EDD Online: Erweiterung und Auswertung der Online-Version
EDD Online: Expanding and Exploiting the Electronic Version
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Dialektologie,
Lexikographie,
Computergestützte Linguistik,
Diachrone Linguistik,
Mündlichkeitsforschung,
Anglistische Linguistik
Unser laufendes TRP-Projekt SPEED (Spoken English in Early Dialects) veröffentlichte kürzlich eine funktionsfähige, aber vorläufige Online-Version von Joseph Wrights English Dialect Dictionary (EDD, 1898- 1905). Diese Beta-Version ist das Ergebnis von beinahe vier Jahren intensiver Arbeit, und ihre Erstellung war eines der erklärten Hauptziele des Projekts SPEED. Die Verfügbarkeit des EDD in elektronischer Form ermöglicht der internationalen Forscher-Gemeinschaft erstmals die elektronische Auswertung dieses umfassenden Wörterbuchs (5,000 Seiten) mittels einer technisch hochentwickelten Suchmaschine. Ein weiteres Hauptziel unseres laufenden Projekts war die philologische Auswertung des EDD, vor allem in Hinblick auf die eher vernachlässigten Disziplinen Englische Sprachgeschichte, Mündliches Englisch und Englische Dialektologie. Im Rahmen des Folgeprojekts EDD Online beabsichtigen wir nun, die Funktionalität des vorliegenden elektronischen Wörterbuchs entscheidend zu erweitern. Wir planen den Einbau von Funktionen, die in derzeitigen Online-Wörterbüchern ihresgleichen suchen und als Vorbild für weitere Wörterbuchprojekte fungieren können. So beabsichtigen wir etwa den Einbau von phonetischen und morphemischen Suchfiltern, anschaulichen Dialektkarten sowie eines leistungsfähigen Konkordanz-Modus. Neben der Software-Problematik liegt noch viel Korrekturarbeit bezüglich orthographischer Fehler und bei der Strukturerkennung vor uns. Auf philologischer Ebene wartet eine Vielzahl offener Fragen auf die Beantwortung durch uns und eine Reihe von KollegInnen weltweit. Wir sind überzeugt, dass unsere bisherige technische und philologische Leistungsbilanz eine weitere substantielle Förderung seitens des FWF rechtfertigt: Unsere Beta-Version wird bereits von Sprachwissenschaftern weltweit verwendet. Wir selbst können bereits 15 auf dem elektronischen EDD basierende Publikationen und 18 projektbezogene Vorträge auf internationalen Konferenzen vorweisen. Im August 2008 befaßte sich ein eigener von uns organisierter Konferenzworkshop (auf der ICEHL 15, München) mit Fragen aus dem Umfeld des EDD. Im Juli 2009 veranstalteten wir eine internationale projektbezogene Konferenz in Innsbruck (MMECL) mit über 60 FachkollegInnen. Die Anerkennung unseres Projekts über die Grenzen hinaus zeigt sich auch in unserer Zusammenarbeit mit zahlreichen KollegInnen, z. B. mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren der Universität Trier. Ungeachtet dieser bisherigen Erfolge ist es absolut entscheidend für die Qualität des EDD Online, dass die finanzielle Unterstützung in dieser entscheidenden Phase des Projekts für drei weitere Jahre fortgesetzt wird. Das elektronische Wörterbuch ist im Begriff, ein unverzichtbares Hilfsmittel für Linguisten und Philologen und ein Vorbild für andere elektronische Wörterbücher weltweit zu werden. Aber es braucht zahlreiche Erweiterungen und Verbesserungen und somit die weitere Unterstützung durch den FWF, um sein Potential vollends zu entfalten. SPEED startete unter Gesamtleitung von Prof. Manfred Markus im Juli 2006 und endet im September 2010. TRP Projektnummer L283.
Grundziel des Projektes war es, eine computerfundierte Such-Plattform (Interface) des English Dialect Dictionary von Joseph Wright (publiziert 1898-1905) zu erstellen. Das sechsbändige Wörterbuch ist durch seinen Umfang (ca. 4500 Seiten) sowie seine wissenschaftliche Qualität und Komplexität einzigartig. Es erschließt die Dialekte des United Kingdom (inkl. Irland) sowie der USA und der englischen Kolonien des späten 19. Jahrhunderts (Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Karibik) für die Zeit 1700 bis 1904, also für das Spätneuenglische, und vermittelt darüber hinaus Kenntnisse über die Wurzeln des englischen Dialektwortschatzes seit dem Altenglischen, d.h. seit 700. Das Verdienst des Projekts besteht vor allem darin, einen wirklichen Zugang zu den vielfältigen Daten des English Dialect Dictionary ermöglicht zu haben. Ohne die maschinelle Lesbarkeit wären diese Daten nur zu einem geringen Bruchteil zugänglich. Aufgrund dieser Beschränktheit der Papierversion des Wörterbuches war dieses in der englischen Sprachwissenschaft weitgehend in Vergessenheit geraten. Jetzt aber ist der Informationsreichtum der z.T. sehr detailreichen Wörterbuchartikel erschlossen, so dass auch die Dialektologie als Wissenschaftszweig, zumindest der Anglistik, in besonderem Maße befruchtet wurde. Die Vielfalt der jetzt ermöglichten Suchroutinen spiegelt sich in den ambitionierten Suchparametern und Filtern von EDD Online. Als Suchbereiche werden angeboten: Headwords, voller Text, Bedeutungen, Zitattexte, Varianten, diverse Wortbildungstypen eines Wortes, Phrasen. Z.T. sind diese Parameter, zur Erleichterung der Sucharbeit, auch in Kombination miteinander abrufbar. Gesucht werden kann auch nach trunkierten Strings. Die Filter beziehen sich in erster Linie auf die räumliche Dialektzuordnung, also auf die Frage, wo eine dialektale Fügung heimisch war. Daneben ist aber auch die zeitliche Zuordnung von Interesse: aus welchem Jahr oder aus welcher Zeitspanne stammen die von Joseph Wright beigefügten Belegquellen? Darüber hinaus wurden sechs weitere Filter implementiert: Wortart, Phonetik, Etymologie, Verwendungsweise (label), Quellen und Morphologie. Alle Filter lassen sich in genau festgelegtem Ausmaß mit den oben erwähnten Parametern kombinieren. Dadurch und durch die Erstellung etlicher Sub-Filter sind äußerst komplexe Fragestellungen möglich, die zur Unterstützung des Benutzers jeweils in einem Suchprotokoll festgehalten werden. Voraussetzung für die Erstellung der Suchroutinen waren eine sorgfältige Digitalisierung des Wörterbuch-Originals sowie eine akribische Markierung des Textes. Erste Urteile namhafter internationaler Linguisten nach Fertigstellung: brilliant ... wonderful tool ... tremendous contribution". Konsequenzen für die Dialektologie: revolutionierende Erweiterung ihrer Themen und Methoden.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 14 Zitationen
- 9 Publikationen
-
2012
Titel How can Wright's English Dialect Dictionary be used as a corpus? Typ Book Chapter Autor Corpus Lingusitics And Variation In English. Theory And Description -
2012
Titel The complexity and diversity of the words in Wright’s English Dialect Dictionary DOI 10.1075/scl.50.19mar Typ Book Chapter Autor Markus M Verlag John Benjamins Publishing Company Seiten 209-224 -
2012
Titel Introduction DOI 10.1075/scl.50.02int Typ Book Chapter Autor Markus M Verlag John Benjamins Publishing Company Seiten 1-10 -
2015
Titel “Sirrah, What's Thy Name?”: The Genesis of Shakespeare's Sirrah in Relation to Sir and Sire in Late Middle and Early Modern English DOI 10.1080/0013838x.2014.983779 Typ Journal Article Autor Markus M Journal English Studies Seiten 191-203 -
2015
Titel Joseph Wright's Yorkshire: EDD Online as a new source. Typ Journal Article Autor Markus M Journal TYDS-Transactions of the Yorkshire Dialect Society -
2014
Titel Spoken features of interjections in English dialect (based on Joseph Wright’s English Dialect Dictionary) DOI 10.1017/cbo9781139833882.010 Typ Book Chapter Autor Tuominen F Verlag Cambridge University Press (CUP) Seiten 116-134 -
2014
Titel The pattern to be a-hunting from Middle to Late Modern English. Towards extrapolating from Wright's English Dialect Dictionary. Typ Book Chapter Autor Corpus Interrogation And Grammatical Patterns. Eds. Davidse -
2014
Titel Corpus Interrogation and Grammatical Patterns DOI 10.1075/scl.63 Typ Book Verlag John Benjamins Publishing Company Link Publikation -
2012
Titel Spokenness as a feature of Late-Modern English. Typ Book Chapter Autor Markus M