Wittgenstein: Briefwechsel und Philosophischer Nachlass
Wittgenstein: Correspondence and Philosophical Papers
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (60%); Philosophie, Ethik, Religion (40%)
Keywords
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WITTGENSTEIN,
COMMENTARY,
CORRESPONDENCE,
CULTURAL HISTORY,
NACHLASS,
ELECTRONIC PUBLICATION
2.1. Projektziele Ziel des beantragten Projekts ist die Kommentierung des philosophischen Nachlasses von Ludwig Wittgenstein in elektronischer Form, wobei der kommentierte Briefnachlaß in elektronischer Form, so wie er in den Projekten P11220-HIS und P13352-SOZ erarbeitet wurde, als Grundlage für den Kommentar des philosophischen Nachlasses herangezogen werden soll. 2.2 Problemstellung / Stand der Forschung Aufgrund der neuen Medien ist bezüglich der Zugänglichkeit eines philosophischen Autors eine völlig neue Situation gegeben. Gemeint ist die Zugänglichkeit des Originaltextes (Nachlasses) als auch jene von erläuternden Lebensdokumenten (kulturgeschichtliche Dimension). Die geplante Verbindung des philosophischen Nachlasses mit dem Briefnachlaß und der umgebenden Kulturgeschichte ist insofern innovativ, als hier erstmals ein Gesamtnachlaß eines philosophischen Autors in extensiver Form zu einem Netzwerk kulturgeschichtlicher Informationen in Beziehung gesetzt wird. 2.3 Durchführung Die Methode des beantragten Projekts ist insofern mehrdimensional, als sie sich auf drei unterschiedliche Ebenen, die für das Projekt bestimmend sind, beziehen muß, und zwar auf die technische, die editionsphilologische und die kulturtheoretische Ebene. Technisch gesehen ist an eine separate Datei für den Kommentar gedacht, die neben den bereits in der Datei mit dem Gesamtbriefwechsel angelegten Verzeichnissen (Wittgenstein-Chronik, Biographienverzeichnis, Wittgensteins Lektüre) durchgeschriebene Texte (sogenannte Flächenkommentare im Gegensatz zum Einzelstellenkommentar) enthalten soll, die sich in Form von Sprungverknüpfungen sowohl auf den Briefnachlaß als auch auf den philosophischen Nachlaß beziehen. Philologisch wird - neben der Vervollständigung der erwähnten Verzeichnisse - eine textsortenspezifische Auswertung des Nachlasses (Briefe, philosophische Texte, Tagebücher, Aphorismen etc.) in Form von Flächenkommentaren angestrebt. Diese Flächenkommentare, die immer mit konkreten Daten verbunden sind, dienen letztlich der Ermittlung von kulturspezifischen Zusammenhängen. Das angestrebte Ergebnis des Projekts sind also kulturgeschichtlich kommentierte Texte von Wittgenstein. Dadurch soll der Beweis erbracht werden, daß die kulturgeschichtliche Betrachtungsweise neue Lesemöglichkeiten ermöglicht. Zeitplan: 1. Jahr: Ausbau der bereits im Projekt `Wittgensteins Gesamtbriefwechsel" angelegten Verzeichnisse (Wittgenstein-Chronik, Biographienverzeichnis, Wittgensteins Lektüre) mit den Daten aus dem philosophischen Nachlaß. 2. u. 3. Jahr: Verfassung von Flächenkommentaren im oben beschriebenen Sinn. Kooperationen: Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Prof. Brian McGuinness, dem Wittgenstein Archiv an der Universität Bergen und der elektronischen Publikationsfirma InteLex ausgeführt. 2.4 Forschungsstätte Das Forschungsinstitut "Brenner-Archiv" stellt dem beantragten Projekt nicht nur die Infrastruktur zur Verfügung, sondern bietet auch den optimalen Forschungsrahmen für dieses Projekt, und zwar sowohl aus technischer, als auch aus inhaltlicher und organisatorischer Sicht.
Das ursprüngliche, im Projektantrag angegebene Projektziel einer Verbindung der elektronischen Briefedition mit der Bergen-Edition des Philosophischen Nachlasses von Ludwig Wittgenstein wurde fallen gelassen, da dieses Projektziel nach einem Besuch am Wittgenstein-Archiv in Bergen im Mai/Juni 2002 als technisch zu aufwendig und auch nicht mehr wirklich sinnvoll erschien. Stattdessen wurden - wie im Zwischenbericht 2002 genauer ausgeführt - die Fertigstellung des Gesamtbriefwechsels als eine in sich geschlossene Edition und die Fertigstellung der im Rahmen des FWF-Projekts "Literatur und Naturwissenschaften" begonnenen Monografie als neue Projektziele genannt. Diese beiden Projektziele wurden eingelöst: Ende März 2003 wurde die Datenbank mit dem weitgehend fertiggestellten Gesamtbriefwechsel Anton Unterkircher vom Forschungsinstitut Brenner-Archiv übergeben. Ende des Jahres 2003 wurde die Monografie mit dem Titel "Literatur - Naturwissenschaft - Philosophie. Ludwig Wittgensteins und Robert Musils `Zwischenwelten`" fertiggestellt. Der methodische Ansatz bei der Erstellung der Datenbank mit dem Gesamtbriefwechsel wurde bereits mehrfach ausführlich beschrieben. (Vgl. Monika Seekircher und Anton Unterkircher: "Wittgensteins Gesamtbriefwechsel und einige editorische Überlegungen". In: Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv. Nr. 19/2000, S. 60-71; sowie Monika Seekircher: "Der Wittgenstein-Gesamtbriefwechsel in maschinenlesbarer Form". In: "Ich an Dich". Edition, Rezeption und Kommentierung von Briefen. Hrsg. v. Werner M. Bauer, Johannes John und Wolfgang Wiesmüller. Innsbruck: Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik 2001, S. 189-204) Die bei der Arbeit am Gesamtbriefwechsel praktizierte (auto)biografische Quellenforschung stellt auch für die Erforschung von Wittgensteins Beziehung zu Naturwissenschaft und Technik eine wichtige methodische Grundlage dar. Die Briefe selbst waren zwar für die Ermittlung von Wittgensteins technischen und naturwissenschaftlichen Interessen nicht sehr ergiebig, wenn auch hier einige wertvolle Hinweise zu finden sind. Von Bedeutung war jedoch die methodische Herangehensweise, die bei der Kommentierung der Briefe angewandt wurde. Genau mit dieser methodischen Vorgangsweise wurden auch Wittgensteins technische und naturwissenschaftliche Tätigkeiten rekonstruiert. Ähnlich wie bei Wittgenstein erfolgte auch eine Erforschung von Musils Verhältnis zu Naturwissenschaft und Technik. In diesem Fall konnte jedoch nicht auf Erkenntnisse zurückgegriffen werden, die durch editorische Arbeit gewonnen wurden. Es konnte aber eine bereits erprobte Methode angewandt werden, nämlich die der genauen Erforschung (auto)biographischer Quellen. Natürlich ist diese im Falle Musils oberflächlicher, da hier eben keine durch jahrelange editorische Arbeit gewonnenen Erkenntnisse vorliegen. Aber dennoch konnten auch hier einige neue Aspekte aufgezeigt werden, wenn auch ungleich weniger als bei Wittgenstein, wo bisher nicht bekannte Lebenszusammenhänge herausgearbeitet und auch neue biographische Details aufgezeigt werden konnten. Die Monografie enthält auch eine allgemeinere Bewertung Wittgensteins, die über seine Beziehung zu Naturwissenschaft und Technik hinausgeht und eine kritische Betrachtung der Persönlichkeit Wittgensteins darstellt.
- Universität Innsbruck - 100%
- Allan Janik, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in