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Die Erfindung des Unmöglichen

The Invention of the Impossible

Uta Degner (ORCID: 0000-0003-0928-9624)
  • Grant-DOI 10.55776/V313
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2013
  • Projektende 30.09.2015
  • Bewilligungssumme 223.284 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Literary field, Jelinek, Kafka, Bourdieu, Brecht

Abstract Endbericht

Ziel des Projekts ist die Rekonstruktion ästhetischer Innovationslogiken im Prosatext des 20. Jahrhunderts anhand dreier Fallstudien: Franz Kafka, Bertolt Brecht und Elfriede Jelinek. Mithilfe des von Pierre Bourdieu in Die Regeln der Kunst (franz. Orig. 1992; dt. Übers. 1999) entwickelten methodischen Instrumentariums soll nicht nur nachgewiesen werden, dass Regeln` der Kunstproduktion auch für das literarische Feld des 20. Jahrhunderts wirksam sind, sondern zudem deren konkrete Funktionsweisen und die "Erzeugungsformel[n]" der genannten AutorInnen beschrieben werden mit Bourdieus Vokabular (z. B. des Prinzips der doppelten Distinktion`), aber auch über dieses hinaus. Mit der Wahl von drei der innovativsten, eigenständigsten und wirkungsmächtigsten AutorInnen des 20. Jahrhunderts sollen Paradigmenbildungen für unterschiedliche Zeitpunkte, bzw. spannen, bzw. unterschiedliche Kontexte herausgearbeitet werden, die zugleich den Anspruch haben, wesentliche Entwicklungen im deutschsprachigen literarischen Feld des 20. Jahrhunderts zu erfassen: so untersucht es mit Kafka die 10er Jahre und die 1. Hälfte der 20er Jahre, mit Brecht die 20er und die erste Hälfte der 30er Jahre und mit Jelinek die Ende der 60er Jahre bis ins 21. Jahrhundert, wobei in diesem Kontext auch die Zeit der 50er und frühen 60er Jahre von Bedeutung sein wird (Wiener Gruppe, Bachmann, Celan u.a.). Dem Projekt liegt die Annahme zugrunde, dass Innovativität nicht aus sich selbst heraus bestimmt werden kann, sondern immer nur im relationalen Verhältnis zu je zeitgleich existierenden ästhetischen Positionen zu ermitteln ist. Letztere definieren in ihrer Gesamtheit einen jeweils geltenden, historisch stark differierenden "Raum der Möglichkeiten", zu dem sich eine innovative Positionsnahme intentional oder nicht situiert, gegenüber dem sie sich profilieren muss, um ihrerseits anerkannt zu werden. Die Erarbeitung der relevanten ästhetisch-kulturellen Kontexte und ihre Korrelierung zu den jeweiligen Autorschaftspositionierungen sind daher ein integraler Bestandteil des Projekts. Die Besonderheit des Projekts besteht darin, die Frage nach kontextuellen und textuellen Spezifika der einzelnen Autoren füreinander fruchtbar zu machen. Die behandelten Prosatexte werden genauen close readings unterworfen, um eine möglichst präzise Beschreibung der ästhetischen Verfahrensweisen zu leisten; zugleich aber werden auch außertextuelle Formen autorschaftlicher posture`, wie öffentliche Auftritte, Präsenz in den Medien u.ä. und die Rekonstruktion des Feldkontexts zur Beantwortung der Frage herangezogen, was Kafka zu Kafka, Brecht zu Brecht und Jelinek zu Jelinek machte.

Ziel des Projekts war eine Rekonstruktion künstlerischer Erzeugungsformeln (Pierre Bourdieu) in der deutschsprachigen Prosaproduktion des 20. Jahrhunderts, wobei als methodische Hilfe Pierre Bourdieus Konzeption literarischer Felder diente. Im Mittelpunkt der Arbeit stand eine genaue Analyse der autorschaftlichen Positionierungen im jeweiligen Kontext des literarischen Feldes, welche die in den Positionierungen stattfindenden Distinktionen allererst wahrnehmbar werden lassen.Anfänglich als eine Studie mit gleichgewichtigen Teilen zu Kafka, Brecht und Jelinek begonnen, verlagerte sich der Arbeitsschwerpunkt bald auf das Werk Elfriede Jelineks (wobei der Korpus auch um zentrale Dramentexte erweitert wurde), da sich hier die größten Forschungsdesiderate zeigten und die komplexe Rekonstruktionsarbeit es zudem nötig machte, den Untersuchungsradius zu redimensionieren. Darüber hinaus waren die zutage tretenden Unterschiede zwischen den untersuchten Autoren so groß, dass es letztlich nicht gerechtfertigt schien, sie alle auf einen Nenner zu bringen.Bei allen drei Autoren zeigte es sich jedoch, dass sich das Verständnis sowohl der literarischen Texte als auch das der paratextuellen Stellungnahmen z.B. in Form von Interviews durch einen feldtheoretischen Blick entscheidend differenzieren und präzisieren lässt. Dies gilt nicht nur für Brecht und Jelinek, die sich extensiv auf die literarische Produktion ihrer Zeit einlassen, sie in ihr eigenes Schaffen aufnehmen, aber zugleich in Form einer doppelten Distinktion modifizieren; eine solche Feststellung gilt auch für Kafka, dessen Werk zentrale literarische Strömungen seiner Zeit neutralisiert und auf Distanz bringt.Da das Projekt ein Jahr früher beendet werden musste, sind die Forschungen gegenwärtig noch nicht ganz abgeschlossen. Die bisherigen Ergebnisse wurden und werden in Form mehrerer Aufsätze publiziert. Zu Jelinek befindet sich zudem gegenwärtig eine Monographie in Fertigstellung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel 'Der Realismus ist halt auch ein wahnsinniges Problem'. Zur 'tieferen' Bedeutung satirischen Schreibens bei Elfriede Jelinek.
    Typ Book Chapter
    Autor Boris Manner And Oswald Panagl (Eds.): Scherz
  • 2015
    Titel Mode als ästhetische Praxis. Zur poetologischen Relevanz von Kleider fragen bei Elfriede Gerstl und Elfriede Jelinek
    DOI 10.14361/9783839428191-007
    Typ Book Chapter
    Autor Degner U
    Verlag Transcript Verlag
    Seiten 97-116

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