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Die Geschichte der Philosophie im subsaharischen Afrika

The History of Philosophy in Sub-Saharan Africa

Anke Graneß (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/V348
  • Förderprogramm Elise Richter
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.2014
  • Projektende 31.03.2019
  • Bewilligungssumme 216.100 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (95%); Sprach- und Literaturwissenschaften (5%)

Keywords

    Philosophy, Cultural philosophy, History of philosophy, Africa, Intercultural philosophy, Culture

Abstract Endbericht

Ziel des Forschungsprojektes ist der Entwurf einer umfassenden "Geschichte der Philosophie im subsaharischen Afrika". Dabei erfolgt die Beschreibung der Entwicklung des philosophischen Denkens in Afrika von den verschieden Ursprüngen philosophischen Denkens in dieser Region bis heute auf der Basis einer intensiven Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen und der Funktion der Disziplin "Geschichte der Philosophie" im Allgemeinen und für Afrika und seine spezifischen Umstände im Besonderen. Das Schreiben einer Philosophiegeschichte steht in Afrika vor drei grundlegenden Herausforderungen: 1. In Teilen Afrikas war aufgrund einer vorherrschenden oralen Traditionsvermittlung die Schrift nicht das Medium der Bewahrung und Übermittlung von Konzepten. Philosophiegeschichtsschreibung, die in europäischer Tradition weitgehend auf Texten beruht, muss hier andere Wege gehen und das Verhältnis zwischen geschriebener und oraler Tradition kritisch mit reflektieren. 2. Die Kolonisation als fundamentaler Bruch in der Ideengeschichte Afrikas: Kolonisation geht immer einher mit der Zerstörung eigener Kultur, Institutionen und Traditionen (politische, religiöse, ethische, ideengeschichtliche etc.). Über die Auswirkungen und Konsequenzen von Sklaverei, Kolonisation und Rassismus kann beim Schreiben einer Geschichte der Philosophie in Afrika nicht hinweggesehen werden. Diese müssen als spezielle historische Erfahrung und integraler Bestandteil der Ideengeschichte Eingang finden. 3. Die Rekonstruktion vorkolonialer Denksysteme und philosophischer Konzepte ebenso wie das Beschreiben der gegenwärtigen Realität Afrikas erfolgte und erfolgt auf der Grundlage von Begriffen und Konzepten westlicher Sprachen und Denksysteme (épistémè). Die damit verbundenen Brüche müssen mit beleuchtet werden. Philosophiegeschichtsschreibung ist damit untrennbarer Bestandteil eines Prozesses "konzeptioneller Dekolonisation". Das Forschungsprojekt umfasst die folgenden Ziele: Rekonstruktion einer umfassenden Geschichte der Philosophie im subsaharischen Afrika vom Alten Ägypten bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts, unter besonderer Berücksichtigung der folgenden bisher weitgehend vernachlässigten Felder: die islamisch-arabische Philosophietradition im subsaharischen Afrika, die Philosophie im portugiesisch sprachigen Afrika, Theorien und Debatten des afrikanischen Feminismus. Ableitungen für ein interkulturelles Philosophieren und für die Lehrpläne philosophischer Institute werden das Projekt abschließen. Das Ergebnis des Forschungsprojekts soll in einer Habilitation an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Universität Wien münden und wird als Monographie (möglichst in deutscher und englischer Sprache) veröffentlicht.

Ziel des Forschungsprojektes war der Entwurf einer Geschichte der Philosophie im subsaharischen Afrika vom alten Ägypten bis ins 20. Jahrhundert. Aufgrund der Fülle des Materials ist nun eine umfassende Darstellung der Geschichte der Philosophie in Afrika bis zum 19. Jahrhundert entstanden. Diese beschreibt die philosophischen Traditionen im alten Ägypten, im alten Äthiopien, die Entwicklung der arabisch-islamischen Philosophie im subsaharischen Afrika, die Bedeutung der oralen Traditionen für die Philosophie und die kritische Auseinandersetzung mit der Erfahrung von Kolonialismus und Rassismus ab dem 18. Jahrhundert. Bei der Rekonstruktion der philosophischen Traditionen Afrikas wurde viel Wert gelegt auf die Auseinandersetzung mit methodischen Problemen einer Philosophiegeschichtsschreibung für Afrika. Denn das Schreiben einer Philosophiegeschichte steht in Afrika vor verschiedenen Herausforderungen. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit der Stellung des oralen Erbes im Rahmen einer Philosophiegeschichte, die im europäischen Verständnis weitgehend als textbasierte Wissenschaft verstanden wird. Dazu gehört aber ebenso die Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus, die zu einem fundamentalen Bruch in der Ideengeschichte Afrikas geführt haben aufgrund der Zerstörung ideengeschichtlicher Traditionen und der Verdrängung eigener Sprachen aus den Bildungssystemen. Eine solche Problemlage begegnet uns aber nicht nur in Afrika, sondern in vielen ehemals kolonisierten Regionen der Welt, u.a. in Lateinamerika. Insofern kann der nun ausgearbeitete methodische Teil als Propädeutik für eine globale Philosophiegeschichtsschreibung dienen. Darüber hinaus wurde Wert darauf gelegt, gezielt nach Spuren von Frauen, wie der Gelehrten Nana Asma'u (18. Jh.), in der Philosophiegeschichte Afrikas zu suchen und diese gezielt zu integrieren. Entstanden sind im Laufe des Projekts verschiedene Artikel und Buchkapitel, die sowohl die Ausschlussmechanismen in der Philosophiegeschichtsschreibung, die zu einer Marginalisierung Afrikas und anderer Regionen der Welt in der Philosophie geführt haben, thematisieren als auch Beiträge, die sich bestimmten Epochen, wie der Philosophie im alten Ägypten oder der Untersuchung des indigenen Konzepts des 'ubuntu', intensiv widmen. Die Publikation einer Monographie, die die Geschichte der Philosophie in Afrika bis zum 19. Jahrhundert beschreibt, ist in Vorbereitung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 140 Zitationen
  • 28 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel African Philosophy and the Epistemic Marginalization of Women
    DOI 10.4324/9781351120104
    Typ Book
    editors Chimakonam J, du Toit L
    Verlag Taylor & Francis
  • 2018
    Titel Die Macht des Bildes
    DOI 10.1007/978-3-658-22827-9_19
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 339-361
  • 2018
    Titel Bildtheorie und Interkulturalität
    DOI 10.1007/978-3-658-22827-9_1
    Typ Book Chapter
    Autor Seitz S
    Verlag Springer Nature
    Seiten 1-18
  • 2018
    Titel QUESTIONS OF CANON FORMATION IN PHILOSOPHY: THE HISTORY OF PHILOSOPHY IN AFRICA
    DOI 10.25159/2413-3086/3819
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Phronimon
    Seiten 78-96
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Ubuntu and the concept of cosmopolitanism
    DOI 10.1515/humaff-2018-0032
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Human Affairs
    Seiten 395-405
    Link Publikation
  • 2019
    Titel UBUNTU AND BUEN VIVIR:; In: Ubuntu and the Reconstitution of Community
    DOI 10.2307/j.ctvh4zgdk.11
    Typ Book Chapter
    Verlag Indiana University Press
  • 2019
    Titel Heinz Kimmerle’s intercultural philosophy and the quest for epistemic justice
    DOI 10.4102/td.v15i1.554
    Typ Journal Article
    Autor Schepen R
    Journal The Journal for Transdisciplinary Research in Southern Africa
    Seiten 7
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Feministische Theorie aus Asien, Afrika und Lateinamerika
    Typ Book
    Autor Graneß
    Verlag UTB
  • 2019
    Titel How Should We Teach the History of Philosophy Today?,; In: Philosophy on the border: Decoloniality and the Shudder of the Origin
    Typ Book Chapter
    Autor Graness
    Verlag UKZN Press
    Seiten 20
  • 2019
    Titel How do We Teach Feminist Theories Today? A Conversation
    DOI 10.1177/0141778919847397
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Feminist Review
    Seiten 158-166
  • 2018
    Titel Intercultural Wisdom Research; In: Odera Oruka in the Twenty-first Century: Proceedings of the H. Odera Oruka International Symposium 2013
    Typ Book Chapter
    Autor Graness
    Verlag The Council for Research in Values and Philosophy
    Seiten 20
  • 2018
    Titel Becoming a Person: Personhood and its Preconditions; In: Ubuntu and Personhood
    Typ Book Chapter
    Autor Graness
    Verlag African World Press
    Seiten 20
  • 2018
    Titel Konzepte und Modelle der Philosophiegeschichte in Afrika heute; In: Philosophiegeschichtsschreibung in globaler Perspektive
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß
    Verlag Felix Meiner Verlag
    Seiten 28
  • 2018
    Titel Feminismus-Kritik aus Afrika: Nkiru Nzegwu; In: Lernen, Mensch zu sein: Beiträge des 2. Symposiums der SWIP Austria
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß
    Verlag Lit-Verlag
    Seiten 34
  • 2018
    Titel Afrikanische Feministische Perspektiven auf den Menschenrechtsdiskurs: Der ethnologische Blick und seine Konsequenzen; In: Menschenrechte und Geschlecht im 20. Jahrhundert: Historische Studien
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß
    Verlag Wallstein Verlag
    Seiten 20
  • 2018
    Titel Ecofeminism in Africa; In: African Philosophy and the Epistemic Marginalization of Women
    DOI 10.4324/9781351120104-13
    Typ Book Chapter
    Verlag Routledge
  • 2016
    Titel Interkulturelle Weisheitsforschung; In: Orte des Denkens / Places of Thinking
    Typ Book Chapter
    Autor Graness
    Verlag Verlag Karl Alber
    Seiten 24
  • 2015
    Titel Interview with Professor Severino Elias Ngoenha, Pedagogical University in Maputo, Mozambique (March 2015)
    DOI 10.5840/philafricana20151713
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Philosophia Africana
    Seiten 27-31
  • 2015
    Titel Introduction
    DOI 10.5840/philafricana20151711
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Philosophia Africana
    Seiten 1-9
  • 2015
    Titel Ubuntu: Curating the Archive
    DOI 10.1080/02580136.2015.1010134
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal South African Journal of Philosophy
    Seiten 143-147
  • 2015
    Titel Die Geschichte der Philosophie und Afrika. Zur Marginalisierung von Traditionen; In: Neuere Aspekte in der Philosophie: aktuelle Projekte von Philosophinnen am Forschungsstandort Österreich
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß
    Verlag Axia Academic Publishers
    Seiten 25
  • 2015
    Titel Is the debate on ‘global justice’ a global one? Some considerations in view of modern philosophy in Africa
    DOI 10.1080/17449626.2015.1010014
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Journal of Global Ethics
    Seiten 126-140
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Philosophy in Portuguese-Speaking Africa
    DOI 10.1057/978-1-137-59291-0_12
    Typ Book Chapter
    Autor Graness A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 167-179
  • 2017
    Titel Concepts of Justice in Africa: Past and Present
    DOI 10.1007/978-3-319-40796-8_21
    Typ Book Chapter
    Autor Graness A
    Verlag Springer Nature
    Seiten 305-331
  • 2015
    Titel Writing the history of philosophy in Africa: where to begin?
    DOI 10.1080/13696815.2015.1053799
    Typ Journal Article
    Autor Graness A
    Journal Journal of African Cultural Studies
    Seiten 132-146
    Link Publikation
  • 2017
    Titel 'Decolonizing the mind': Zur politischen Bedeutung der Übersetzung im afrikanischen Kontext; In: Über-Setzen: Sprachenvielfalt und interkulturelle Hermeneutik
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß
    Verlag Verlag Karl Alber
    Seiten 21
  • 2017
    Titel Der Kampf um den Anfang: Beginnt die Philosophie im Alten Ägypten?
    Typ Journal Article
    Autor Graneß
    Journal Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren
    Seiten 41-62
  • 2016
    Titel Der Ubuntu-Diskurs in Südafrika und sein Beitrag zur Gerechtigkeitsdebatte
    DOI 10.5771/9783845277905-143
    Typ Book Chapter
    Autor Graneß A
    Verlag Nomos Verlag
    Seiten 143-167

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