Pre-Enactment Klimawandelwissen (PECCK)
Pre-enacting climate change knowledge (PECCK)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (25%); Soziologie (75%)
Keywords
-
Anthropology Of Knowledge,
Experimental Methodolog
PECCK nimmt sich der Frage an, wie Kulturwissenschaftler:innen die hochdynamischen zeitgenössischen Wissenspraktiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel erfassen und mitgestalten können. Das Projekt problematisiert insbesondere die Möglichkeiten, Klimawandelwissen durch eine spekulative Wissensanthropologie zu verste hen. Hierfür entwickeln, veranstalten und analysieren wir in einem kollaborativen Experiment die Vorab- Inszenierung (Pre-enactment) eines real-fiktiven Klimarechnungshofs in Österreich, dessen Einrichtung von dem jüngst erfolgreichen österreichischen Klimavolksbegehren gefordert wurde. Mit diesem Forschungsdesign zielen wir darauf ab, eine wissensanthropologische Methodologie zur Untersuchung von Klimawandelwissen in dem Moment voranzubringen, in dem dieses Wissen Teil demokratischer Gesetzgebungsverfahren wird. Auf diese Weise trägt PECCK dazu bei, die Zukunft des Klimawandels be/greifbar zu machen.
Ausgehend von der Hypothese, dass es gesellschaftlich wirksames Klimawandelwissen braucht, hat Forschungsprojekt "PECCK" zwei Kernfragen bearbeitet: 1. Welche Wissenspraktiken können die Beziehungen zwischen den gesellschaftlichen Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft als "Ökologie von Klimawandelwissen" stärken? 2. Wie gut eignen sich kollaborative experimentelle Methoden, um die Wissensanthropologie in das dynamische Feld des Klimawandelwissens aktive einzubeziehen? Zur Untersuchung dieser Fragen hat das Forschungsprojekt die Forderung des Österreichischen Klimavolksgebehrens nach einem Klimarechnungshof (2020) als bereits bestehende Wissensökologie des Klimawandels aufgegriffen und entschieden, den Klimarechnungshof als eine "Realfiktion" ins Leben zu rufen. Ein transdisziplinäres Team - bestehend aus einer Anthropologin, einer STS-Forscherin, einem Wissenschaftskurator, Museumskurator, Filmemacher und einer Social Designerin sowie Expert:innen aus den Bereichen Klimawissenschaft, Verwaltung und Aktivismus - hat die realfiktive Kampagne "Klimarechnungshof Jetzt!" entwickelte und realisierte. Diese Kampagne beinhaltete sowohl die Sammlung realfiktiver Prüffälle für einen Klimarechnungshof als auch den Prüfungsprozess selbst. Das transdisziplinäre Forschungsdesign des Projekts, basierend auf kollaborativen Workshops, performativen Filmaufnahmen und einer Kampagnen-Website, die als öffentliche Plattform und Dokumentation der Projektaktivitäten diente, zielte darauf ab, "Realfiktion" als eine antizipierende Forschungsmethode zu verfeinern und Erkenntnisse über deren Möglichkeiten und Grenzen zu gewinnen. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehören: 1. Multiple Temporalität: Realfiktive Arbeit ist projektbasiert und deshalb zeitlich begrenzt und intensiv. Realfiktive Zeit ist vielschichtig: Sie kann ein einmaliger Auftrag sein oder fester Bestandteil der Arbeitsagenda, sie kann als außerordentliches Ereignis erfahren oder als Investition in Folgeprojekte genutzt werden. Diese Temporalität ist transgressiv, da sie berufliche, persönliche und zivilgesellschaftliche Grenzen verwischt. Realfiktives Engagement ist so gesehen für diejenigen zugänglich, die temporär Rollengrenzen aufgeben können, jedoch weniger für diejenigen die festen Verpflichtungen folgen müssen. 2. Engagements: Realfiktion als antizipierende Methode ermöglicht unterschiedliche Formen der Teilnahme - von sporadisch bis nachhaltig, individuell bis kollektiv, etc. Die Analyse der realfiktiven Kampagne "Klimarechnungshof Jetzt!" als performativer Moment in der lokalen Wissensökologie des Klimawandels hebt die Spannung zwischen der Inkonsistenz dieser verschiedenen Beteiligungsmodi hervor und den kontinuierlichen, kleinteiligen kommunikativen Praktiken, die dafür Sorge tragen, dass aus Beteiligung als Engagement wertgeschätzt wird. 3. Raumkapital: Projektbasierte Methoden wie die antizipierende Realfiktion können dann Wirkung erzielen, wenn sie auf Raumkapital aufbauen können. Die Schaffung eines inklusiven Ortes, der diverse Partizipationsmodi willkommen heißt und als Engagement wertschätzt, ist entscheidend für die Stabilität dieser sozialen Beziehungen. Im Fall der realfiktiven Kampagne "Klimarechnungshof Jetzt!" förderte der offene und anpassungsfähige Raum des Volkskundemuseums Wien vielfältige Engagements und zeigte, wie Raumkapital zur Bildung einer Wissensökologie des Klimawandels beiträgt.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 4 Publikationen
- 1 Künstlerischer Output
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2024
Titel Realfiktion Klimarechnungshof: Zum Potenzial vorausgreifenden Forschens & Gestaltens und seinen zeitlichen Bedingungen; In: Performanzen & Praktiken: Kollaborative Formate in Wissenschaft und Kunst Typ Book Chapter Autor Färber A Verlag Leipziger Universitätsverlag Seiten 63-78 -
2024
Titel Von Realfiktion zu Realpolitik: Zum Abschluss des FWF- Forschungsprojekts "Realfiktion Klimarechnungshof (PECCK).; In: Jahresbericht Typ Book Chapter Autor Färber A Verlag Eigenverlag Seiten 57-61 -
2024
Titel Weißbartl - 100 Jahre Klimarechnungshof; In: Klimageschichten. Planet. Krise. Fiction. Typ Book Chapter Autor Autorinnenkollektiv Verlag Edition assemblage Seiten 99-114 -
2022
Titel Gesellschaftlichen Wandel untersuchen und mitgestalten: Das wissensanthropologische Forschungsprojekt "Realfiktion Klimarechnungshof".; In: Transformationsgesellschaft: Visionen und Strategien für den sozialökologischen Wandel Typ Book Chapter Autor Alexa Färber Verlag Waxmann-Verlag Seiten 103-112