Kognitive Anpassung bei werkzeuggebrauchenden Vögeln
Cognitive adaptations in tool-using birds
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Tool-use,
New Caledonian Crows,
Cognitive adaptations,
Evolution of cognition,
Darwin's finches
Eine zentrale Frage in der vergleichenden Verhaltensforschung ist, welche Umwelt- und Sozialfaktoren zur Evolution von Intelligenz bei Menschen und Tieren beigetragen haben. Neueste Forschungen zeigen, dass einige Vogelarten in der Werkzeugherstellung, in mentalen Zeitreisen und sozialer Kognition ähnliche Fähigkeiten wie Primaten besitzen, obwohl sie keine vergleichbaren Gehirnstrukturen aufweisen. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich diese Fähigkeiten bei Vögeln und Primaten unabhängig voneinander entwickelt haben. Diese Erkenntnisse haben eine intensive wissenschaftliche Debatte darüber ausgelöst, welche Selektionsdrücke zu dieser parallelen Entwicklung geführt haben könnten. Werkzeuggebrauch wurde in einigen Vogel- und Primatenarten beobachtet und nimmt eine wichtige Rolle in dieser Diskussion ein. Es gibt verschiedene Szenarien, welche Rolle Werkzeuggebrauch in der Evolution von Intelligenz gespielt haben könnte. Einerseits könnten Verhaltensinnovationen, rasches Lernen durch Versuch und Irrtum sowie die Fähigkeit, räumliche und kausale Zusammenhänge zu verstehen, Vorbedingungen für die Entwicklung von Werkzeuggebrauch gewesen sein. Andererseits könnte der Selektionsdruck, diese wichtige Fähigkeit zu verbessern, zur weiteren Evolution von Intelligenz in Arten, die Werkzeuggebrauch bereits zeigen, beigetragen haben. Die Hypothese, dass Werkzeuggebrauch sich in Zusammenhang mit verbesserten kognitiven Fähigkeiten entwickelt hat, kann allerdings nur mit einem vergleichenden Ansatz überprüft werden. Dieser Ansatz sollte einerseits einen Vergleich zwischen nicht (oder entfernt) verwandten werkzeuggebrauchenden Arten beinhalten, um zu überprüfen, ob sich deren kognitive Fähigkeiten in ähnlicher Weise entwickelt haben. Andererseits sollte man werkzeuggebrauchende Arten mit nahe verwandten Arten, die keine Werkzeuge verwenden, vergleichen, um zu untersuchen, ob die werkzeuggebrauchenden Arten vergleichsweise bessere oder andere kognitive Fähigkeiten besitzen. Beides sind Ziele dieser Studie. Ich werde zwei entfernt verwandte werkzeuggebrauchende Vogelarten, den Spechtfink und die Neu-Kaledonische Krähe, in einer Serie von Experimenten testen. Falls sich Werkzeuggebrauch in Co-Evolution mit bestimmten kognitiven Fähigkeiten entwickelt hat, sollten sich die kognitivien Fähigkeiten beider Arten in ähnlicher Weise entwickelt haben und ihre Leistungen in den Experimenten ähnlich sein. Außerdem werde ich die Leistung der beiden werkzeuggebrauchenden Arten mit denen von nicht-werkzeuggebrauchenden verwandten Arten (dem Kleinen Baumfinken und der Saatkrähe) in derselben experimentellen Serie vergleichen. Falls sich Werkzeuggebrauch in Zusammenhang mit verbesserten kognitiven Fähigkeiten entwickelt hat, sollten die beiden werkzeuggebrauchenden Arten in den Experimenten besser abschneiden als ihre nicht-werkzeuggebrauchenden Verwandten. Der Vergleich der beiden Familien ermöglicht mir zu überprüfen, ob sich die Divergenzmuster in den beiden Familien gleichen. Diese experimentelle Studie soll den Grundstein für weitere vergleichende Studien mit anderen werkzeuggebrauchenden Taxa (z.B. Primaten) legen.
- Universität Wien - 100%
- Bart W. Kempenaers, Max-Planck-Institut - Deutschland
- Ronald Noe, Universite Louis Pasteur de Strasbourg - Frankreich
- Alex Kacelnik, University of Oxford - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 61 Zitationen
- 1 Publikationen
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2013
Titel Did tool-use evolve with enhanced physical cognitive abilities? DOI 10.1098/rstb.2012.0418 Typ Journal Article Autor Teschke I Journal Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences Seiten 20120418 Link Publikation