Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (50%); Soziologie (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
Sufism,
Performative Hermeneutics,
Qur'an,
Qualitative Interviews,
Contemporary Islam,
Sociology of Religion
Abstract
Was bedeutet es für Sufis der Gegenwart, Sufis zu sein, und welche Rolle spielt dabei der
Koran? Wie interpretieren und erleben die Mystiker:innen des Islam die koranische
Offenbarung? Inwieweit ermöglicht ihnen die Auseinandersetzung mit dem Koran eine Nähe
zu Gott? Was bedeutet das für den Alltag der Sufis?
Um diese Fragen zu beantworten, wurden vierzehn Sufis Frauen und Männer aus
verschiedenen Ländern (Albanien, Großbritannien, Deutschland, Indien, Iran, Israel und
Palästina, Kanada, Marokko, Pakistan, Türkei und Usbekistan) und unterschiedlichen
mystischen Lehrtraditionen interviewt. Diese Interviews bilden die Grundlage für die
Diskussion der Vielschichtigkeit des Koran, seiner Interpretationsmöglichkeiten sowie der
Ideengeschichte des Sufismus. Diese Studie erweitert nicht nur unser Wissen um die Vielfalt
des Sufismus, sondern auch des gegenwärtigen Islam, indem hier ein weites Spektrum an
regionalen Hintergründen und Sufitraditionen, sowie deren historische und soziokulturelle
Verortung vor Augen geführt wird.
Der Koran gibt den sufischen Interpret:innen die Möglichkeit, Gott kennenzulernen und mit
Gott zu kommunizieren. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Koran erweitern Sufis ihre
menschlichen Wirklichkeiten mit göttlichen Wirklichkeiten. Das bedeutet aber auch, sich selbst
zu hinterfragen und verantwortungsvoll zum Wohle der Mitmenschen zu handeln. Durch das
daraus folgende veränderte Benehmen wird der Koran für Sufis eigentlich erst verwirklicht und
die koranische Offenbarung fortgesetzt.
Dieses Buch zeigt auf, dass der Sufismus weiterhin lebendig und einflussreich ist, und
ermöglicht erstmalig Einblicke, auf welche Art und Weisen heutige Sufis den Koran kreativ
und reflektiert interpretieren und umsetzen.