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Alltag und Verfolgungserfahrungen "halbjüdischer" Frauen und Männer in Wien, 1938-45

Everyday life and persecution of "half-Jewish" women and men in Vienna, 1938-1945

Michaela Raggam-Blesch (ORCID: 0000-0002-7476-5220)
  • Grant-DOI 10.55776/V568
  • Bewilligungs­summe Elise Richter
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.07.2017
  • Projektende 31.08.2020
  • Bewilligungs­summe 163.989 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (80%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)

Keywords

  • Jewish History,
  • Half-Jews,
  • Holocoust,
  • Gender,
  • Vienna,
  • Oral history
Abstract Zusammenfassung

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stehen Frauen und Männer halbjüdischer Herkunft zur Zeit des NS-Regimes in Wien, deren schiere Existenz die nationalsozialistische Rassenideologie permanent hinterfragte und als ungelöstes Problem vor allem im Zusammenhang mit der so genannten Endlösung der Judenfrage eine zentrale Rolle spielte. Mit den Nürnberger Gesetzen wurden Menschen mit einem jüdischen und einem nichtjüdischen Elternteil je nach Religionszugehörigkeit als so genannte Mischlinge ersten Grades oder als Geltungsjuden definiert. Sie galten weder als arisch noch als jüdisch und verkörperten damit einen Zwischenstatus, der sich auch auf die Identität der Betroffenen auswirkte. Personen, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten, galten trotz ihrer halbjüdischen Herkunft als jüdisch (Geltungsjuden) und wurden denselben diskriminierenden Bestimmungen wie die restliche jüdische Bevölkerung unterworfen. Die Tatsache, dass letztendlich auf konfessionelle Kriterien zurückgegriffen werden musste,um rassenideologische Prämissen festmachen zu können, unterstreicht die immanenten Widersprüchlichkeiten nationalsozialistischer Ideologie. Im Zusammenhang mit dem Forschungsvorhaben wird augenfällig, dass kaum Forschungen für den österreichischen Kontext vorliegen, obwohl in Wien nach Berlin die meisten der als Mischlinge und Geltungsjuden definierten Menschen innerhalb des Deutschen Reiches lebten. Da es umfangreiche, nicht ausgewertete Quellenbestände zu diesem Thema gibt, handelt es sich hierbei um eine evidente Forschungslücke. Das geplante Projekt nimmt zugleich Bezug auf internationale theoretische Debatten zur NS-Forschung, in denen der lokale Kontext und die Handlungsspielräume von Akteurinnen und Akteuren im Zentrum stehen. In Anlehnung an Saul Friedländers Konzept der integrierten Geschichte werden im Projekt auch lebensgeschichtliche Perspektiven im Vordergrund stehen, in denen die Verfolgten als Individuen ernst genommen werden und ihre Perspektiven ebenso Raum erhalten wie das Handeln der Täter. Gerade Lebenszeugnisse und Interviews geben Auskunft über widerständiges Verhalten und Akte der Selbstbehauptung, die in den Täterquellen keinen Niederschlag gefunden haben. Darüber hinaus vermitteln sie einen Einblick in individuelle Bewältigungsstrategien angesichts der wachsenden Bedrohung durch das NS-Regime. Neben Aspekten der identitären Selbstverortung interessieren Fragen nach gesellschaftlicher Inklusion und Exklusion, Gruppensolidaritäten und Gender Aspekten. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Zeit des NS-Regimes in Österreich, wobei auch der lebensgeschichtliche Kontext der Nachkriegszeit in den Blick genommen werden soll.

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts standen "Mischehefamilien" mit ihren "halbjüdischen" Nachkommen, deren schiere Existenz von der nationalsozialistischen Rassenideologie permanent hinterfragt wurde und als "ungelöstes Problem" vor allem im Zusammenhang mit der so genannten "Endlösung der Judenfrage" eine zentrale Rolle spielte. Mit den Nürnberger Gesetzen wurden Menschen mit einem jüdischen und einem nichtjüdischen Elternteil - je nach Religionszugehörigkeit - als so genannte "Mischlinge ersten Grades" oder als "Geltungsjuden" definiert. Sie galten weder als "arisch" noch als jüdisch und verkörperten damit einen Zwischenstatus, der sich auch auf die Identität der Betroffenen auswirkte. Personen, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten, galten trotz ihrer "halbjüdischen" Herkunft als jüdisch ("Geltungsjuden") und wurden denselben diskriminierenden Bestimmungen wie die restliche jüdische Bevölkerung unterworfen. Die Tatsache, dass letztendlich auf konfessionelle Kriterien zurückgegriffen werden musste, um rassenideologische Prämissen festmachen zu können, unterstreicht die immanenten Widersprüchlichkeiten nationalsozialistischer Ideologie. In der frühen Holocaustforschung wurde die Verfolgung von "Mischehen" und ihren "halbjüdischen" Nachkommen als marginal betrachtet. Erst in den späten 1980er Jahren erlangte ihr Schicksal mehr Aufmerksamkeit. Die Situation von "Mischehefamilien" im österreichischen Kontext war hingegen lange Zeit ein Forschungsdesiderat. Dieses Projekt, das durch dieses Förderprogramm ermöglicht wurde, wirft daher ein Licht auf ein weitgehend unerforschtes Thema. Mit seinem mikrohistorischen Ansatz positioniert es sich im Kontext internationaler theoretischer Debatten zur NS-Forschung, in denen der lokale Kontext und die Handlungsspielräume von Akteurinnen und Akteuren im Zentrum stehen. In Anlehnung an Saul Friedländers Konzept der integrierten Geschichte stehen lebensgeschichtliche Perspektiven im Vordergrund, in denen die Verfolgten als Individuen ernst genommen werden und ihre Perspektiven ebenso Raum erhalten wie das Handeln der Täter. Gerade Lebenszeugnisse und Interviews geben Auskunft über widerständiges Verhalten und Akte der Selbstbehauptung, die in den "Täterquellen" keinen Niederschlag gefunden haben. Darüber hinaus vermitteln sie einen Einblick in individuelle Bewältigungsstrategien angesichts der wachsenden Bedrohung durch das NS-Regime. Neben Aspekten der identitären Selbstverortung wurde auch Fragen nach gesellschaftlicher Inklusion und Exklusion, Gruppensolidaritäten und Gender Aspekten nachgegangen. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Zeit des NS-Regimes in Österreich, wobei auch der lebensgeschichtliche Kontext der Nachkriegszeit in den Blick genommen wurde. Während sich dieses Projekt anfangs hauptsächlich auf "halbjüdische" Nachkommen von "Mischehen" konzentrierte, wurden im Verlauf des Projekts die Bedeutung des gesamten Familiensystems und die gegenseitigen Abhängigkeiten im Kampf ums Überleben deutlich. Im Kontext dieses Forschungsprojektes wurden daher auch "Mischehen" in die Analyse miteinbezogen. NUR DIE ENGLISCHE VERSION FÜR DIE VERÖFFENTLICHUNG AUF DER FWF HOMEPAGE VERWENDEN / KEINE FREIGABE FÜR DIE DEUTSCHE VERSION

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Geraldien Von Frijtag Drabbe Künzel, Universiteit Utrecht - Niederlande
  • Frank Mecklenburg, Leo Baeck Institut - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 1 Zitationen
  • 14 Publikationen
  • 27 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen

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