Aussprachenormen des Französischen: Eine perzeptive Studie
French Pronunciation Norms: A perceptual Study
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
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Linguistics,
French Pronunciation Norm(s),
Phonetics and Phonology,
Sociolinguistics
Diese Studie beschäftigt sich mit den Normen des Französischen auf Ebene der Aussprache. Es geht dabei um die Frage, ob aktuell weiterhin nur die Pariser Aussprache in der französischsprachigen Welt als korrekt gilt oder ob die als korrekt empfundene Aussprache je nach Region eine andere ist. Dabei fokussiert sich die Studie auf drei Regionen: Paris als Zentrum der Frankophonie, die französischsprachige Schweiz und die ebenfalls französischsprachige kanadische Region Québec. Konkret wird die Studie von zwei Fragen geleitet: 1. Werden in Paris, der Schweiz und in Québec unterschiedliche Aussprachenormen von den SprecherInnen bevorzugt oder gilt weiterhin überall nur die traditionelle Aussprachenorm aus Paris? 2. Welche charakteristischen Aussprachemerkmale gehören jeweils zu diesen Normen? Um diese Fragen beantworten zu können, greift die Studie auf eine Kombination von drei Methoden zurück: In einem ersten Schritt wurden 96 SprecherInnen je Region mit Hilfe von Fragebögen dazu befragt, ob sie für die Aussprachenorm ihrer Region das Pariser Modell oder ein eigenes Modell aus ihrer Region bevorzugen. In einem zweiten Schritt wurde die Aussprache von jeweils 20 NachrichtensprecherInnen je Region im Detail untersucht und daraus eine Liste von Aussprachemerkmalen für jede Region herausgearbeitet. Dabei wurde diese SprecherInnengruppe ausgewählt, da sie als die Gruppe mit der korrektesten Aussprache gilt. Im Rahmen eines Experiments wurden schließlich 96 normalen SprecherInnen je Region kurze Aufnahmen der aufgelisteten Aussprachemerkmale zur Bewertung vorgespielt. Dabei mussten diese ProbandInnen angeben, welche der Aussprachemerkmale ihrer Meinung nach die korrektesten für die Aussprachenorm ihrer Region wären. Die Ergebnisse sind je nach Region unterschiedlich ausgefallen. Im Falle von Paris deuten sie darauf hin, dass die Aussprache einer bestimmten Gruppe aus der Metropole als die korrekteste gilt, und zwar die Aussprache der Pariser, die nicht in Paris geboren sind, sondern aus verschiedenen Regionen Nordfrankreichs nach Paris gezogen sind. Denn durch die unterschiedliche Herkunft dieser SprecherInnen gilt diese Aussprache als weitgehend frei von Regionalismen. Für die Schweiz zeigen die Ergebnisse, dass die Pariser Aussprache dort weiterhin als die korrekteste gilt. Außerdem zeigen sie, dass sich die Aussprache der Schweizer NachrichtensprecherInnen immer mehr an die Pariser Aussprache anpasst. Québec scheint dagegen über eine regionale Aussprachenorm zu verfügen, die dort genauso viel Prestige genießt wie die Pariser Aussprache. Bezogen auf diese drei Regionen kann also gesagt werden, dass die alte Annahme, dass das Französische nur über eine einzige Aussprachenorm, die Pariser Aussprache, verfüge, nicht mehr zeitgemäß ist. Vielmehr kann zumindest von zwei Aussprachenormen ausgegangen werden, einer europäischen Aussprachenorm aus Paris und einer nordamerikanischen aus Québec.
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