Flexibles Verhalten bei Fröschen
Behavioural flexibility in anuran amphibians
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Behavioural Flexibility,
Cognition,
Parental Care,
Brain Imaging,
Anurans,
Perception Of Novelty
Studien über flexibles Verhalten betrachten vorwiegend sogenannte "höhere" Wirbeltiere, wie Säugetiere, Vögel und Fische. Amphibien wurden traditionell als stark Instinkt-gebunden angesehen, mit stereotypem Verhalten. Über kognitive Prozesse bei Amphibien, z.B. strategische Planung und Verhaltensflexibilität, ist wenig bekannt. In diesem Projekt möchte ich flexibles Verhalten bei Fröschen untersuchen. Zu diesem Zweck werde ich mit zwei Frosch-Modellarten eine Reihe von Feld- und Laborexperimenten durchführen. Der anschließende Vergleich der Ergebnisse über verschiedene Taxa soll wichtigen Einblick in die Evolution von flexiblem Verhalten hinsichtlich Brutpflege und sexueller Selektion geben, nicht nur bei Amphibien, sondern auch bei Wirbeltieren im Allgemeinen. Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae) zeigen eine enorme Vielfalt in ihrem Brutpflege-Verhalten, und aktuelle Studienhabenfür einzelneArten auch Plastizität hinsichtlich des Kaulquappentransportes nachgewiesen. Die Art Allobates femoralis hat sich zu einem Modellorganismus für Verhaltensbiologie, Populationsgenetik, Ökologie und Evolution etabliert. Beobachtungen im Feld und Vorversuche im Labor deuten darauf hin, dass A. femoralis Weibchen flexibles Verhalten bei der Brutpflege zeigen. Obwohl der Transport der Kaulquappen zu Wasserstellen fast ausschließlich von Männchen durchgeführt wird, übernehmen die Weibchen diese Aufgabe im Fall der Abwesenheit des Männchens. In diesem Projekt möchte ich die zugrunde liegenden Mechanismen untersuchen, die weibliches Brutpflegeverhalten auslösen, z.B. akustische oder räumliche Parameter des männlichen Anzeigerufes. Dies wäre der erste Nachweis für Verhaltensflexibilität in einer uni-parentalen Art mit generell geschlechtsspezifischer Brutpflege. Im Gegensatz dazu zeigen A. femoralis Männchen wahrscheinlich ein fixiertes Handlungsmuster, indem sie alle Gelege innerhalb ihres Territoriums zu Wasserstellen tragen, unabhängig davon, ob sie der tatsächliche genetische Vater sind oder nicht. Änderungen in der Umgebung zu erkennen, zu identifizieren und entsprechend zu reagieren, ist eine der Grundvoraussetzungen für flexibles Verhalten. Untersuchungen an Säugetieren, einschließlich Menschen haben gezeigt, dass stereotypes bzw. flexibles Verhalten in unterschiedlichen Regionen des Gehirns abgebildetwird und auch unterschiedliche Aktivierungspotentiale in den entsprechenden Hirnarealen auslösen. In der Froschart Rana (Lithobates) pipiens möchte ich mittles funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) Unterschiede in der metabolischen Aktivität des Gehirns bei der Verarbeitung von bekannten und neuartigen (akustischen und visuellen) Reizen einerseits lokalisieren aber auch quantifizieren. Funktionelle Gehirnstudien wurden bisher noch bei keiner Amphibienart durchgeführt, und dies wäre die erste Untersuchung über die Verarbeitung von neuen (nicht-bekannten) Reizen in einem Wirbeltier abseits von Primaten. Nachdem Amphibien die basalste Wirbeltiergruppe darstellen, werden meine Ergebnisse wichtige Erkenntnisse über jene neuronalen Strukturen liefern, die Voraussetzung für die Entwicklung von flexiblem Verhalten sind.
Im Projekt 'Flexibles Verhalten bei Fröschen' haben wir Gründe und Mechanismen der Verhaltensplastizität zweier Frosch-Modellarten, Allobates femoralis und Rana (Lithobates) pipiens, untersucht. Dazu haben wir einen integrativen Ansatz aus Verhaltensversuchen im Freiland und im Labor, sowie molekulare Analysen und Gehirn-Scans verwendet. Ein wesentlicher Teil dieses Projekts befasste sich mit der Brutpflege des neotropischen Pfeilgiftfrosches Allobates femoralis. In der Regel sind die Väter für den Kaulquappentransport von terrestrischen Gelegen zu Wasserstellen verantwortlich. Durch kontrollierte Verhaltensexperimente im Labor konnten wir jedoch zeigen, dass Weibchen diese Aufgabe flexibel übernehmen, falls der Vater plötzlich ausfällt. Weiter konnten wir nachweisen, dass männliche und weibliche A. femoralis unterschiedliche Nachwuchs-Diskriminierungsstrategien anwenden, was die jeweiligen geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich Risiko und Kosten der Brutpflege hervorhebt. Eine überraschende Entdeckung im Freiland war, dass Männchen bei der Übernahme eines neuen Territoriums die Gelege ihrer Vorgänger auffressen. Gezielte Experimente im Labor bestätigten diese Hypothese und zeigten, dass auch Weibchen in Abwesenheit eines bewachenden Männchens Kaulquappen aus nicht-verwandten Gelegen fressen. Eine weitere spannende Entdeckung war, dass der Kaulquappentransport sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen A. femoralis experimentell ausgelöst werden kann, indem man beliebige Kaulquappen auf den Rücken von Adulttieren überträgt. Mittels molekularer Elternschaftsanalyse konnten wir bei einer A. femoralis Population generationsübergreifende Stammbäume erstellen, die es uns ermöglichten, hierarchische Entscheidungsprozesse beim Kaulquappentransport aufzuzeigen. Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse deutlich, dass Pfeilgiftfrösche ein sehr flexibles Verhalten hinsichtlich der Brutpflege aufweisen und in der Lage sind, strategische Entscheidungen zu treffen. Das Stipendium ermöglichte es mir auch, ein Jahr an der University of California Los Angeles (UCLA) zu verbringen, wo ich fMRT Gehirn-Scans an Leopardfröschen durchführte. Allgemeines Ziel der Studie war es, kognitive Mechanismen der Verhaltensflexibilität bei Fröschen zu untersuchen. Insbesondere interessierte mich, wie Individuen es schaffen, sozial relevante Informationen von Hintergrundgeräuschen herauszufiltern. Wir fanden signifikante Unterschiede in der Signalintensität verschiedener Hirnregionen bei Fröschen nach Stimulation mit arteigenen Rufen, Rauschen und Stille, was darauf hinweist, dass Signale mit unterschiedlicher sozialer Relevanz im Amphibiengehirn unterschiedlich verarbeitet werden. Diese Studie zeigt deutlich, dass MEMRI einen leistungsstarken Ansatz zur Untersuchung von Gehirnaktivitätsmustern mit hoher räumlicher Auflösung bei Fröschen bietet.
- Neil Harris, University of California at Los Angeles - Vereinigte Staaten von Amerika
- Peter M. Narins, University of California at Los Angeles - Vereinigte Staaten von Amerika
- Anna Wilkinson, University of Lincoln - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 393 Zitationen
- 29 Publikationen
- 6 Datasets & Models
- 5 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Nave Poison Frog tadpoles use bi-modal cues to avoid insect predators but not heterospecific predatory tadpoles. DOI 10.48350/163778 Typ Journal Article Autor Mangione Link Publikation -
2024
Titel Transcriptomic Signatures of Experimental Alkaloid Consumption in a Poison Frog DOI 10.48350/164930 Typ Journal Article Autor Rodríguez Link Publikation -
2024
Titel Contrasting parental roles shape sex differences in poison frog space use but not navigational performance. DOI 10.48350/174807 Typ Journal Article Autor Pašukonis Link Publikation -
2024
Titel Oviposition and father presence reduce clutch cannibalism by female poison frogs DOI 10.48350/164929 Typ Journal Article Autor Lehner Link Publikation -
2016
Titel Sex-specific offspring discrimination reflects respective risks and costs of misdirected care in a poison frog DOI 10.1016/j.anbehav.2016.02.008 Typ Journal Article Autor Ringler E Journal Animal Behaviour Seiten 173-179 Link Publikation -
2016
Titel The significance of spatial memory for water finding in a tadpole-transporting frog DOI 10.1016/j.anbehav.2016.02.023 Typ Journal Article Autor Pašukonis A Journal Animal Behaviour Seiten 89-98 Link Publikation -
2017
Titel Calls during agonistic interactions vary with arousal and raise audience attention in ravens DOI 10.1186/s12983-017-0244-7 Typ Journal Article Autor Szipl G Journal Frontiers in Zoology Seiten 57 Link Publikation -
2017
Titel Adopt, ignore, or kill? Male poison frogs adjust parental decisions according to their territorial status DOI 10.1038/srep43544 Typ Journal Article Autor Ringler E Journal Scientific Reports Seiten 43544 Link Publikation -
2018
Titel Testing skin swabbing for DNA sampling in dendrobatid frogs DOI 10.1163/15685381-17000206 Typ Journal Article Autor Ringler E Journal Amphibia-Reptilia Seiten 245-251 Link Publikation -
2017
Titel Induced parental care in a poison frog: a tadpole cross-fostering experiment DOI 10.1242/jeb.165126 Typ Journal Article Autor Pašukonis A Journal Journal of Experimental Biology Seiten 3949-3954 Link Publikation -
2017
Titel Acoustic ranging in poison frogs—it is not about signal amplitude alone DOI 10.1007/s00265-017-2340-2 Typ Journal Article Autor Ringler M Journal Behavioral Ecology and Sociobiology Seiten 114 Link Publikation -
2020
Titel Experience shapes accuracy in territorial decision-making in a poison frog DOI 10.1098/rsbl.2020.0094 Typ Journal Article Autor Sonnleitner R Journal Biology Letters Seiten 20200094 Link Publikation -
2020
Titel Reproductive behavior drives female space use in a sedentary Neotropical frog DOI 10.7717/peerj.8920 Typ Journal Article Autor Fischer M Journal PeerJ Link Publikation -
2019
Titel MEMRI for Visualizing Brain Activity After Auditory Stimulation in Frogs DOI 10.1037/bne0000318 Typ Journal Article Autor Ringler E Journal Behavioral Neuroscience Seiten 329-340 Link Publikation -
2019
Titel Within-generation and transgenerational plasticity of mate choice in oceanic stickleback under climate change DOI 10.1098/rstb.2018.0183 Typ Journal Article Autor Fuxjäger L Journal Philosophical Transactions of the Royal Society B Seiten 20180183 Link Publikation -
2019
Titel Transcriptomic Signatures of Experimental Alkaloid Consumption in a Poison Frog DOI 10.3390/genes10100733 Typ Journal Article Autor Sanchez E Journal Genes Seiten 733 Link Publikation -
2022
Titel Contrasting parental roles shape sex differences in poison frog space use but not navigational performance DOI 10.1101/2022.05.21.492915 Typ Preprint Autor Pašukonis A Seiten 2022.05.21.492915 Link Publikation -
2022
Titel Contrasting parental roles shape sex differences in poison frog space use but not navigational performance DOI 10.7554/elife.80483 Typ Journal Article Autor Pašukonis A Journal eLife Link Publikation -
2021
Titel Naïve Poison Frog tadpoles use bi-modal cues to avoid insect predators but not heterospecific predatory tadpoles DOI 10.1242/jeb.243647 Typ Journal Article Autor Szabo B Journal Journal of Experimental Biology Link Publikation -
2019
Titel Male size of nest owners and sneakers in 17C and 21C mesocosms from Within-generation and transgenerational plasticity of mate choice in oceanic stickleback under climate change. DOI 10.6084/m9.figshare.7485593 Typ Other Autor Fuxjäger L Link Publikation -
2019
Titel Male size of nest owners and sneakers in 17C and 21C mesocosms from Within-generation and transgenerational plasticity of mate choice in oceanic stickleback under climate change. DOI 10.6084/m9.figshare.7485593.v2 Typ Other Autor Fuxjäger L Link Publikation -
2019
Titel Oviposition and father presence reduce clutch cannibalism by female poison frogs DOI 10.1186/s12983-019-0304-2 Typ Journal Article Autor Spring S Journal Frontiers in Zoology Seiten 8 Link Publikation -
2018
Titel Male size of nest owners and sneakers in 17C and 21C mesocosms from Within-generation and transgenerational plasticity of mate choice in oceanic stickleback under climate change DOI 10.6084/m9.figshare.7485593.v1 Typ Other Autor Fuxjäger L Link Publikation -
2018
Titel Sexing and kinship analysis from Attacked ravens flexibly adjust signalling behaviour according to audience composition DOI 10.6084/m9.figshare.6344936.v1 Typ Other Autor Ringler E Link Publikation -
2018
Titel Sexing and kinship analysis from Attacked ravens flexibly adjust signalling behaviour according to audience composition DOI 10.6084/m9.figshare.6344936 Typ Other Autor Ringler E Link Publikation -
2018
Titel Hierarchical decision-making balances current and future reproductive success DOI 10.1111/mec.14583 Typ Journal Article Autor Ringler E Journal Molecular Ecology Seiten 2289-2301 Link Publikation -
2018
Titel Attacked ravens flexibly adjust signalling behaviour according to audience composition DOI 10.1098/rspb.2018.0375 Typ Journal Article Autor Szipl G Journal Proceedings of the Royal Society B Seiten 20180375 Link Publikation -
2017
Titel Additional file 1: of Calls during agonistic interactions vary with arousal and raise audience attention in ravens DOI 10.6084/m9.figshare.5728557 Typ Other Autor Ringler E Link Publikation -
2017
Titel Additional file 1: of Calls during agonistic interactions vary with arousal and raise audience attention in ravens DOI 10.6084/m9.figshare.5728557.v1 Typ Other Autor Ringler E Link Publikation
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2019
Link
Titel Additional file 2: of Oviposition and father presence reduce clutch cannibalism by female poison frogs DOI 10.6084/m9.figshare.7884074.v1 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2019
Link
Titel Additional file 2: of Oviposition and father presence reduce clutch cannibalism by female poison frogs DOI 10.6084/m9.figshare.7884074 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2018
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Titel Data from: Attacked ravens flexibly adjust signalling behaviour according to audience composition DOI 10.5061/dryad.64q763h Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2018
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Titel Data from: Hierarchical decision-making balances current and future reproductive success DOI 10.5061/dryad.5st48g8 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2018
Link
Titel Reproductive success of oceanic sticklebackang DOI 10.1594/pangaea.892840 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2017
Link
Titel Additional file 2: of Calls during agonistic interactions vary with arousal and raise audience attention in ravens DOI 10.6084/m9.figshare.5728581 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2019
Titel Christopher Barnard Award Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2017
Titel plenary speaker at the SEH 19th European Congress of Herpetology Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2017
Titel ÖFFH grant Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2016
Titel Gertrud Pleskot Award Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country) -
2015
Titel Förderungspreis der Stadt Wien Typ Research prize Bekanntheitsgrad Regional (any country)