Die Städte Babyloniens in der neuassyrischen Zeit
Early Democracies in the Shadow of the First World Power - Babylonias Cities in the Neo-Assyrian Period
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (20%); Soziologie (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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ALTER ORIENT,
STADT,
DEMOKRATIE,
NEUASSYRISCHE PERIODE,
BABYLONIEN,
REGIERUNGSFORMEN
Ich plane, die Regierung und Verwaltung auf städtischer Ebene in Assyrien und Babylonien im frühen ersten Jahrtausend, bis zum Untergang des assyrischen Reiches und zur Gründung des neubabylonischen Reiches am Ende des siebten vorchristlichen Jahrhunderts, zu untersuchen. und zu vergleichen. Dies soll in der Beschreibung der Verfassung der frühneubabylonischen Stadtstaaten resultieren. Das in diesen Städten verwendete Regierungs- und Verwaltungssystem weist Charakteristika auf, die meiner Ansicht nach die Designation als "frühe Demokratien" rechtfertigt. Da zur gleichen Zeit ähnliche Staaten in Europa entstehen, ist dies von großer kulturgeschichtlicher Bedeutung. Die Ursprünge der Demokratie werden gerne als Resultat des "Griechischcn Geistes" betrachtet. Indern ich die Informationen aus den zahlreichen und. verschiedenartigen Keilschrifttexten nutzbar mache, habe ich vor zu zeigen, daß sich diese Staatsform in der selben Ära unter ähnlichen Umständen auch in Mesopotamien entwickelte. Die Charakteristika der Stadtstaaten Babyloniens treten besonders im Widerstreit mit dem Neuassyrischen Reich, der übermächtigen politischen Kraft dieser Zeit, zutage. Beim Versuch, den geographischen Großraum Babylonien zu kontrollieren, hatten die Assyrer mit einem doppelten Problem zu kämpfen. Babylonien war keine Einheit, sondern die großen Städte und. die verschiedenen Stämme handelten allesamt unabhängig voneinander und. im eigenen Interesse. Regierung und Verwaltung sind in Assyrien, einer zentralisierten Monarchie mit einem allmächtigen, erblichen Königtum, das in Stellvertretung des Nationalgottes Aššur handelt, eine Einheit. Die Situation in Babylonien ist dagegen völlig anders. Meine Forschungen werden sich auf die Bewohner der großen alten Städte, insbesondere Nippur, Ur, Babylon, Uruk und Borsippa, konzentrieren, die, im krassen Gegensatz zu Assyrien und auch den babylonischen Stämmen, eine nicht militaristische Gesellschaft repräsentieren, für die die Durchsetzung lokaler Interessen und nicht Expansion die wichtigste politische Kategorie darstellt. Den speziellen Status der babylonischen Städte, der in den schriftlichen Quellen als kidinnu bezeichnet wird, reflektiert besonders gut die Korrespondenz zwischen den assyrischen Königen und den Bewohnern der verschiedenen Städte. Mit Ausnahme Assurs, der Kulthauptstadt Assyriens, ist diese Art der Kommunikation für keine Stadt außerhalb Babyloniens belegt, da die assyrischen Könige normalerweise ausschließlich mit ihren Beamten oder mit den örtlichen Herrschern korrespondierten. Die babylonischen Städte wurden von einer Anzahl von Familien oder besser Clans regiert. Die politischen Institutionen der Städte, die Stadtversammlung, die Ältesten und die Richter, Einrichtungen, die im zeitgenössischen Assyrien im Wesentlichen unbekannt waren, scheinen ihre Mitglieder ausschließlich aus diesen Familien zu rekrutieren. Im Gegensatz zum Rest der assyrischen Einflußsphäre, wo jeder Beamter vom assyrischen König enrkannt werden mußte, waren die babylonischen Städte in dieser Beziehung scheinbar völlig unabhängig.
- Universität Wien - 100%
- Hermann Hunger, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in