Zum offenen Umgang mit Daten in den computergestützten Sozialwissenschaften
Open data practices in computational social sciences
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (100%)
Keywords
-
Open Research Data,
Politics Of Method,
Computational Social Sciences,
Social Studies Of Social Sciences,
Big Data,
Critical Data Studies
Der offene Zugang zu Forschungsdaten verspricht weit mehr als Transparenz und Teilhabe am Forschungsprozess. Die bessere Nachnutzbarkeit der Daten soll nicht nur die Produktivität des Wissenschaftssystems steigern. Die Wissenschaftspolitik verbindet damit die Möglichkeit einer effektiveren Kommerzialisierung und enormes Innovationspotential. In der Wissenschaft werden jedoch häufig Bedenken geäußert. Der offenen Zugänglichkeit der eigenen Daten steht man oftmals skeptisch gegenüber. So besteht etwa die Angst, dass man durch andere übervorteilt und damit die eigene Karriere gefährdet wird. Oder man fürchtet eine nicht angemessene oder unethische Nutzung des wissenschaftlichen Wissens. Das Forschungsprojekt setzt bei den unterschiedlichen Zuschreibungen und Erwartungen an Offenheit an. Der Fokus auf die Sozialwissenschaften erlaubt die Auseinandersetzung mit Offenheit im Kontext von rasanter Digitalisierung und neuartigen Datenformen, wie z.B. von Sozialen Medien, auf Ebene der Forschungspraxis. Was bedeutet Offenheit in Bezug auf unsere Datenspuren, die wir täglich im Netz hinterlassen? Wie wird mit diesen Daten Sozialforschung betrieben? Welchen ethischen Prinzipien folgen ForscherInnen? Welche Daten aus öffentlichen Archiven stehen den ForscherInnen zur Verfügung, und was machen sie damit? Wie öffnen sie ihre eigenen Forschungsdaten für die weitere Nutzung, oder gar für die Beforschten? Inwieweit können partizipative Ansätze neue Offenheit im Forschungsprozess ermöglichen? All diese Fragen leiten die Untersuchung des transformativen Potentials von offenen Forschungsdaten in den computergestützten Sozialwissenschaften an um schließlich zu diskutieren, welche Handlungsspielräume WissenschaftlerInnen haben, die von ihnen mitgeschaffenen Realitäten reflexiv zu thematisieren und neu zu gestalten. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft, orientiert sich das Habilitationsprojekt an Ansätzen aus den Bereichen der critical data studies und der Wissenschafts- und Technikforschung. Auf der Basis von ethnographischen Fallstudien, Interviews, Gruppendiskussionen und Datenworkshops werden die von den ForscherInnen aufgezeigten Gestaltungsspielräume analysiert und aufgearbeitet. Ziel dieser Herangehensweise ist es, ein möglichst breites Verständnis von offenen Forschungsdaten und der damit verbundenen Forschungspraxis in den Sozialwissenschaften zu generieren und aufzuzeigen, welches Potential offene sozialwissenschaftlichen Datenpraktiken haben uns inmitten von Big Data und Algorithmen-getriebenen Entscheidungsprozessen zu unterstützen. Die Ergebnisse des Projekts werden sowohl in wissenschaftspolitische als auch in forschungsethische Diskurse eingebracht und sollen dazu beitragen den kritischen Umgang mit Offenheit in den computergestützten Sozialwissenschaften zu stärken.
- Universität Wien - 100%
- Jürgen Pfeffer, TU München - Deutschland
- Judith Simon, Universität Hamburg - Deutschland
- Markus Strohmaier, Universität Mannheim - Deutschland
- Stefania Milan, Universiteit van Amsterdam - Niederlande
- Maarten Derksen, University of Groningen - Niederlande
- Sophie Mützel, Universität Luzern - Schweiz
- Evelyn Ruppert, Goldsmiths University of London - Vereinigtes Königreich