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Von der Theorie zur Praxis (1400 - 1550)

From Theory to Praxis (1400 - 1550)

Sigrid Müller (ORCID: 0000-0001-8716-7089)
  • Grant-DOI 10.55776/T214
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2005
  • Projektende 31.08.2007
  • Bewilligungssumme 171.210 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Philosophie, Ethik, Religion (90%)

Keywords

    Medieval Theology, Medieval Philosophy, Moral Theology, Practical Theology, Medieval University, Cases Of Conscience

Abstract

In der künstlerischen Darstellung der Klugheit als Tugend findet sich eine bemerkenswerte Veränderung: sie wandelt sich von einer einfachen Figur mit einem Buch in der Hand (13. und 14. Jh.) hin zu einer allegorischen Darstellung, welche die verschiedenen Szenen des Alltags und vor allem der finanziellen Vorsorge zum Ausdruck bringt. Diese Veränderung in der Kunst verweist auf eine Entwicklung in der gesellschaftlichen Moral und der ethischen Reflexion in der Zeit vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit, nämlich auf einen Paradigmenwechsel von einem stärker theoretischen Verständnis der Ethik im Rahmen der scholastischen Theologie hin zu einem primär praktischen Zugang, welcher vor allem der Alltagserfahrung der Menschen Rechnung trägt. Obwohl diese Veränderung offensichtlich ist, steht sie im Widerspruch zu der gängigen theologiehistorischen Beurteilung des 15. Jahrhunderts. Dieses wird als eine Periode ohne eigene Entwicklung betrachtet, welche nur die bereits im 13. und 14. Jahrhundert entstandenen ethischen Theorien tradiert. Erst Anfang des 16. Jahrhunderts findet man sowohl eine spätscholastische thomistische Strömung mit einer starken Hervorhebung der Ethik und im Jahre 1547 eine institutionelle Neuerung durch die Einrichtung des ersten universitären Lehrstuhles für Gewissensfälle, d.h. für praktische Theologie. Diese institutionelle Veränderung zeigt die Verselbständigung der praktischen Fragen gegenüber der systematischen Theologie, in die sie während des gesamten Mittelalters eingebettet war. Das Forschungsprojekt untersucht die aus der bisherigen Sicht noch unerklärte Lücke in der Geschichte der Moraltheologie und zeigt wie die kulturellen Umstände, vor allem aber die mittelalterlichen philosophischen und theologischen Prämissen zu der paradigmatischen Praxiswende der Theologie an der Schwelle zur Frühen Neuzeit beitragen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Günter Virt, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

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