LANGTI (Sprachkompetenz beim Übersetzen und Dolmetschen)
LANGTI (Languages for Translation and Interpreting)
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Translation,
Interpreting,
Language Learning,
Translation Oriented Language Training,
Translation Oriented Language Learning,
Language Competence
Es liegt auf der Hand, dass exzellente fremdsprachliche Kompetenz ein absolutes Muss für professionelles Übersetzen und Dolmetschen ist. Es mag trotzdem viele überraschen, dass in der Translationswissenschaft, also der Disziplin, die das Übersetzen und Dolmetschen erforscht, Sprachkompetenz nicht zu den zentralen Forschungsthemen gehört, obwohl Module zum Erlernen von Fremdsprachen einen beträchtlichen Teil vieler Studiengänge für Übersetzen und Dolmetschen ausmachen. In diesen Modulen werden auch heutzutage häufig allgemeine Sprachlehrmethoden eingesetzt, bei denen nicht berücksichtigt wird, dass die Studierenden in ihrer späteren Tätigkeit zwischen Kommunikationspartnern mit verschiedenen Sprachen und aus unterschiedlichen Kulturen vermitteln werden. Das vorliegende Projekt wurde mit dem Ziel konzipiert, in der Translationswissenschaft das Interesse für Sprachkompetenz und ihren Erwerb zu stärken. Den Ausgangspunkt für die Forschung bilden Modelle der Übersetzungs- und Dolmetschkompetenz, aber auch Erkenntnisse aus der Sprachlehr- und -lernforschung, insbesondere Kompetenzmodelle, Sprachlernstrategien und Translanguaging. In einem ersten Schritt soll die derzeitige Situation an den Ausbildungsstätten analysiert werden. Dafür soll die Sichtweise von Lehrenden und Studierenden eingeholt werden und letztere sollen befragt werden, ob die Sprachlehrmodule sie angemessen auf das Übersetzen und Dolmetschen vorbereiten. Des Weiteren sollen die in den Studienplänen festgelegten Vorgaben zu Unterrichtsinhalten und -methoden analysiert werden. In einem zweiten Schritt werden professionelle Übersetzer und Dolmetscher, die im Rahmen ihrer Tätigkeit eine neue Fremdsprache erlernt haben, befragt, wie sie dabei vorgegangen sind. In einem dritten Schritt wird ein Modell einer übersetzungs- und dolmetschsorientierten Sprachkompetenz entwickelt. Zuletzt sollen Leitlinien aufgestellt werden, mithilfe derer die Ausbildungsstätten die Sprachlehrmodule in ihren Studienprogrammen besser an den Bedürfnissen von zukünftigen Übersetzern und Dolmetschern ausrichten können. Die Erforschung dieser Fragen wird anhand von Interviews und Fragebögen unter Studierenden, Lehrenden und professionellen Übersetzern und Dolmetscher erfolgen. Darüber hinaus wird mithilfe von verschiedenen Sprachaufgaben festgestellt, inwiefern sich die Sprachkompetenz bei Studierenden aus Studiengängen zum Übersetzen und Dolmetschen und Studierenden aus anderen Studiengängen, die ein vergleichbares Sprachniveau nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen aufweisen, unterscheidet.
Übersetzen und Dolmetschen erfordern eine spezifische Sprachkompetenz, die sich von der kommunikativen Kompetenz, wie sie im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen beschrieben wird, unterscheidet. Für Übersetzen und Dolmetschen ist ein präzises und detailliertes Verständnis in der Sprachrezeption und eine korrekte und genaue Ausdrucksweise in der Sprachproduktion vonnöten. Bis vor kurzem wurde jedoch innerhalb der Translationswissenschaft die Entwicklung von Sprachkompetenz nur am Rande behandelt. Das Projekt LANGTI wurde mit dem Ziel konzipiert, diese Forschungslücke zu schließen und TILLT (Translation and Interpreting-oriented Language Learning and Teaching) größere Aufmerksamkeit innerhalb der Translationswissenschaft zu verschaffen. Es umfasst fünf Hauptziele, wobei die späteren Phasen auf den Erkenntnissen ersterer aufbauen. Das erste Ziel bestand darin, vorliegende TILLT-Forschungsergebnisse aufzuarbeiten. Die zusammengetragenen Texte wurden nach Veröffentlichungszeitraum und Thema gruppiert und umfassend beschrieben und analysiert. Die Erkenntnisse dieser Phase zeigen auch, dass das Forschungsprisma durch die Integration von Erkenntnissen aus verwandten Disziplinen erweitert werden muss. Das zweite Ziel was daher die Entwicklung eines interdisziplinären Rahmens mit den folgenden sechs Disziplinen: Sprachdidaktik und Sprachenlernen, Übersetzungswissenschaft, Kompetenzforschung, Lernpsychologie, Soziologie und Hochschulbildung. Das dritte Ziel ist dem Status quo von TILLT an Universitäten gewidmet. Zu diesem Zweck wurde die Perspektive der drei Hauptakteure, d. h. der Institutionen, Lehrenden und Studierenden, analysiert. Die institutionelle Perspektive wurde durch eine Curriculumsanalyse untersucht, während die Perspektiven der Lehrenden und Studierenden durch Fragebögen erhoben wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lehrpläne die spezifischen sprachlichen Bedürfnisse angemessen widerspiegeln; der Unterricht folgt jedoch oft allgemeinen Ansätzen und integriert spezifische Ziele eher in späteren Phasen, wenn überhaupt. Die Studierenden schlugen retrospektiv vor, mehr Elemente, die auf das spätere Übersetzen und Dolmetschen vorbereiten, in die Sprachausbildung zu integrieren. Die universitäre Perspektive wurde durch die Ergebnisse einer Interviewstudie mit Personen, die professionell übersetzen und dolmetschen, ergänzt und verglichen. Diese wurden gefragt, wie sie eine neue Sprache für berufliche Zwecke lernen. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Fachleute ihr Sprachenlernen auf die künftige Verwendung ausrichten und sich dabei auf bestimmte Fertigkeiten oder Themen konzentrieren. In einer weiteren Studie wurden Studierende verschiedener Jahrgänge und aus verschiedenen Ländern zu ihren Sprachlernzielen, Präferenzen und Einstellungen befragt, die dann mit den Ansichten aus der Literatur und den Ergebnissen aus früheren Studien verglichen wurden. Abgerundet wurde das Projekt durch eine Coaching-Studie, in der zwei Studierende des BA- und MA-Studiengangs Übersetzen und Dolmetschen beim Erlernen einer Fremdsprache begleitet wurden, wobei die Entwicklung ihrer Sprachkompetenz und Lernautonomie untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass Lernwege sehr individuell sind, deuten aber darauf hin, dass der Grad an Autonomie und das Bewusstsein für spezifische sprachliche Bedürfnisse in späteren Phasen des Studiums stärker ausgeprägt sind. Ein weiteres interessantes Ergebnis ist der starke Einfluss von Emotionen auf die Motivation und Ausdauer beim Lernen.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 11 Publikationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2025
Titel Profiling TILLT (Translation and Interpreting-Oriented Language Learning and Teaching) Teacher Specialised Skills; In: Zukunftsperspektiven in der Translationswissenschaft Typ Book Chapter Autor Koletnik M. Verlag Innsbruck University Press Seiten 417-446 -
2025
Titel Translation students' use of generative AI-driven tools for language learning and translation; In: Der Einfluss neuer Technologien auf die Ausbildung von Translatoren / The influence of new technologies on translator and interpreter education Typ Book Chapter Autor Ureel Verlag Peter Lang Link Publikation -
2025
Titel ChatGPT als Tutor und Korrekturwerkzeug in der translationsorientierten Sprachausbildung (TILLT); In: Der Einfluss neuer Technologien auf die Ausbildung von Translatoren / The influence of new technologies on translator and interpreter education Typ Book Chapter Autor Carpentieri S. Verlag Peter Lang Link Publikation -
2024
Titel Un modelo de autoaprendizaje de lenguas para la traduccin e interpretacin; In: La traduccin y la interpretacin desde y hacia Europa Typ Book Chapter Autor Schmidhofer A. Verlag Comares Seiten 333-341 Link Publikation -
2024
Titel Navigating linguistic contrastivity in additional language teaching for translation and interpreting; In: : Innovacin metodolgica en educacin superior: enseñanza de lenguas y traduccin/ Methodological innovation in higher education: language teaching and translation Typ Book Chapter Autor Cerezo Herrero E. Verlag Tirant lo Blanch Seiten 121-145 -
2024
Titel enseñanza de lenguas extranjeras en las carreras de traduccin e interpretacin: la visin del profesorado DOI 10.24310/redit.18.2024.19308 Typ Journal Article Autor Schmidhofer A Journal redit - Revista Electrónica de Didáctica de la Traducción y la Interpretación -
2024
Titel Language Competence and Language Mediation Competence in Translation Studies and Language Teaching Sprach- und Sprachmittlungskompetenz in Translationswissenschaft und Sprachdidaktik DOI 10.17951/lsmll.2024.48.4.111-121 Typ Journal Article Autor Schmidhofer A Journal Lublin Studies in Modern Languages and Literature -
2023
Titel Advantages of cognitive linguistics in the teaching and learning of foreign languages in TI programmes; In: Instrumentalising Foreign Language Pedagogy in Translator and Interpreter Training - Methods, Goals and Perspectives DOI 10.1075/btl.161.02rec Typ Book Chapter Verlag John Benjamins Publishing Company -
2022
Titel Integrating Mediation and Translanguaging into TI-Oriented Language Learning and Teaching (TILLT) Integration von Mediation und Translanguaging in TI-orientiertes Sprachenlernen und -lehren (TILLT) DOI 10.17951/lsmll.2022.46.2.99-109 Typ Journal Article Autor Herrero E Journal Lublin Studies in Modern Languages and Literature -
2022
Titel Translation and Interpreting-Oriented Language Learning and Teaching (TILLT): Where Do We Stand? DOI 10.30827/sendebar.v33.23654 Typ Journal Article Autor Schmidhofer A Journal Sendebar -
0
Titel Sprachkompetenz und AVT. Eine Analyse aus sprach- und translationsdidaktischer Sicht; In: Bild - Ton - Sprachtransfer Typ Book Chapter Autor Schmidhofer A. Verlag Frank&Timme