Einkommen, Management und ökonomisches Denken
Income, Management and Economic Thinking
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (60%); Soziologie (10%); Wirtschaftswissenschaften (30%)
Keywords
-
Entrepreneurship,
Eighteenth Century,
Nobility and Elites,
Habsburg Monarchy,
Social and Economic History
Barocke Schlossbauten, repräsentativer Luxuskonsum und Verschwendungssucht sind gängige Attribute, die die Geschichtsschreibung dem Adel als herrschende Schicht in der frühen Neuzeit attestiert. Die Forschungslandschaft zu adeligen Eliten in der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts ist nach wie vor weitgehend von diesen Themen geprägt. Dieses Projekt hingegen versucht, den Adel nicht ausgabenseitig, sondern einnahmeseitig zu erforschen. Es geht davon aus, dass die Aristokratie der Habsburgermonarchie seinen repräsentativen Konsum und Lebensstil als soziales Distinktionsmerkmal finanzieren musste und dabei Strategien des erfolgreichen Wirtschaftens und der wirtschaftlichen Entwicklung entfaltete. Die Wirtschaftskraft des Adels wird dabei als integrativer Bestandteil des wirtschaftlichen Wachstums der Habsburgermonarchie verstanden. Anhand der Analysekriterien von Joseph A. Schumpeter zu prekapitalistischem Unternehmertum werden drei Fragestellungen erörtert. Erstens wird die Struktur und Zusammensetzung adeliger Einkommen untersucht, wobei Einkommen aus protoindustriellen Manufakturen, Bergbau- und Hüttenwesen, Krediten, Bankenbeteiligungen, Handelsgesellschaften und öffentlichen Ämtern ebenso berücksichtigt werden wie aus der Grundherrschaft. Zweitens sollen erfolgreiche Strategien von Management, Innovationsförderung und Personalwesen bei der Bewirtschaftung der Güter, der Leitung von protoindustriellen Unternehmen und anderer Investitionen erforscht werden. Schließlich sollen drittens der wirtschaftstheoretische Hintergrund und die einschlägige Ausbildung von Adeligen sowie ihre Mitgliedschaft in gelehrten Gesellschaften im Zentrum des Interesses stehen. Das Projekt ist als qualitative Studie angelegt und möchte anhand von fünf ausgesuchten Familien aus unterschiedlichen Territorien der Habsburgermonarchie adeliges Unternehmertum erforschen. Die Familien Schwarzenberg und Harrach repräsentieren die wirtschaftlich starken und früh industrialisierten Österreichisch-Böhmischen Kernlande der Habsburgermonarchie. Die Familien Arenberg und Merode decken die Österreichischen Niederlande ab, eine ebenso wirtschaftlich fortschrittliche Provinz weit weg von Wien. Die Familie Goss aus Kärnten kam aus einem Raum, der vor allem von der Montanindustrie lebte. Die fünf Familienarchive werden im Hinblick auf Hauptkassabücher,wirtschaftliche Korrespondenzen,Instruktionen und Egodokumente wie Reisetagebücher und Privatkorrespondenzen untersucht. Innovative Ergebnisse sind vordergründig in zwei Bereichen zu erwarten. Zum einen wird die Studie die Aristokratie der Habsburgermonarchie neu bewerten und neue Erkenntnisse zu adeligem Wirtschaften und zur interanationalen Vernetzung von Adeligen liefern. Zum anderen werden die Ergebnisse das Wissen über die Wirtschaftskraft der Habsburgermonarchie als wichtigstem wirtschaftlichem Bindeglied zwischen West und Ost profilieren und ihr Bild im Hinblick auf Innovationen und Vernetzung schärfen.
- Universität Klagenfurt - 100%
- Klaas Van Gelder, Vrije Universiteit Brussel - Belgien
- Klaus Weber, Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder) - Deutschland
- Kim Siebenhüner, Friedrich Schiller Universität Jena - Deutschland
- Heinrich Lang, Otto-Friedrich Universität Bamberg - Deutschland
- Monika Wienfort, Universität Potsdam - Deutschland
- Beverly Lemire, University of Alberta - Kanada