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Wie können wir unsere Denkweise ändern?

How can we change the way we think?

Daniela Kloo (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/V122
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2009
  • Projektende 31.12.2013
  • Bewilligungssumme 226.492 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%); Psychologie (80%)

Keywords

    Executive Functions, Set-Shifting, Cognitive Flexibility, Autism, Theory of Mind, Neuroimaging

Abstract Endbericht

Flexibilität im Denken ist ein zentraler, vielleicht sogar der bedeutsamste, Aspekt unserer kognitiven Kontrollfähigkeiten. Unsere Fähigkeit, unser Denken flexibel ändern zu können, ist für eine Reihe von Aufgaben wichtig: Flexibles Denken erlaubt uns, zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her zu wechseln oder unterschiedliche Perspektiven in Hinblick auf einen Sachverhalt einzunehmen. Kognitive Flexibilität ist auch notwendig, um zu verhindern, dass wir immer nur auf Basis der augenfälligsten Aspekte einer Situation reagieren. Kognitive Flexibilität erlaubt uns Alternativen zu erkennen und unser Verhalten an Veränderungen in der Umwelt flexibel anzupassen. Die Fähigkeit, flexibel zu denken, ist somit von zentraler Bedeutung für unser alltägliches Leben. Die Grundfrage dieses Forschungsprojektes ist: "Wie können wir unser Denken flexibel kontrollieren?", oder, spezifischer ausgedrückt, "Wie können wir unsere Denkweise ändern?" Das Forschungsprojekt möchte Flexibilität im Denken unter einer möglichst breiten Perspektive untersuchen, dabei aber dennoch fokusiert bleiben. Deshalb wird sich der Fokus auf eine bestimmte Aufgabe (Kartensortieren) konzentrieren. Diese Aufgabe wird sehr häufig eingesetzt, um Flexibilität im Denken zu erfassen, und kann sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen durchgeführt werden. Dennoch soll kognitive Flexibilität umfassend untersucht werden. Neben der Frage, wie sich Flexibilität im Denken entwickelt, soll auch untersucht werden, welche Rolle basale Prozesse der Aufmerksamkeitslenkung im Rahmen der kognitiven Flexibilität spielen. Desweiteren wird untersucht, inwieweit sich die Fähigkeit zu flexiblem Denken von Kindern mit einer Autismusspektrums-Störung von der kognitiven Flexibilität sich normal entwickelnder Kinder unterscheidet, da diese tiefgreifende Entwicklungsstörung oft mit einem Defizit in der kognitiven Flexibilität einhergeht. Zudem wird untersucht, ob ein spezielles Training der kognitiven Flexibilität für Kinder mit einer Autismusspektrums-Störung hilfreich ist. Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) soll Einblick in die der kognitiven Flexibilität zugrunde liegenden Hirnfunktionen liefern. Diese umfassende Perspektive soll dazu dienen, Antworten auf grundlegende Fragen zur Entwicklung und zu den Mechanismen kognitiver Flexibilität einen Schritt näher zu kommen.

Kinder mit einer Störung des autistischen Spektrums sind typischerweise eingeschränkt in der sozialen Kommunikation und Interaktion und zeigen stereotype Verhaltensweisen. Speziell konnten Studien immer wieder eine Einschränkung der kognitiven Flexibilität nachweisen. Jedoch, so zeigt das vorliegende Projekt, sind Kinder mit einer Störung des autistischen Spektrums nicht grundsätzlich unflexibel; vielmehr ist lediglich eine spezielle Art der kognitiven Flexibilität eingeschränkt: Die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven in Hinblick auf einen Sachverhalt einzunehmen. Diese Fähigkeit entwickelt sich im Vorschulalter. Mit etwa 4 Jahren können gesunde Kinder unterschiedliche Perspektiven auf ein- und dasselbe Objekt anzuwenden, z.B. einen "roten Apfel" einmal als "Apfel" und einmal als "etwas Rotes" kategorisieren. Viele Studien konnten einen starken Zusammenhang zwischen dieser speziellen Art der Flexibilität und unserer sozialen Perspektivenübernahme zeigen. Gerade darin, in der Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer Menschen zu betrachten, sind auch Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung eingeschränkt. Auch im vorliegenden Projekt konnten wir diese bekannten Probleme im Bereich der Perspektivenübernahme bei Kindern mit einer Störung des autistischen Spektrums nachweisen. Zudem konnten wir zeigen, dass - analog zu dreijährigen Kindern - eine spezielle Form der kognitiven Flexibilität beeinträchtigt ist. Sowohl Dreijährigen als auch Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung gelang es in bestimmten Kontexten, flexibel zu handeln. So konnten sie sehr wohl abwechselnd nach Farbe und Form sortieren, wenn diese beiden Dimensionen nicht Bestandteile ein- und desselben Objektes waren (z.B. indem sie Strichzeichnungen von Äpfeln und rote Farbkleckse sortierten). Sie konnten auch mühelos einen Apfel in einem "richtigen Obstspiel" dem Apfel zuordnen und gleich darauf im "falschen Obstspiel" der Birne. Dreijährige wie auch Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung zeigten jedoch Probleme bei einer ganz speziellen Art der Flexibilität: Es fiel ihnen schwer, einen "roten Apfel" einmal als "Apfel" und einmal als "etwa Rotes" zu kategorisieren. Diese spezielle Form der Flexibilität, welche einen Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven ermöglicht, scheint daher sowohl in der kognitiven Entwicklung gesunder Kinder als auch bei den spezifischen Schwierigkeiten von Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung eine zentrale Rolle zu spielen. Trainings für Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung sollten daher (auch) auf diese spezielle Art der kognitiven Flexibilität fokussieren. Zumal ein derartiges Training in einer unserer früheren Studien einen positiven Einfluss auf die soziale Kognition dreijähriger Kinder ausübte.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Sue Leekam, Durham University - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 140 Zitationen
  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Planungsleistungen bei Grundschülern mit ADHS und LRS: Ein Vergleich von Fremdbeurteilungsverfahren und psychometrischen Testverfahren.
    Typ Journal Article
    Autor Kaufmann L Et Al
  • 2010
    Titel Perspective taking and cognitive flexibility in the Dimensional Change Card Sorting (DCCS) task
    DOI 10.1016/j.cogdev.2010.06.001
    Typ Journal Article
    Autor Kloo D
    Journal Cognitive Development
    Seiten 208-217
  • 2014
    Titel Konstrukt- und Kriteriumsvalidität einer deutschen Version des Behavior Rating Inventory of Executive Function (BRIEF) zur Identifikation von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS)
    DOI 10.1026/0012-1924/a000103
    Typ Journal Article
    Autor Schöfl M
    Journal Diagnostica
    Seiten 181-196
  • 2012
    Titel The development of earlier and later forms of meta-cognitive abilities.
    Typ Book Chapter
    Autor Kloo D
  • 2012
    Titel The development of earlier and later forms of metacognitive abilities: reflections on agency and ignorance
    DOI 10.1093/acprof:oso/9780199646739.003.0011
    Typ Book Chapter
    Autor Kloo D
    Verlag Oxford University Press (OUP)
    Seiten 167-180
  • 2012
    Titel Escape From Metaignorance: How Children Develop an Understanding of Their Own Lack of Knowledge
    DOI 10.1111/j.1467-8624.2012.01830.x
    Typ Journal Article
    Autor Rohwer M
    Journal Child Development
    Seiten 1869-1883

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