Die Rolle von Eed im Verlauf neuraler Stammzellentwicklung
Role of Eed in neural stem cell lineage progression
Matching Funds - Niederösterreich
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
-
Corticogenesis,
Cell autonomous gene function,
MADM,
Lineage progression,
Stem cells,
Epigenetics
Höhere Hirnfunktionen wie z.B. sensorische Wahrnehmung oder komplexes Verhalten wie räumliches Denken oder Sprache werden im Kortex ausgeführt. Der Kortex besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Neuronen, Gliazellen und Stammzellen, welche von radialen gliaartigen Vorläuferzellen (RGPs) während des Embryonalentwicklung produziert werden. Welche Mechanismen regulieren das Verhalten von RGPs, so dass der Kortex korrekt aufgebaut wird? Es scheint, dass Epigenetik hierbei eine wichtige Rolle spielt. Epigenetische Mechanismen führen Veränderungen in der DNA-Struktur herbei, ohne dabei die DNA-Sequenz zu verändern. Dieses Projekt fokussiert sich auf eine bestimmte epigenetische Modifikation, deren Anbringen durch das Protein eembryonic ectoderm development (EED) unterstützt wird. EED ist ein deshalb interessantes Protein, da seine Rolle in der Entwicklung des Kortex bislang kaum bekannt ist. Um die Funktion von EED während der Gehirnentwicklung zu untersuchen, werde ich ein einzigartiges genetischen Modellsystem namens Mosaic Analysis with Double Markers (MADM) anwenden. Mit MADM ist es möglich, individuelle Zellen innerhalb eines gesunden Gewebes genetisch zu verändern und sie dabei gleichzeitig mit einer Farbe zu kennzeichnen. Genetisch veränderte (mutante) Zellen werden grün markiert, während gesunde Zellen eine rote Markierung erhalten. Dadurch sind die Zellen einfach aufzufinden und zu untersuchen. Wir können herausfinden, ob das Mutieren von EED in einzelnen RGPs die Anzahl der produzierten Stammzellen, Neuronen oder Gliazellen während der Embryonalentwicklung verändert. Die MADM Technologie ist das einzige Modellsystem, mit dem wir herausfinden können, ob es einen Unteschied macht ob EED-mutante Zellen von gesunden Zellen oder von anderen EED-mutanten Zellen umgeben sind. Durch die Anwendung von modernsten Sequenzier-Methoden kann ich wichtige molekulare Faktoren in den farbmarkierten Zellen identifizieren, die von EED in RGPs kontrolliert werden. Mit den Ergebnissen dieser Studie kann ein fundierteres Wissen über Faktoren gewonnen werden, welche die Entwicklung des Kortex regulieren. Wenn wir diesen Prozess besser verstehen, können Krankheiten genauer diagnostiziert und behandelt werden. Somit wird meine Forschung zu einer besseren Charakterisierung und Behandlung von neurologischen Krankheiten wie Autismus, pychiatrischen Abnormalitäten oder Gehirntumoren beitragen können.
NICOLE AMBERG - PROJECT T 1031: HERTHA FIRNBERG FELLOWSHIP "THE ROLE OF EED IN NEURAL STEM CELL LINEAGE PROGRESSION" In ihrem Projekt behandelte Dr. Amberg die Frage, wie ein Gehirn der richtigen Größe und Zellzusammensetzung gebildet wird. Im Laufe der embryonalen Entwicklung spulen die Stammzellen der Großhirnrinde eine Reihe von genetischen Programmen ab um nach einem festgelegten zeitlichen Muster eine große Vielfalt von Zellarten zu produzieren. Dabei werden zuerst unterschiedliche Nervenzellen erzeugt, gefolgt von diversen Glia-Zelltypen. Welche molekularen und zellulären Mechanismen werden nun benötigt, um diesen Ablauf zu kontrollieren? Die Epigenetik stellt einen wichtigen Mechanismus dar um dieses komplexe Entwicklungsmuster zu regulieren. Epigenetische Mechanismen führen Veränderungen in der DNA-Struktur herbei, ohne dabei die DNA-Sequenz zu verändern. Dieses Projekt fokussiert sich auf eine bestimmte epigenetische Modifikation, deren Anbringen durch das Protein "embryonic ectoderm development", kodiert durch das Gen Eed, unterstützt wird. Im Laufe dieses Projekts konnte Dr. Amberg in einer internationalen Kollaboration bereits erfolgreich zeigen, dass EED für die zeitgerechte Aktivierung der einzelnen Programme von entscheidender Bedeutung ist. In einem weiteren Schritt wurde die Rolle von Eed auf der Ebene der Einzelzelle untersucht um herauszufinden, auf welche Art und Weise Eed seine Funktion in den Stammzellen genau erfüllt. Ihre Ergebnisse zeigten, dass eine einzige Eed-mutante Zelle innerhalb einer normalen zellulären Umgebung keine Beeinträchtigung in der Produktion der Nervenzellen der Großhirnrinde aufweist. Im Gegensatz dazu führt eine Mutation von Eed in sämtlichen Stammzellen der Großhirnrinde zu einer stark verminderten Nervenzellproduktion und damit einem zu kleinen Gehirn. Diese Ergebnisse veranschaulichen, dass die genetische Beschaffenheit der zellulären Umgebung einen starken Einfluss auf die epigenetische Regulierung molekularer Entwicklungsprogramme in einzelnen Stammzellen ausübt. In einer detaillierten Untersuchung der späteren Abläufe der Entwicklung der Großhirnrinde - der Entstehung von Gliazellen - konnte Dr. Amberg feststellen, dass einzelne Eed-mutante Gliazellen weniger Zellteilungen aufwiesen. Dies führte dazu, dass insgesamt weniger Gliazellen erzeugt wurden. Zusammengefasst konnte dieses Forschungsprojekt aufdecken, dass Eed stufenweise in einzelnen Stammzellen benötigt wird um die Entstehung einer korrekt zusammengesetzten Großhirnrinde zu steuern. Darüber hinaus wird Eed in der Gesamtheit aller Stammzellen benötigt um sicher zu stellen, dass keine allumfassende systemische Beeinträchtigung des biologischen Entwicklungsprogramms der Großhirnrinde erfolgt. Diese Resultate unterstreichen die Bedeutung der Wechselwirkung von einzelnen Zellen mit ihrer zellulären Umgebung und sind daher für eine bessere Charakterisierung und Therapie neurologischer Erkrankungen oder Syndrome, die durch Mutationen in einzelnen Hirnstammzellen verursacht werden, wie z.B. Autismus, psychiatrische Erkrankungen oder Tumore, von großem Nutzen.
Research Output
- 592 Zitationen
- 13 Publikationen
-
2020
Titel Imprinted Cdkn1c genomic locus cell-autonomously promotes cell survival in cerebral cortex development DOI 10.1038/s41467-019-14077-2 Typ Journal Article Autor Laukoter S Journal Nature Communications Seiten 195 Link Publikation -
2021
Titel Genetic mosaic dissection of candidate genes in mice using mosaic analysis with double markers DOI 10.1016/j.xpro.2021.100939 Typ Journal Article Autor Amberg N Journal STAR Protocols Seiten 100939 Link Publikation -
2022
Titel Tissue-wide Genetic and Cellular Landscape Shapes the Execution of Sequential PRC2 Functions in Neural Stem Cell Lineage Progression DOI 10.1101/2022.04.04.487003 Typ Preprint Autor Amberg N Seiten 2022.04.04.487003 Link Publikation -
2020
Titel A Genome-Wide Library of MADM Mice for Single-Cell Genetic Mosaic Analysis DOI 10.2139/ssrn.3624463 Typ Preprint Autor Contreras X Link Publikation -
2020
Titel Cell-Type Specificity of Genomic Imprinting in Cerebral Cortex DOI 10.1016/j.neuron.2020.06.031 Typ Journal Article Autor Laukoter S Journal Neuron Link Publikation -
2020
Titel Generation and isolation of single cells from mouse brain with mosaic analysis with double markers-induced uniparental chromosome disomy DOI 10.1016/j.xpro.2020.100215 Typ Journal Article Autor Laukoter S Journal STAR Protocols Seiten 100215 Link Publikation -
2022
Titel Tissue-wide genetic and cellular landscape shapes the execution of sequential PRC2 functions in neural stem cell lineage progression DOI 10.1126/sciadv.abq1263 Typ Journal Article Autor Amberg N Journal Science Advances Link Publikation -
2023
Titel Protocol for sorting cells from mouse brains labeled with mosaic analysis with double markers by flow cytometry DOI 10.1016/j.xpro.2023.102771 Typ Journal Article Autor Amberg N Journal STAR Protocols Seiten 102771 Link Publikation -
2019
Titel Temporal patterning of apical progenitors and their daughter neurons in the developing neocortex DOI 10.1126/science.aav2522 Typ Journal Article Autor Telley L Journal Science Link Publikation -
2018
Titel Epigenetic cues modulating the generation of cell-type diversity in the cerebral cortex DOI 10.1111/jnc.14601 Typ Journal Article Autor Amberg N Journal Journal of Neurochemistry Seiten 12-26 Link Publikation -
2020
Titel A Genome-wide Library of MADM Mice for Single-Cell Genetic Mosaic Analysis DOI 10.1101/2020.06.05.136192 Typ Preprint Autor Contreras X Seiten 2020.06.05.136192 Link Publikation -
2020
Titel Lineage Tracing and Clonal Analysis in Developing Cerebral Cortex Using Mosaic Analysis with Double Markers (MADM). DOI 10.3791/61147 Typ Journal Article Autor Beattie R Journal Journal of visualized experiments : JoVE Link Publikation -
2021
Titel A genome-wide library of MADM mice for single-cell genetic mosaic analysis DOI 10.1016/j.celrep.2021.109274 Typ Journal Article Autor Contreras X Journal Cell Reports Seiten 109274 Link Publikation