Arthur Schnitzler: Paracelsus. Historisch-kritische Ausgabe
Arthur Schnitzler: Paracelsus. Historical-Critical Edition
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Arthur Schnitzler,
Paracelsus,
Historical-Critical Edition,
One-Act Play,
Verse,
Open Access
Im Zentrum von Arthur Schnitzlers einaktigem Versdrama Paracelsus, entstanden zwischen 1894 und 1898 und angesiedelt im Basel des 16. Jahrhunderts, steht ein Hypnose-Experiment, das die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen lässt. Unbewusstes weibliches Begehren wird ebenso thematisiert wie die gesellschaftliche Kontrolle, von der es systematisch unterdrückt wird. Wie es sich daher einerseits als Krankheitssymptom, andererseits als phantasierte Untreue interpretieren lässt, verhandelt der Text mit einer enormen und schon für die Zeitgenossen erstaunlichen Klarsicht. Dazu kommt eine frappante Diagnose hinsichtlich der Selbstinszenierung von Arzt und Patient(in): Wir spielen alle, / wer es weiß, ist klug, lautet eine aus dem Paracelsus stammende und in der Literatur häufig zitierte Schnitzler-Sentenz, die dann generell als Kritik der habituellen schauspielerischen Darstellung des modernen Ich verstanden wurde. Paracelsus` historische Auseinandersetzung mit den Basler Ärzten und Apothekern spiegelt die für Schnitzler aktuelle Divergenz zwischen den Entdeckungen Sigmund Freuds und der konventionellen Wiener Schulmedizin. Anhand eines Modells der Hypnose, die verborgene Wünsche sowohl aufdeckt als auch suggeriert, wird eine höchst ambivalente Therapievariante vorgestellt, die sowohl den Narzissmus des behandelnden Arztes als auch das Begehren der Patientin bedient. Paracelsus erscheint bei De Gruyter als dreizehnter Band der historisch-kritischen Ausgabe des Frühwerks von Arthur Schnitzler, herausgegeben von Konstanze Fliedl. Der FWF unterstützt diese Ausgabe seit 2010 nunmehr zum dritten Mal (P 22195, P 27138, P 30513). Wie die Bände Blumen, Reigen und Der grüne Kakadu wird auch Paracelsus sowohl in Print als auch open access erscheinen, wobei letzteres die Voraussetzung für eine digitale Edition des Bandes ist. Die historisch-kritische Ausgabe von Paracelsus präsentiert das gesamte nachgelassene Material über alle textgenetischen Stufen, darunter Skizzen und Notizen sowie zwei ausgearbeitete Manuskripte, die sich vor allem in der Charakterisierung der Figuren und deren Handlungsmotivation unterscheiden. Während Paracelsus` persönlicher Gegner der Ehemann der Hypnotisierten in der ersten Handschrift noch ein Musiker ist, trifft das ärztliche Genie in der späteren Niederschrift auf einen spießbürgerlichen Handwerker. Schnitzler verlegt das Künstlertum zwar vom Musischen ins Medizinische, lässt aber auch massive Kritik an der vermeintlichen Allmacht des Heilkünstlers zu. Neben der Dokumentation der Entstehungs- und Druckgeschichte bietet die Edition die Faksimile-Handschriften einschließlich der diplomatischen Transkription und einen kommentierten und nach dem Erstdruck konstituierten Text, der die Verbreitung von Schnitzlers Werken in einer verlässlichen Ausgabe gewährleistet.