Fotojournalismus in Österreich. Eine Kulturgeschichte
Photojournalism in Austria. A Cultural History
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (40%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%)
Keywords
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Photojournalism,
Press Photography,
Cultural History,
Visual History,
Austria
Die vorliegende Publikation mit ihrem Schwerpunkt auf der Medien- und Kulturgeschichte untersucht die Frühgeschichte der österreichischen Pressefotografie in den Jahren zwischen 1890 und 1945. Das Buchprojekt, das an der Schnittstelle zwischen Medien-, Kultur-, Foto- und Kunstgeschichte angesiedelt ist, analysiert die Entstehungsgeschichte populärer, massenhaft in Zeitungen gedruckter Bilder. Während die österreichische Kulturgeschichtsschreibung sich bisher sehr stark auf schriftliches Quellenmaterial und Dokumente der Hochkultur gestützt hat, plädiert die vorliegende Publikation für eine Stärkung der visuellen Geschichtsschreibung (visual history). Zugleich räumt sie der Populärkultur einen zentralen Stellenwert ein. Bereits um 1900 schuf die illustrierte Presse eine neue Form fotografischer Öffentlichkeit, die sich grundlegend von der hochkulturellen Öffentlichkeit der Tagespresse unterscheidet. Bisherige Forschungen haben die frühe Blütezeit der Pressefotografie hauptsächlich in der Zwischenkriegszeit verortet. Aber bereits im ersten Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende kam es zu einer Professionalisierung der Pressefotografie. Innerhalb weniger Jahre wurde die Zeichnung als Nachrichtenmedium von der Fotografie verdrängt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg setzte sich die Fotoberichterstattung weitgehend durch. Bis über die Zwischenkriegszeit hinaus war die fotografisch illustrierte Zeitung das unumstrittene Bildmassenmedium. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt dieses allmählich Konkurrenz vom Fernsehen. Lange Zeit war das Ausgangsprodukt (Papierabzüge oder Negative) das primäre Quellenmaterial in der Erforschung der Pressefotografie, aber erstaunlicherweise nicht das Endprodukt, die in Zeitungen und Magazinen gedruckten Bilder. Die vorliegende Studie untersucht die Pressefotografie als Teil eines komplexen medialen Gefüges. Sie analysiert die Arbeitsweise der Fotografen, die Verwendungsweise und Gestaltung der Bilder in der Presse, aber auch das ökonomische, politische und ideologische Umfeld der Zeitungen und die Veränderungen der technischen und kommerziellen Bedingungen, unter denen der Fotodruck erfolgte. Künftige Darstellungen der österreichischen Fotografiegeschichte werden angesichts der vorliegenden Ergebnisse ergänzt werden müssen. Denn viele der im Projekt untersuchten Bilder stammen von Pressefotografen, die in der fotohistorischen Forschung bisher gänzlich unbekannt waren. Die gewonnenen biografischen Informationen fließen in die Monografie einfließen, die die Ergebnisse eines vom FWF geförderten Forschungsprojekts zusammenfasst.