Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Rechtswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Abstract
Während gendertheoretische Fragestellungen innerhalb der deutschsprachigen germanistischen
Literaturwissenschaft seit vielen Jahren eine wichtige Rolle spielen, erfahren postkoloniale Theorien erst in
jüngster Zeit gesteigerte Aufmerksamkeit. Ausgehend von diesem Befund setzt sich das Forschungsvorhaben zum
Ziel, eine spezifische Methodologie und Lektürestrategie zu erarbeiten, die an genderorientierte und postkoloniale
Theorien anknüpft und diese für die germanistische Literaturwissenschaft fruchtbar zu machen versucht. Diese
Zielsetzung erfolgt über eine dreifache Perspekti-vierung des Forschungsfeldes:
In einem ersten Schritt wird die Rezeption postkolonialer Theorien innerhalb der deutschsprachigen
germanistischen Literaturwissenschaft dokumentiert, analysiert und mit der Rezeption postkolonialer Theorien
innerhalb anderer Philologien verglichen.
Der zweite Teil des Forschungsvorhabens analysiert die theoretisch-methodischen Potentiale von Gender Studies
und Postcolonial Studies für die germanistische Literaturwissenschaft und skizziert mögliche Anwendungsfelder.
Ausgehend von der These einer immanenten Verschränkung von sexueller und kultureller Differenz wird versucht,
die zentralen Begriffe und Denkfiguren gendertheoretischer und postkolonialer Ansätze, wie z. B. Alterität,
Hybridität, Orientalismus, dritter Raum, zu reformulieren und sie damit für die germanistische
Literaturwissenschaft im Sinne einer genuinen Überset-zungsleistung nutzbar zu machen.
Im dritten, textanalytischen Teil werden die theoretischen und methodologischen Überlegungen am >Beispiel<
paradigmatischer literarischer Texte reflektiert und anhand der im zweiten Teil entwickelten Lektürestrategien
erprobt und umgesetzt. Unter dem Titel "Orientalismun um 1900" wird dabei die zentrale Periode der deutschen
und der österreich-ungarischen Kolonialgeschichte` fokussiert. Ziel ist es, die explizit und implizit thematisierten
Zusammenhänge zwischen patriarchalen und kolonialen Machtdiskursen aufzuzeigen sowie die Konstruktion und
Produktion geschlechtlicher und kultureller Identitäten in den Texten selbst lesbar zu machen.