Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (15%); Kunstwissenschaften (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
Wartime Theatre,
Theatre Historiography ,
Yugoslav Wars,
Bosnian War,
Oral History
Abstract
Dieses Buchprojekt befasst sich mit der Geschichte institutioneller Theaterhäuser in
Bosnien und Herzegowina während des Bosnienkriegs (1992 bis 1995). Es
untersucht die Funktion von (National-)Theatern in vier verschiedenen Städten, die
jeweils in unterschiedlicher Form vom Krieg betroffen waren. Dabei geht die
Forschungsarbeit von der These aus, dass unterschiedliche Kriegskontexte
verschiedene Formen von Kunsttheater hervorbringen.
Der Forschungsgegenstand wird dabei anhand medial diverser, vor Ort erhobener
Quellen rekonstruiert: Videoaufzeichnungen von Aufführungen, Dramentexte
(Strichfassungen), Programmhefte und Kritiken aus Tageszeitungen. Zudem gehen
Gespräche mit theaterschaffenden Zeitzeug*innen (Regisseur*innen,
Schauspieler*innen, Dramatiker*innen) der Motivation der Künstler*innen nach, ihr
Theaterschaffen trotz der Extremsituation fortzusetzen.
So wird am Beispiel der zwischen Bosniaken und Kroaten zweigeteilten Stadt Mostar
untersucht, wie sich die Separierung auf die örtliche Theaterszene auswirkte, die
ebenso eine ethnische Teilung erfuhr. Das Repertoire des Nationaltheaters Tuzla
hingegen zeigt, wie sich neben politischen Satiren zeitgleich bosniakisch-
nationalistische Inhalte auf den Bühnen etablieren konnten. Die Arbeit des
Nationaltheaters in der serbisch dominierten Stadt Banja Luka wiederum zeugt von
einem Theaterschaffen im Dienste der vorherrschenden, ethnonationalistischen
Politik. Geschichtsumkehrende Dramen kamen dabei ebenso zur Aufführung wie
auch Komödien, welche die Funktion hatten, den Krieg auszuklammern und nur zu
unterhalten. Das letzte Kapitel des Buches beschäftigt sich schließlich mit einer
Produktion aus der belagerten bosnisch-herzegowinschen Hauptstadt Sarajevo.
Anhand einer Textanalyse des Stücks Sklonište (Der Schutzraum) wird befragt,
welche Funktionen Theater in einer vom Krieg umzingelten und regelmäßig
angegriffenen Stadt hatte.