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Frauenbiographien: Identitätskonstruktionen in männlich vs. weiblich dominierten Berufen

Female Biography Analysis: Identity Constructions in Male/Female-dominated professions

Marita Haas (ORCID: 0000-0002-6304-740X)
  • Grant-DOI 10.55776/T556
  • Förderprogramm Hertha Firnberg
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2013
  • Projektende 30.06.2017
  • Bewilligungssumme 206.340 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Rechtswissenschaften (50%); Soziologie (50%)

Keywords

    Biographical Research, Narrative Interviews, Women in male-dominated professions, Identity Construction of Women

Abstract Endbericht

Das vorliegende Forschungskonzept sieht einen Vergleich der Identitätskonstruktionen von Frauen in männerdominierten Berufsfeldern (Technik/Wissenschaft) und Frauen in frauendominierten Berufsfeldern (Pädagogik) vor. Hierbei sind die folgenden Fragestellungen forschungsleitend: Wie sehen weibliche Biographien innerhalb dieser zwei Berufsfelder aus? Wie gehen Frauen mit ihrer Rolle in den jeweiligen Berufsfeldern um? Inwiefern wird Identität in den beiden Feldern unterschiedlich konstruiert und wie hängen berufliche Gender- Aspekte mit der generellen Konstruktion der eigenen Biographie der Frauen zusammen? Die Vorgehensweise lehnt sich an die Grundsätze der Figurationssoziologie (Elias 1987) an und setzt die handelnden Frauen und deren Erleben und Deuten in den Mittelpunkt. Mittels narrativ-biographischer Interviews (Schütze 1983) werden die beiden Berufsgruppen miteinander verglichen und konfrontiert. Hierbei wird ein Teil des Samples zur Erzählung des eigenen Lebens- und Berufsverlaufs aufgefordert. Ein zweiter Teil des Samples wird mit Lebensgeschichten der zuvor befragten Frauen konfrontiert und ebenfalls aufgefordert, über den eigenen Weg zu berichten. Die Frauen des zweiten Samples sind somit im besonderen Maße gefordert, eine Einordnung bzw. Abgrenzung ihres Lebens und ihrer Entscheidungen vorzunehmen, wodurch eine Art "Aushandlung" mit der eigenen Biographie sichtbar wird (Appelsmeyer 1996). Den Hintergrund der Studie bilden einerseits die Theorie der "doppelten Vergesellschaftung", die Frauen im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie verortet (Becker-Schmidt 1987, 2004) andererseits auch die anhaltende Segregation der Arbeitswelt in weibliche bzw. männliche konnotierte Berufsgruppen (u.a. Wetterer 2002). Darüber hinaus basiert das Forschungsvorhaben auf einer kürzlich durchgeführten Studie weiblicher Karriereverläufe in technisch/naturwissenschaftlichen Berufen. Die Resultate der Studie zeigten Selbst-konzeptionen der Frauen, die sich entlang der Dimension des "Anders-Seins" definieren. (Haas, Keinert et al. 2011). Die im Antrag skizzierten Überlegungen basieren daher auf der Annahme, dass jede Profession über spezifische Rollenerwartungen und Vorstellungen verfügt, die Identitätskonstruktionen wesentlich mitbestimmen bzw. mit ihnen interagieren. Ziel ist es, Wechselwirkungen zwischen Identitätskonstruktionen und der Einbettung in die beiden (weiblich bzw. männlich konnotierten) Berufsgruppen herauszuarbeiten und somit die Themenstränge Biographie, Gender und Profession stärker miteinander zu verbinden. Des Weiteren entstehen dadurch Überlegungen zur heutigen "Normalbiographie" von Frauen.

In meiner Forschung Frauenbiographien Identitätskonstruktionen von Frauen in männlich vs. weiblich dominierten Berufsfeldern wurde der Blick auf Lebenskonzepte und Identitätskonstruktionen von Frauen in Bezug auf ihren Beruf gerichtet. Das Ziel war herauszufinden, ob es Unterschiede in den Biographien von Frauen, die in einem männlich dominierten bzw. weiblich dominierten Berufsumfeld arbeiten, gibt und wie daraus resultierende Umgangsstrategien aussehen. Dazu wurden das Berufsfeld der Technik- und Naturwissenschaften, sowie das Berufsfeld der Pädagogik herangezogen. Bereits auf Basis der Studierendenzahlen wird eine männlich bzw. weiblich dominierte Struktur sichtbar: Während in Österreich 2009 83,4% der Absolvent*innen der Pädagogik weiblich waren, waren unter den Studienbeginner*innen in den Technik- und Naturwissenschaften nur 6% Frauen. Diese Verteilung setzt sich in den Organisationen und Unternehmen dieser Berufsfelder weiter fort. Allerdings erfahren Frauen auch im weiblich dominierten Berufsfeld der Lehrerin ein abruptes Karriereende durch die so genannte gläserne Decke, da höhere Positionen sowohl in technisch-naturwissenschaftlichen Unternehmen als auch in Schulen männlich besetzt sind. Die Analyse der weiblichen Lebensverläufe mittels narrativ- biographischer Interviews verortet weibliche Wissenschaftler*innen in einem bildungsaffinen Elternhaus, was letztendlich in dem Mut, einen schwierigen Berufsweg einzuschlagen, resultiert. Lehrer*innen weisen stärkere Berufswahlmotive im Bereich der Work-Life-Balance auf. Betrachtet man abgebrochene Berufskarrieren, so zeigt sich, dass die Entscheidung, ob die Frauen aufgeben oder in dem jeweiligen Berufsfeld bleiben davon abhängig ist, wie im unmittelbaren Berufs- und Familienumfeld mit Rückschlägen und Erfolg umgegangen wurde. In den Interviews wurden Erfahrungen des Anders-Seins sowie das Erleben von Gewalt als vorherrschende Themen identifiziert. Beide Aspekte können mit einer historischen und gesellschaftlichen Überordnung der männlichen Lebenssphäre in Verbindung gebracht werden. Sie wirken gemeinsam mit gegenderten Organisationsprozessen und stereotypen Rollenerwartungen an Frauen und führen zu Einschränkungen des Fortkommens von Frauen im Berufsleben. Zusätzlich sind Frauen aus den untersuchten Berufsfeldern einer weiteren Herausforderung ausgesetzt: sie sind mit dem gängigen Diskurs konfrontiert, dass in der heutigen Gesellschaft keine Diskriminierung mehr vorhanden ist. Somit werden Ungleichheits-Erfahrungen im beruflichen Alltag als individuelle Erfahrungen bzw. als individuelles Versagen klassifiziert. Insgesamt trug meine Forschung, die sich an der Schnittstelle zwischen Gender, Profession und Biographie verortet, dazu bei, die Verknüpfungen von biographischen Entwicklungslinien und organisationalen Karriereoptionen und hindernissen im Hinblick auf weibliche Berufsverläufe nachvollziehbar zu machen.

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gabriele Rosenthal, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland

Research Output

  • 28 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Maybe I Could Make More Of Me. Understanding Young Women's Career Decisions.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Geserick C
    Konferenz Gender, Work and Organization, 8th Biennal International Interdisciplinary Conference, Keele University, England. June 24-26
  • 2017
    Titel Dependencies of independence. Constructing independence in the context of excellence.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz 16th annual STS Conference Graz, Austria. May 8-9
  • 2017
    Titel Spiel mit mir. Die Konstruktion von Geschlecht und Professionalität in Organisationen - eine Rahmenanalyse.
    Typ Journal Article
    Autor Haas M
  • 2015
    Titel Einheit in Diversität? Kritische Analyse des Diversitätsmanagements-Konzepts aus post-feministischer Perspektive.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz Fachtagung und Vernetzungstreffen der Diversity-Forschenden aus D-A-CH, Hamburg, Germany. June, 25
  • 2016
    Titel Do (not) publish with your former supervisor! The ambivalent construction of independence in a scientific career.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz STS Conference "Sociotechnical Environments", Universita di Trento, Italy. November 24-26
  • 2016
    Titel The neglected body of the female scientist.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz 15th Annual Conference on Critical Issues in Science, Technology, and Society Studies, Graz, Austria. May 9-10
  • 2014
    Titel Caught Between Restrictions and Freedom at a Technical University. The Case of Sonja B.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz 8th European Conference for Gender Equality in Higher Education, Vienna, Austria. September 3-5
  • 2014
    Titel Auslassungen von Gewalterfahrungen und unbearbeitete Schuld in biographischen Erzählungen. Zum Umgang mit der eigenen Familiengeschichte.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz Tagung Forschungsethik in der qualitativen und quantitativen Sozialforschung, LMU München, Germany. September 11-12
  • 2013
    Titel Biographische Rekonstruktion der sozialen Selektion in akademischen Karriereverläufen.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz Österreichischer Kongress für Soziologie, "Krisen in der Gesellschaft - Gesellschaft in der Krise", Linz, Austria. September 25-27
  • 2016
    Titel How Biographical Research adds to Organizational Theory.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Haas M
    Konferenz Gender, Work and Organization, 9th Biennal International Interdisciplinary Conference, Keele University, England. June 29 - July 1
  • 2016
    Titel Breaking Patterns? How Female Scientists Negotiate their Token Role in their Life Stories
    DOI 10.1111/gwao.12124
    Typ Journal Article
    Autor Haas M
    Journal Gender, Work & Organization
    Seiten 397-413
  • 2016
    Titel Caught between restrictions and freedom: Narrative biographies shed light on how gendered structures and processes affect the drop-out of females from universities
    DOI 10.1177/0011392116653173
    Typ Journal Article
    Autor Haas M
    Journal Current Sociology
    Seiten 1031-1049

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