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Frühmittelalterliche Geschichte und Kultur

Early Medieval History and Culture

Walter Pohl (ORCID: 0000-0002-6885-2248)
  • Grant-DOI 10.55776/Z91
  • Förderprogramm FWF-Wittgenstein-Preis
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2005
  • Projektende 30.09.2011
  • Bewilligungssumme 1.500.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)

Keywords

    Early middle ages, Ethnicity, Medieval culture, Identity, Late Antiquity, Historiography

Abstract Endbericht

Wie entstanden im frühen Mittelalter die europäischen Völker? Wenige historische Probleme haben im 19. und 20. Jahrhundert so weit reichende ideologische Folgen gehabt. Dass ethnische Identitäten keine Frage des Blutes, sondern Ergebnis historischer Prozesse sind, wurde erst langsam deutlich. Die Forschung muss sich folglich auf mehreren Ebenen bewegen. Natürlich beschäftigt sie sich mit dem Hervortreten ethnischer Gruppen wie Franken, Angelsachsen oder Slawen und mit den frühmittelalterlichen Wahrnehmungen dieser neuen Identitäten. Zugleich geht es um eine lange Geschichte der Suche nach den Ursprüngen und der Identifikation mit Völkern der Vergangenheit, bis hin zu moderner Geschichtsforschung und Ideologie. Um die Funktion solcher ethnischer Erinnerungen zu verstehen, gilt es auch zu analysieren, wie ethnische Identitäten insgesamt so wichtig für die politische Landschaft Europas werden konnten, anders als in anderen Kulturen (zum Beispiel in der islamischen Welt). Die Untersuchung vergangener Identitäten kann der Erforschung moderner Nationsbildung Tiefenschärfe verleihen und den Zusammenhang zwischen der Konstruktion von Identitäten und ihrer lebensweltlichen Dimension erhellen. Dieser Ansatz wurde von Herwig Wolfram und Walter Pohl entwickelt; die "Wiener Schule" ist mittlerweile als international führendes Forschungszentrum anerkannt. Walter Pohl hat eine Reihe von Forschungsperspektiven erschlossen, die er derzeit verfolgt. Neben der Untersuchung ethnischer Identitäten im frühmittelalterlichen Ostmitteleuropa (eine englische Neuausgabe des Buches über die Awaren ist in Arbeit) ist eine Fallstudie über das langobardische Italien in Vorbereitung. Wie verwandelte sich das ehemalige Kernland des Römischen Reiches, und welche Rolle spielten die "Barbaren" bei diesem Prozess? Welche Identitäten spielten wann und für wen eine Rolle? Um solche Fragen beantworten zu können, hat Walter Pohl einen neuen Ansatz bei der Untersuchung frühmittelalterlicher Texte entwickelt. Die vielfältigen Kontexte und Varianten von Texten in mittelalterlichen Handschriften reflektieren die Anstrengungen von Individuen und Gruppen, der Welt Sinn zu geben. Der Frage nach "Texten und Identitäten" ging Pohls Buch über Montecassino im Frühmittelalter nach, und sie wird nun in ähnlichen Bereichen von einer Gruppe jüngerer Historiker weiter verfolgt. Die Untersuchung von "Texten der Identität" im Frühmittelalter wird in den kommenden Jahren im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit stehen. Diese Forschungsvorhaben sollten ein umfassendes neues Bild der ethnischen Prozesse und der Konstruktion von Identitäten im nach-römischen Europa ergeben. In zwei kürzlich erschienenen Büchern ("Die Germanen", "Die Völkerwanderung") hat Pohl eine erste Synthese versucht. Nötig sind weitere vergleichende Studien über frühmittelalterliche Migration und Integration, wobei ein interdisziplinärer Ansatz und ein Dialog mit der Forschung über heutige Migrationen entwickelt werden soll. Das Mittelalter bietet einzigartige Möglichkeiten, langfristige ethnische Prozesse auf Grund beträchtlicher schriftlicher und materieller Quellen zu untersuchen. Die Art, wie ethnische Identitäten zur Grundlage politischer Macht und individueller Selbstwahrnehmung wurden, ist den Europäern gemeinsam und geht in vieler Hinsicht auf das Frühmittelalter zurück. Die Erforschung ethnischer Prozesse im Frühmittelalter kann daher manches zum Verständnis der heutigen Welt beitragen.

Wie entstanden im frühen Mittelalter die europäischen Völker? Wenige historische Probleme haben im 19. und 20. Jahrhundert so weit reichende ideologische Folgen gehabt. Dass ethnische Identitäten keine Frage des Blutes, sondern Ergebnis historischer Prozesse sind, wurde erst langsam deutlich. Die Forschung muss sich folglich auf mehreren Ebenen bewegen. Natürlich beschäftigt sie sich mit dem Hervortreten ethnischer Gruppen wie Franken, Angelsachsen oder Slawen und mit den frühmittelalterlichen Wahrnehmungen dieser neuen Identitäten. Zugleich geht es um eine lange Geschichte der Suche nach den Ursprüngen und der Identifikation mit Völkern der Vergangenheit, bis hin zu moderner Geschichtsforschung und Ideologie. Um die Funktion solcher ethnischer Erinnerungen zu verstehen, gilt es auch zu analysieren, wie ethnische Identitäten insgesamt so wichtig für die politische Landschaft Europas werden konnten, anders als in anderen Kulturen (zum Beispiel in der islamischen Welt). Die Untersuchung vergangener Identitäten kann der Erforschung moderner Nationsbildung Tiefenschärfe verleihen und den Zusammenhang zwischen der Konstruktion von Identitäten und ihrer lebensweltlichen Dimension erhellen. Dieser Ansatz wurde von Herwig Wolfram und Walter Pohl entwickelt; die "Wiener Schule" ist mittlerweile als international führendes Forschungszentrum anerkannt. Walter Pohl hat eine Reihe von Forschungsperspektiven erschlossen, die er derzeit verfolgt. Neben der Untersuchung ethnischer Identitäten im frühmittelalterlichen Ostmitteleuropa (eine englische Neuausgabe des Buches über die Awaren ist in Arbeit) ist eine Fallstudie über das langobardische Italien in Vorbereitung. Wie verwandelte sich das ehemalige Kernland des Römischen Reiches, und welche Rolle spielten die "Barbaren" bei diesem Prozess? Welche Identitäten spielten wann und für wen eine Rolle? Um solche Fragen beantworten zu können, hat Walter Pohl einen neuen Ansatz bei der Untersuchung frühmittelalterlicher Texte entwickelt. Die vielfältigen Kontexte und Varianten von Texten in mittelalterlichen Handschriften reflektieren die Anstrengungen von Individuen und Gruppen, der Welt Sinn zu geben. Der Frage nach "Texten und Identitäten" ging Pohls Buch über Montecassino im Frühmittelalter nach, und sie wird nun in ähnlichen Bereichen von einer Gruppe jüngerer Historiker weiter verfolgt. Die Untersuchung von "Texten der Identität" im Frühmittelalter wird in den kommenden Jahren im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit stehen. Diese Forschungsvorhaben sollten ein umfassendes neues Bild der ethnischen Prozesse und der Konstruktion von Identitäten im nach-römischen Europa ergeben. In zwei kürzlich erschienenen Büchern ("Die Germanen", "Die Völkerwanderung") hat Pohl eine erste Synthese versucht. Nötig sind weitere vergleichende Studien über frühmittelalterliche Migration und Integration, wobei ein interdisziplinärer Ansatz und ein Dialog mit der Forschung über heutige Migrationen entwickelt werden soll. Das Mittelalter bietet einzigartige Möglichkeiten, langfristige ethnische Prozesse auf Grund beträchtlicher schriftlicher und materieller Quellen zu untersuchen. Die Art, wie ethnische Identitäten zur Grundlage politischer Macht und individueller Selbstwahrnehmung wurden, ist den Europäern gemeinsam und geht in vieler Hinsicht auf das Frühmittelalter zurück. Die Erforschung ethnischer Prozesse im Frühmittelalter kann daher manches zum Verständnis der heutigen Welt beitragen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 20%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 80%

Research Output

  • 16 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2007
    Titel Monks, Kings, and the Transformation of Sanctity: Jonas of Bobbio and the End of the Holy Man
    DOI 10.1017/s0038713400010241
    Typ Journal Article
    Autor Diem A
    Journal Speculum
    Seiten 521-559

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