellen waren eine Passage im Babylonischen Talmud (bSota 11a13a; 6. Jh., mit älterem Material), der Midrasch Tanhuma (5.7. Jh.) und die Mechilta (3. Jh.). Neben Traditionen, die mehrere jüdische Auslegungen gemeinsam haben, gibt es auch Unterschiede innerhalb der rabbinischen Tradition. So ergänzt etwa der Talmud Traditionen über die Frauen und verstärkt damit ihre Bedeutung. Der Midrasch Tanhuma dagegen ignoriert die Frauen in Exodus 12 fast gänzlich, sondern konzentriert sich auf die Patriarchen und die Stämme Israels. Direkte Polemik gegen Christen fehlt in rabbinischen Texten weitgehend. Dennoch gibt es einige Aspekte, die als Reaktionen auf christliche Entwicklungen gedeutet werden können: die zunehmende Betonung der Beschneidung, die reduzierte Rolle des Heiligen Geistes und die Tradition über die schmerzfreie Geburt des Mose durch Jochebed im Talmud (als Antwort auf die christlichen Traditionen über Maria). Zusätzliche jüdische und christliche Quellen werden präsentiert, um das Bild der Auslegung von Exodus 12 zu vervollständigen. Die Texte werden zuerst jeweils für sich analysiert und anschließend die Ergebnisse verglichen, um nach möglichen Kontakten zwischen jüdischen und christlichen Auslegern zu suchen, seien diese persönlich, über literarische Abhängigkeit oder mündliche Tradition. Dieser Vergleich macht die Parallelen und Unterschiede zwischen den Texten ebenso wie Entwicklungslinien im Laufe der Zeit deutlich. Jüdische und christliche Bibelausleger waren Teil der spätantiken Mittelmeerkultur. Mit dieser teilen sie dieselben Interpretationstechniken, bestimmte Aspekte der Hermeneutik und eine Reihe von Vorstellungen bezüglich ihrer Sicht der Welt und der menschlichen Gesellschaft. Außerdem finden sich konkrete Gemeinsamkeiten zwischen jüdischen und christlichen Interpreten, insbesondere in Bezug auf Religion und Bibel. Darüber hinaus gab spezifisch jüdische beziehungsweise christliche Vorstellungen. Alle diese Elemente trugen zu der Vielfalt an patristischen und rabbinischen Auslegungen von Exodus 12 bei.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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