Phänomenologie der Geschlechtlichkeit
Phenomenology of Sexuality
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (70%); Rechtswissenschaften (30%)
Keywords
-
Phenomenology,
Feminist Philosophy & Gender Studies,
Existence,
Difference,
Construction,
Merleau-Ponty
Erst in den letzten zehn bis 15 Jahren hat man begonnen, das reichhaltige Potenzial der Phänomenologie in der Geschlechterforschung zu nutzen. Die so genannte "feministische Phänomenologie" zählt diesbezüglich zu den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Phänomenologie. An diesem Punkt setzt das geplante Habilitationsprojekt an. Ziel des Habilitationsprojekts ist der Entwurf einer Phänomenologie der Geschlechtlichkeit auf Basis der Phänomenologie des 20. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtung des aktuellen Standes der philosophischen Geschlechterforschung, der feministischen Philosophie und der Gender Studies. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die Phänomenologie einen wichtigen Beitrag leistet hinsichtlich der Fragen nach der geschlechtlichen Existenz, der sexuellen Differenz und der Geschlechterkonstruktion - drei zentrale Themen der modernen feministischen Theoriebildung. Zu diesem Zweck wird sich die Studie mit drei maßgebenden feministischen Ansätzen auseinander setzen: mit Simone de Beauvoirs existenzialistischer Ethik, mit Luce Irigarays Konzeption der sexuellen Differenz und mit Judith Butlers konstruktionstheoretischer Geschlechtertheorie. In methodischer Hinsicht wird in erster Linie auf das Werk des französischen Phänomenologen Maurice Merleau- Ponty zurückgegriffen. Dessen Phänomenologie der Leiblichkeit erweist sich insbesondere deshalb als geeignet, weil die erwähnten philosophischen Geschlechterkonzeptionen von Beauvoir, Irigaray und Butler im Kern mit der Körperthematik befasst sind. Es wird gezeigt werden, inwiefern seine Phänomenologie zur Klärung und Weiterentwicklung derjenigen Fragen, die die philosophische Geschlechterforschung, die feministische Philosophie und die Gender Studies in den letzten Jahrzehnten beschäftigt haben und noch immer nachhaltig beschäftigen, beitragen kann. Das geplante Habilitationsprojekt ist in seiner Art und aufgrund seiner behandelten Thematik ein wichtiger Beitrag zur Grundlagenforschung in der Philosophie. Darüber hinaus ist es von trans- und interdisziplinärer Bedeutung, da dessen Ausführungen von all jenen wissenschaftlichen Disziplinen genutzt werden können, die heute mit der Geschlechtlichkeit im Allgemeinen und der Geschlechterfrage im Besonderen befasst sind.
- Universität Wien - 100%
- Veronica Vasterling, Radboud University Nijmegen - Niederlande